Kuchen zum Landesliga-Aufstieg gab es für Hannes Benkert (2.v.r.) und seine Kollegen Michael Kozik und Kapitän Peter Kramer dann gleich im Jahr 1996.
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Kuchen zum Landesliga-Aufstieg gab es für Hannes Benkert (2.v.r.) und seine Kollegen Michael Kozik und Kapitän Peter Kramer dann gleich im Jahr 1996.

Vor 25 Jahren stieg Garmisch in die Bezirksoberliga auf

1. FC Garmisch-Partenkirchen: Als Torwart Hannes Benkert drei Elfer hielt und selbst traf

  • vonMarco Blanco-Ucles
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Torwart Hannes Benkert wurde vor 25 Jahren für den 1. FC Garmisch-Partenkirchen zum Helden. Im Elfmeterschießen der Relegation hielt er drei Elfer und verwandelte selbst.

Garmisch-Partenkirchen – Hannes Benkert ist keiner, der in der Vergangenheit lebt. Und dennoch hat er neulich, als sich der Aufstieg des 1. FC Garmisch-Partenkirchen in die Fußball-Bezirksoberliga zum 25. Mal jährte, die Alben mit alten Zeitungsartikeln wieder herausgeholt. Sein Vater Franz Benkert , langjähriger Vorstand des FC, hat alle wichtigen Erinnerungen aus der damaligen Zeit aufgehoben.

1. FC Garmisch-Partenkirchen: Elferkiller Benkert wird zum Aufstiegsheld

25 Jahre ist es nun her, als der damals 20-jährige Torhüter Hannes Benkert im Relegationsspiel um den Aufstieg zum großen Helden für die FCler wurde. Auf neutralem Terrain in Pöcking setzten sich die Werdenfelser in einem dramatischen Elfmeterschießen gegen den FC Neufahrn mit 7:6 durch. Aufgrund einer Adduktorenverletzung hatte Benkert im Vorfeld der Partie vier Wochen lang nicht trainieren können. Doch für das wichtige Spiel ließ er sich fitspritzen. Der junge Keeper parierte dreimal und besorgte den entscheidenden Treffer höchstpersönlich. Als in einem endlosen Krimi bereits neun FC-Kicker angetreten waren, musste Benkert ran, da der FC nach einem Platzverweis nur noch zu zehnt war. Vor 950 Zuschauern keine leichte Aufgabe für den Youngster, erinnert er sich: „Natürlich waren Druck und Anspannung vorhanden.“ Benkert traf und brachte seine Farben in Front. Und als er anschließend auch noch den Strafstoß des Neufahrners Alex Eckhardt parierte, gab es für alle, die dem Team von Coach Rudi Brunnenmeier wohlgesonnen waren, kein Halten mehr.

1. FC Garmisch-Partenkirchen: Sieg des TSV 1860 macht Aufstieg in die BOL klar

Doch noch war der Aufstieg nicht perfekt. Die Ausgangslage dafür simpel: Sollten die Amateure des TSV 1860 München wenige Tage später ihr Relegationsspiel um den Aufstieg in die Landesliga gegen die SpVgg Kaufbeuren gewinnen, wäre der Aufstieg der Werdenfelser in die Bezirksoberliga perfekt. Bei einer Niederlage der Löwen hätten Benkert und sein Team noch ein weiteres Relegationsmatch gewinnen müssen. Am Tag des Löwenspiels fuhr der gesamte FC-Tross nach Landsberg, um die Sechziger vor Ort anzufeuern. Nach Abpfiff konnten sowohl 1860 als auch der FC feiern. Durch den 3:1-Erfolg der Giesinger stiegen beide Vereine auf.

Die Brunnenmeier-Schützlinge ließen es im Anschluss ordentlich krachen, erinnert sich Benkert: „Wir haben diesen Abend genossen und viel gefeiert.“ Fünf Jahre danach fuhr er erneut an den Pöckinger Sportplatz, um in einer ruhigen Minute die Ereignisse noch einmal Revue passieren zu lassen. „Die Erinnerungen kamen sofort wieder hoch“.

Benkert: Mehrere Kreuzbandrisse verhinder womöglich Profikarriere

Mit 20 Jahren stand der Keeper am Anfang seiner Laufbahn. Und er arbeitete hart daran, sich stetig zu verbessern. „Ich trainierte vier- bis fünfmal wöchentlich. Zur Not auch alleine. Meine Einstellung war es, immer Vollgas zu geben. Mein Ziel hieß Profifußball.“

Wenige Tage nach dem Aufstieg in die Bezirksoberliga folgte der erste große Rückschlag in der Karriere des Hannes Benkert. In einem Benefizspiel gegen die SpVgg Unterhaching lief er für eine Landkreis-Auswahl auf und riss sich das Kreuzband. Der Verein reagierte und verpflichtete kurzfristig für ein Jahr den ehemaligen Zweitligakeeper Anton Häfele. Im Winter kehrte Benkert auf den Platz zurück. Er musste sich vorerst hinten anstellen. Die Mannschaft befand sich klar auf Kurs Landesliga. Der junge Keeper durfte sich vorerst nur in den Pokalspielen auszeichnen. Doch nach dem Aufstieg bekam er wieder das Vertrauen des Trainers geschenkt. Nach Rang 14 im ersten Jahr mussten die FCler nach der zweiten Spielzeit 1998 den Gang zurück in die Bezirksoberliga antreten.

In der Winterpause der Spielzeit 98/99 riss sich Benkert zum zweiten Mal das Kreuzband. Das vorläufige Ende der Laufbahn. Er wollte sich auf seinen Beruf bei der Bank konzentrieren. Drei Jahre später überredete ihn sein Vater zum Comeback. Es war Not am Mann. Sechs Jahre lang half Benkert immer aus, wenn er gebraucht wurde. Mal als Keeper in der Ersten Mannschaft, mal als Stürmer in der Zweiten. Als Angreifer hatte er einen entscheidenden Vorteil auf seiner Seite: „Ich wusste ja, wie Torhüter ticken und wo sie hinspringen.“ Im Alter von 33 Jahren dann das endgültige Ende als Fußballer: der dritte Kreuzbandriss. Seitdem arbeitete er lediglich eine Zeit lang als Torwarttrainer. Erst in Garmisch-Partenkirchen, später in Uffing.

Benkert: Probetraining beim FC Bayern München

Bis zu seiner zweiten schweren Verletzung träumte Benkert von einer Karriere als Fußballprofi. Im Alter von 22 Jahren erhielt er eine Einladung zum Probetraining beim FC Bayern München. Für den Torhüter rückblickend das wahrscheinlich größte Ereignis seiner Laufbahn: „Das ist schon Wahnsinn, wenn ein Raimond Aumann dir die Tür zur Kabine aufsperrt.“ Das Feedback von Chefscout Wolfgang Dremmler war „sehr positiv“. Bei einer Partie in der Landesliga, als er ohne davon zu wissen, erneut von den Scouts des FC Bayern beobachtet wurde, erwischte Benkert keinen guten Tag. Die Chance war vorerst dahin. Über den FC Bayern wurde auch der Kontakt zu Tennis Borussia Berlin, die damals von Hermann Gerland gecoacht wurden, hergestellt. Es bestand auch dort die Möglichkeit zu einem Probetraining. Doch der junge Torhüter entschied sich, auch auf Anraten seines Vaters, dagegen. Mit dem zweiten Kreuzbandriss musste er den Traum begraben.

Benkert: Mit dem Wissen von heute wäre vieles anders gelaufen

Rückblickend sagt der heutige Gästeführer und Eventveranstalter: „Wenn ich damals bereits das Wissen von heute, beispielsweise zum Thema Ernährung, gehabt hätte, wäre vieles womöglich anders gelaufen.“ Da er mit einer Größe von 1,85 Metern nicht die Idealmaße für einen Torhüter hatte, musste er sich in puncto Reaktionsschnelligkeit, Timing und Sprungkraft von der breiten Masse abheben. Sein verbissener Ehrgeiz und der unbändige Wille erinnern stark an einen großen Keeper dieser Zeit: Oliver Kahn. Kein Zufall, verrät Benkert: „Er war mein Vorbild. Edwin van der Saar habe ich auch bewundert, da er bereits viel mit dem Ball am Fuß agiert hat.“

Das Torwartspiel hat sich in den vergangenen Jahren extrem gewandelt. Oft ist der Keeper heutzutage der elfte Feldspieler, gestaltet den Spielaufbau aktiv mit. Das war zu Benkerts Zeit anders. Norbert Eder, Vize-Weltmeister von 1986 und ehemaliger Trainer vom FC, sagte zu ihm: „Hinten aber mal gar kein Risiko.“ Wichtig für Benkert ist, dass der Mann zwischen den Pfosten eine gewisse Präsenz und Ausstrahlung an den Tag legt.

Benkert: Habe ein Gespür für Elfmeter

Dass er 1995 in Pöcking zum großen Helden im Elfmeterschießen wurde, ist kein Zufall. Das Parieren von Strafstößen gehört zu seinen großen Stärken.“Über meine gesamte Karriere habe ich 50 bis 60 Prozent aller Elfmeter gehalten.“ Noch besser lief es, wenn die Entscheidung über Sieg oder Niederlage im Elfmeterschießen fiel. Benkert kann sich an keine einzige Entscheidung vom Punkt erinnern, die er verloren hat. Sein Geheimnis? „Ich habe ein Gespür dafür. Manche haben es, andere nicht. Außerdem ist eine gute Sprungkraft und Bewegungsschnelligkeit notwendig. Das waren immer meine Stärken.“ Bei den Profis im Fernsehen hatte er zudem immer das Verhalten von Schützen und Torhütern analysiert. Wenn er heute ein Elfmeterschießen anschaut, tippt er nach eigenen Worten bereits beim Anlaufen der Schützen zu 75 Prozent die richtige Ecke, in die der Spieler schießt.

Benkert: Auf einheimische Jungs zu setzen ist gut

Benkert und sein Team erlebten damals eine Hochphase der Vereinsgeschichte mit den Aufstiegen bis hoch in die Landesliga. Einen großen Anteil daran hatte Geldgeber Roland Holly, der für den damaligen Jung-Torhüter eine „elementare“ Rolle spielte. Trotz der vielen externen Neuzugänge stand eine eingeschworene Mannschaft auf dem Rasen: „Der Zusammenhalt im Verein war definitiv vorhanden.“ Nach dem Ende der Ära Holly stürzte der FC bis in die Kreisliga ab und musste sukzessive wieder an die höheren Spielklassen herangeführt werden.

2018 folgte die Rückkehr in die Landesliga. Seitdem arbeitet der FC hauptsächlich mit jungen Spielern aus der Region, was Benkert für „eine gute Sache“ hält. „Auf einheimische Jungs zu setzen, ist gut. Sie müssen dann aber auch unbedingt wollen.“ Er selbst besucht die Spiele am Gröben seit 2012 nicht mehr. Damals gab es Unstimmigkeiten mit bestimmten Personen aus dem Verein, die er nicht näher erläutern möchte. Für eine zukünftige Aufgabe im Verein sei er grundsätzlich offen, betont aber: „Wenn jemand auf mich zukommt und vernünftig mit mir spricht, warum nicht. Aber eines muss klar sein. Ich mache etwas entweder ganz oder gar nicht!“ So wie Hannes Benkert es schon immer getan hat. (MARCO BLANCO UCLES)

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