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Viel Zeit für Frau und Kinder bleibt dem 1. FC-Coach Christoph Saller aktuell. Das ist der eine positive Aspekt .

Saller vom 1. FC Garmisch-Partenkirchen berichtet über die aktuelle Situation

Saller für Vollendung der Saison

Von kollektiver Depression sind die Landesliga-Fußballer des 1. FC Garmisch-Partenkirchen weit entfernt. Doch hinterlässt das derzeitige Kontaktverbot natürlich auch am Gröben seine Spuren.

Garmisch-Partenkirchen–Spieler wie Verantwortliche sind allmählich genervt vom gezwungenen Müßiggang. Dabei wirkt sich die Coronakrise beim 1. FC nicht nur auf den sportlichen Bereich aus. Auch Verhandlungen mit zukünftigen Sponsoren liegen derzeit aufgrund der allgemeinen Planungsunsicherheit auf Eis. Die Meinungen über ein baldiges Ende der Spielpause werden daher innerhalb des Klubs kontrovers diskutiert.

Christoph Saller etwa versucht, der gültigen Ausgangsbeschränkung etwas Gutes abzugewinnen. So könne er nach der Arbeit ohne Verzug nach Hause, wo sich seine zwei Kinder auf den Papa freuen. So weit, so gut. Doch Saller ist Fußballer aus Leidenschaft. Der Punkt, an dem ihm die Decke auf den Kopf zu fallen droht, nähert sich unaufhaltsam. „Wir brauchen den Freizeitsport für die Ausgeglichenheit der Gesellschaft“, betont der FC-Coach. Das Gebot, mehrheitlich in den eigenen vier Wänden zu verweilen, sei aktuell notwendig, aber auf Dauer nicht aufrecht zu erhalten. „Für die Work-Life-Balance ist das eine Katastrophe.“ Fußball sei für viele Menschen eine „Passion“, der damit verknüpfte Spaßfaktor unabdingbar.

Gleichwohl stellt Saller klar, dass er nicht um des Fußballs Willen vorschnelle Entscheidungen der Verbände oder der Regierung erwartet. Selbst im Fachärzte- und Virologenkreis gingen ja die Meinungen bezüglich der richtigen Herangehensweise mit der Pandemie zum Teil weit auseinander. „Da möchte ich nicht in der Haut des BFV stecken“, räumt der 45-Jährige ein. Am Wochenende steht zumindest einmal eine Videokonferenz mit den jeweiligen Ligenleitern an. Womöglich gibt es dann erste Tendenzen, wie es im Amateurfußball weitergeht.

Saller ist für eine Vollendung der aktuellen Saison

Sallers Spieler befinden sich derweil im sportlichen Homeoffice. Dort arbeiten sie in Zusammenarbeit mit den von Fitnesscoach Axel Hof ausgetüftelten Hausaufgaben an ihrer Athletik. Mit überschaubarer Abwechslung. „Es beschränkt sich zu 95 Prozent auf Fitness und Laufen“, sagt Saller. „Uns bleibt nichts anderes übrig.“ Wenigstens physisch möchte man beim 1. FC für den Fall der Fälle, sprich Wiederaufnahme des Spielbetriebs, gerüstet sein. Saller präferiert hierbei eine Vollendung der kompletten Saison. „Wenn es irgendwie machbar ist“, ergänzt er. Zugleich schlägt er außerordentliche Änderungen der Durchführungsbestimmungen, wie etwa eine Saisonverlängerung vor – gegebenenfalls auch ohne die zuletzt ohnehin sehr kurze Sommerpause.

Einmal ginge das schon, glaubt der Garmisch-Partenkirchner. Es herrsche eine „Extremsituation“, die in dieser Form „hoffentlich“ nicht mehr kommen werde. „Klar, dass das nicht ideal ist.“ Die Halbzeittabelle sei für ihn alternativ immerhin ein „einigermaßen akzeptables“ Kriterium zur Wertung der laufenden Runde. „Dann hat wenigstens Jeder einmal gegen Jeden gespielt.“ Keinesfalls aber dürfte Sallers Meinung nach die komplette Runde annulliert werden, nachdem bereits rund zwei Drittel aller Paarungen absolviert wurden. In der praktischen Umsetzung sieht Saller in einem Fertigspielen der Saison keine Probleme. Sechs englische Wochen am Stück, davon drei Partien auswärts. „Das sollte jeder auf die Reihe bekommen.“ Weil es alle Klubs gleichermaßen treffen würde, würden die Pfade der Fairness nicht verlassen.

Albl glaubt nicht, dass die Saison zu Ende gespielt werden kann

Ungleich weniger optimistisch ist Arne Albl. „Ich glaube nicht, dass die Saison zu Ende gespielt wird“, sagt der Sportvorstand des 1. FC ohne Umschweife. Selbst bei einer zeitnahen Lockerung der Restriktionen werde es seiner Ansicht nach „noch lange“ dauern, ehe wieder Veranstaltungen von 200 Zuschauern über die Bühne gehen dürfen. Albl stellt klar: „Der Fußball ist momentan nicht wichtig – sondern dass sich die Leute an die Vorgaben halten und gesund bleiben.“ Die Planungen des Klubs hinsichtlich der neuen Saison liegen derweil auf Eis. Bereits geführte Gespräche „relativieren“ sich, solche mit möglichen Gönnern verböten sich. „Das wäre nicht angebracht.“ Albl glaubt, dass das bestehende Konzept mit den Sponsoren des 1. FC nach Beendigung der Coronakrise „völlig neu“ aufgestellt werden müsse. Auch der Gesamtetat einschließlich der Nachwuchsabteilungen werde zur gegebenen Zeit überprüft. Bis dahin helfen persönliche Einschätzungen und Prognosen nicht. „Solange man nicht weiß, wie es wirtschaftlich weitergeht, ist alles Makulatur“, stellt Albl klar. Was das künftige Gesicht des Teams betrifft, gibt sich der Funktionär bewusst gelassen. Durch die seitens der Mannschaft geäußerte Bereitschaft, geschlossen zusammen zu bleiben, seien Neuzugänge „nicht existenziell wichtig“ für den Verein.

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