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Der Mann mit dem Klingelbeutel: Simon Baumgartner treibt beim FC Aich die Schulden ein. 

Fupa-Leaks: Strafenkataloge enthüllt

“Verschossener Elfer - Drei Maß Bier“: So füllen sich die Mannschaftskassen in Aich und Geiselbullach

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Nicht nur bei den Profis dreht sich alles ums liebe Geld (wie zuletzt in Riberys Goldsteak-Fall). Auch in den Niederungen des Amateurfußballs spielt der schnöde Mammon eine – wenn auch eher untergeordnete, aber dennoch nicht zu vernachlässigende – Rolle. Gemeint sind die Strafenkataloge.

Aich/Geiselbullach Sie dienen der Strukturierung und Durchsetzung vorher festgelegter Mannschaftsregeln. Durch die Erlöse lassen sich so manche Feste finanzieren. Oder auch notwendiges Material anschaffen. Das Tagblatt hat sich über derartige Modalitäten stellvertretend für alle übrigen Vereine beim FC Aich und in Geiselbullach umgehört.

Bei seinen Gegenspielern in der Kreisliga ist Simon Baumgartner gefürchtet. Auch seine Teamkollegen zucken ehrfurchtsvoll zusammen, wenn der 27-Jährige mal wieder mit dem Klingelbeutel in der Kabine steht. Als Kassenwart ist Baumgartner für das Eintreiben der Strafen zuständig. Der Katalog beim Brucker Vorstadtklub umfasst „die üblichen Sachen halt“, so Baumgartner. Einer der Klassiker ist Rauchen oder Biertrinken im Trikot. „Gerade nach dem Spiel versucht man, dem Kollegen eine Halbe in die Hand zu drücken.“ Was auch immer mal wieder gelingt. Dann sind fünf Euro Strafe fällig. Klingelt das Handy in einer offiziellen Teambesprechung werden drei Euro fällig. Wer zu spät kommt, den straft nicht nur das Leben, sondern auch Baumgartner. Pauschal fünf Euro sind zu zahlen, egal ob man sich eine Minute oder mehr verspätet.

Richtig teuer wird es, wenn man bei Spielen unentschuldigt fehlt. Dann sind stolze 50 Euro zu berappen. Das kam bislang in der bisher vierjährigen Amtszeit Baumgartners noch nicht vor. Doch erst kürzlich bei der Hallenmeisterschaft hatte ein Mitspieler mal verschlafen und reagierte auch nicht auf Anrufe. Kurzerhand fuhr Co-Trainer Adnan Velic zur Wohnung und weckte ihn per Dauerklingen. Um die fällige Strafe kam die Schlafmütze dennoch nicht herum. Wer im Spiel meckert und eine Gelbe Karte kassiert, ist mit zehn Euro dabei. Ab der dritten Verwarnung wird es fünf Euro teurer. Bei einem Platzverweis entscheidet der Mannschaftsrat. So kam Christof Pichler in der Vorsaison um die Strafzahlung herum, weil die vom Schiri bei der Partie gegen Bernbeuern verhängte Rote Karte höchst umstritten und für den 20-Jährigen schon Strafe genug war. Allerdings musste der Youngster die Überreste der Weihnachtsfeier beseitigen.

Ein falscher Einwurf im Spiel kostet zwei Euro, ein verschossener Elfer drei Maß Bier. Die günstigsten Strafen in Aich sind der Beinschuss im Trainingsspielchen „Fünf gegen zwei“ sowie „unangebrachte Fragen“ (jeweils 50 Cent). Unappetitliches wie „Furzen in der Kabine“ oder „In die Dusche pinkeln“ werden mit jeweils drei Euro sanktioniert. „Unangebrachtes in der offizielle Chat-Gruppe“ zu posten, wird mit zwei Euro bestraft. Erscheint ein Spieler mit seinem Konterfei im Tagblatt, ist zudem ein Kasten Bier fällig.

Ähnlich liest sich der Strafenkatalog beim Kreisklassisten TSV Geiselbullach. Dort verwaltet Tim Greiner die Kasse. Wie in Aich werden auch in Geiselbullach Zu-spät-Kommen, Handyklingeln sowie Biertrinken und Rauchen im Trikot sanktioniert. „Die jungen Spieler fallen schon ab und zu drauf rein.“ Die kurioseste Bestrafung ist wohl eine für die „Verbreitung von Fäulnisgerüchen in der Kabine“. Kostet stolze zehn Euro.

Auch wer sich in Aich nichts zu schulden kommen lässt, muss zahlen: Jeder Spieler hat einen pauschalen Grundbeitrag von 25 Euro zu leisten. Mit den Strafen kamen in Aich in der abgelaufenen Hinrunde so knapp 800 Euro zusammen. So finanzieren die Schützlinge von Trainer Wolfgang Reinhardt ihren traditionellen Hüttenausflug vor der Winterpause. In Geiselbullach wird der Inhalt der Strafkasse vor ein Feier im Getränkemarkt ausgegeben. 

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