Carina Nöhmeier besteht auf Fair-Play.
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Carina Nöhmeier besteht auf Fair-Play.

Ehemalige Jugendtrainerin des FC Garmisch-Partenkirchen im Interview

Nöhmeier: Manchmal üben die Eltern statt der Kinder den Wettkampf aus

  • vonMarco Blanco-Ucles
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Carina Nöhmeier trainierte drei Jahre lang eine Jugendmannschaft beim 1. FC Garmisch-Partenkirchen. Im Interview spricht sie über den richtigen Umgang mit den Kindern.

Garmisch-Partenkirchen – Der Job eines Jugendtrainers ist oftmals kein Zuckerschlecken. Nach Niederlagen müssen die Kinder behutsam aufgebaut werden, bei Siegen sollte dafür gesorgt werden, dass sie nicht abheben. Carina Nöhmeier trainierte bis vor Kurzem drei Jahre lang beim 1. FC Garmisch-Partenkirchen eine Mannschaft im Kleinfeldbereich. Im Interview spricht sie über den Umgang mit Niederlagen und die Kunst, auch bei klaren Erfolgen den Fair-Play-Gedanken zu beachten.

Wie haben Sie Ihre Spieler nach Niederlagen wieder aufgebaut?

Das läuft bei jedem Spieler anders. Sie reagieren alle unterschiedlich auf Niederlagen. Manchen gehen tiefenentspannt vom Platz, andere bekommen einen Heulkrampf.

Welche Worte müssen dann gefunden werden?

Ich versuche, sie zu trösten und ihnen zu erklären, dass sie aus Niederlagen auch etwas lernen können.

Und was können sie daraus lernen?

Wir haben beispielsweise bei einem Hallenturnier das Finale im Elfmeterschießen verloren. Ich habe den Jungs gesagt, dass sie beim nächsten Elfmeterschießen bereits wissen werden, worauf es ankommt. Es wird keine neue Situation mehr für sie sein.

Oft sind es nicht die Spieler, die ihrem Frust nach Niederlagen freien Lauf lassen, sondern die Eltern.

Ja, das stimmt leider. Wobei ich sagen kann, dass ich von Beginn an coole Spielereltern hatte, bei denen ich nie eingreifen musste. Wäre das anders gewesen, hätte ich mir etwas überlegt, um es zukünftig zu vermeiden.

Woran liegt es Ihrer Meinung nach, dass Elternteile immer wieder aus der Haut fahren?

Manchmal habe ich das Gefühl, dass nicht die Kinder einen Wettkampf ausüben, sondern die Eltern am Spielfeldrand.

Fair-Play sollte nicht nur in der Niederlage, sondern auch bei Siegen vorgelebt werden. Wie vermittelt eine Trainerin das ihren jungen Schützlingen?

In den Ligaspielen haben wir häufig zur Halbzeit hoch geführt. Oftmals haben wir dann für die zweite Hälfte Positionen getauscht, um ein paar Dinge auszuprobieren. Es ist sehr wichtig, dass dein Gegner nicht gedemütigt wird, selbst wenn du klar überlegen bist. Auch wenn es den Jungs natürlich nicht immer gefällt, wenn man sie bremst.

Gab es Beschwerden der Spieler?

Am Ende der Hinrunde verpassten wir die Herbstmeisterschaft, weil wir im Vergleich zum TSV Murnau das schlechtere Torverhältnis hatten. Die Jungs waren deswegen stocksauer. „Immer du mit deinen Regeln, damit wir nicht noch mehr Tore schießen“, haben sie mir vorgeworfen (lacht).

Ihre Mannschaft verpasste den Merkur CUP 2020 Corona-bedingt. Im Herbst soll er nachgeholt werden. Eine gute Idee?

Prinzipiell ja, aber in unserem Fall schwierig. Ein Großteil der Mannschaft ist in die D-Jugend gekommen. Zusätzlich gibt es einige Abgänge. Das Team wird also in der ursprünglichen Besetzung leider nicht mehr zusammenspielen. Das ist natürlich schade für die Jungs. Sie hatten sich sehr darauf gefreut.

Das Interview führte Marco Blanco Ucles

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