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„Ich habe kein Vertrauen mehr in den Vorstand“, sagt Antonio Fernandez.

Unstimmigkeiten in der Führungsetage

Kassier schmeißt hin: Vorstand des TSV West schrumpft weiter

  • Thomas Benedikt
    vonThomas Benedikt
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  • Dieter Metzler
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Der Vorstand des TSV West hat ein weiteres Mitglied verloren.

Fürstenfeldbruck – Zum 31. Mai legte Schatzmeister Antonio Fernandez, der erst vor drei Jahren den Posten von Michael Stahl übernommen hatte, sein Amt nieder. Bereits im Dezember des vergangenen Jahres waren mit dem langjährigen Präsidenten Günter Eichinger, Jugendleiterin Meltem Yildiz und Schriftführerin Carmen Gleißner drei Vorstandsmitglieder von ihren Posten zurückgetreten.

Der TSV-Vorstand besteht jetzt neben Präsident Anton Maletz nur noch aus dem zweiten Vizepräsidenten Ivan Severinac, sowie Andreas May, der kommissarisch das Amt des Jugendleiters übernahm. Der Rücktritt kam für Vereins-Chef Maletz nicht völlig unerwartet. Fernandez habe schon angedeutet, dass ihm die Arbeit nicht mehr so viel Spaß mache, erzählt Maletz. Dass er schon länger mit dem Gedanken gespielt habe, zurückzutreten, bestätigt auch Fernandez gegenüber dem Tagblatt.

Vereins-Chef überrascht von Anschuldigungen

Seinem ehemaligen Schatzmeister stellt Maletz ein positives Zeugnis aus: „Er hat gute und gewissenhafte Arbeit geleistet.“ Umso überraschter zeigt sich der TSV-Präsident deshalb von den Vorwürfen, die Fernandez vor allem in Richtung seiner Person äußerte. „Ich habe kein Vertrauen mehr in den Vorstand“, so der ehemalige Schatzmeister. „Ich habe einfach das Gefühl, dass der Vorstand vieles im Alleingang erledigt, ohne mich in die Entscheidungen mit einzubeziehen.“

Auch hält Fernandes dem West-Präsidenten vor, dass kaum mündliche Kommunikation stattgefunden habe. „Alles läuft über E-Mails. Dabei wurde ich häufig vor vollendete Tatsachen gestellt.“ Der E-Mail-Verkehr sei notwendig gewesen, sagt dagegen Maletz. Häufiges Thema seien die Planungen zum neuen Sportzentrum West gewesen. „Hier geht es um viel Geld“, so Maletz. Deshalb sei eine schriftliche Dokumentation und somit eine Kommunikation per Mail unerlässlich.

Ex-Kassier spricht von Vertrauensbruch

Als schwerwiegenden Vertrauensbruch bezeichnet Fernandez, dass gerade er als verantwortlicher Schatzmeister des Vereins nicht in die Finanzierung eben jenes Sportzentrums mit eingebunden gewesen sei. „Hier werden für die Zukunft des Sportvereins im Brucker Westen Entscheidungen von großer finanzieller Tragweite getroffen“, so Fernandez – und er bleibe dabei außen vor. „Maletz versprach mir zwar, einen Ordner mit entsprechenden Unterlagen zu geben, auf den warte ich allerdings bis heute.“

Dem widerspricht Maletz vehement: „Der Ordner war bei jeder Vorstandssitzung dabei, da hätte er jederzeit rein schauen können.“ Die übrigen Vorstandsmitglieder könnten dies bezeugen, so der Präsident.

Vorstandswahl wegen Corona verschoben

„Der Vorstand muss sich nichts ankreiden lassen“, sagt Anton Maletz.

Für Fernandez war dennoch klar: So kann er seinen Job als Kassier des Vereins nicht ernsthaft und gewissenhaft wahrnehmen. „Ich habe in alle Vorgänge keinen Einblick. Wenn man als Kassier das Gefühl hat, dass der Vorstand nicht mit einem zusammenarbeitet, ist jedes Vertrauen dahin.“ Jetzt ist das Amt unbesetzt. Die Jahreshauptversammlung, die wegen der Corona-Pandemie zunächst vom 24. April auf den 8. Mai verlegt wurde, musste aufgrund des Versammlungsverbots bis auf Weiteres verschoben werden. Maletz rechnet damit, dass man spätestens im Herbst zusammenkommen könne. Dann sollen die vakanten Posten vergeben werden. Und auch der West-Präsident will sich dem Votum der Mitglieder stellen. „Ich werde natürlich den Wunsch der Mehrheit respektieren“, so Maletz. Ganz gleich, ob die Mitglieder sich für oder gegen ihren Präsidenten entscheiden. „Der aktuelle Vorstand muss sich nichts ankreiden lassen“, sagt Maletz. Er wünscht sich aktuell nur eines: Dass endlich wieder Ruhe in den Verein einkehrt.

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