Nichts verlernt am Ball: Walter Gatscher läuft im Alter von 60 Jahren für den SC Eibsee Grainau im Mittelfeld auf – da staunen die weitaus jüngeren Gegenspieler nicht schlecht.
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Nichts verlernt am Ball: Walter Gatscher läuft im Alter von 60 Jahren für den SC Eibsee Grainau im Mittelfeld auf – da staunen die weitaus jüngeren Gegenspieler nicht schlecht.

Mit 60 Jahren für den SC Eibsee Grainau

Walter Gatscher: 750 Spiele – und noch lange nicht Schluss

  • VonRedaktion Garmisch-Partenkirchen
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Walter Gatscher spielt auch noch mit 60 Jahren für den SC Eibsee Grainau im Mittelfeld. 1978 gab er sein Debüt und kommt inzwischen auf 750 Spiele.

Grainau – Viele junge Burschen, gerade der A-Jugend entwachsen, gepaart mit Spielern im besten Fußballer-Alter und einigen ältere Akteuren Mitte, Ende 30, die immer mal wieder aushelfen. So die normale Altersstruktur eines Teams im Amateurfußball. Beim SC Eibsee Grainau ist in dieser Hinsicht aber nichts normal, denn einer ragt in puncto Alter heraus:Walter Gatscher, stolze 60 Jahre jung. Man beachte: Die Rede ist nicht von einer Altherren-Mannschaft. Gatscher spielt regelmäßig für Grainaus Zweite in der B-Klasse, und hilft auch ab und an bei der Ersten in der A-Klasse aus.

Gatscher: „Mir macht es einfach Spaß“

Dabei hatte er vor acht Jahren seine Laufbahn eigentlich beendet. Mit 52 sollte es gut gewesen sein. Runter vom Feld, ab an die Seitenlinie. Gatscher wollte das Dasein eines Trainers führen. Doch so richtig konnte er sich nicht lösen. Immer mal wieder sprang er selbst in die Bresche, wenn Personalnot herrschte. So vergingen die Jahre, mal half er aus, mal coachte er nur vom Spielfeldrand. Als in der Saison 2018/19 dann bei einer Partie der Zweiten nur neun Feldspieler zur Verfügung standen, entschloss sich Gatscher: Er steigt wieder voll ein – jedes Wochenende, nicht nur als Aushilfe. Er ist motiviert, verpasst kaum eine Trainingseinheit, geschweige denn am Wochenende ein Spiel. Mittlerweile hat er sich von dem Gedanken an ein baldiges Ende seiner Laufbahn verabschiedet, macht dies aber von zwei Punkten abhängig. „Solange ich beschwerdefrei bin und mich die jungen Spieler akzeptieren, werde ich nicht aufhören“, betont er. Seine Mitstreiter auf dem Platz sind froh, den Walde, wie sie ihn rufen, zu haben. Er ist vollends integriert und akzeptiert. Nach dem Training sitzen sie alle zusammen, trinken das wohlverdiente Bierchen – Gatscher bevorzugt die alkoholfreie Variante – und quatschen oder spielen noch eine Runde Karten. „Mir macht es einfach Spaß mit ihnen“, erzählt der Senior der Mannschaft.

Walter Gatscher: 750 Spiele - 150 Tore

Mit seinen 60 Jahren ist Gatscher momentan in Bayern der drittälteste Spieler –Altherren ausgeschlossen. Auf dieser Liste ganz oben steht ein Akteur aus der Oberpfalz, ein 65-Jähriger Verteidiger Jahrgang 1955. Der älteste Profifußballer ist der Ägypter Ezzeldin Bahader. In seinem Rekordspiel in der dritten ägyptischen Liga im Oktober 2020 erzielte er sogar einen Treffer vom Elfmeterpunkt – mit 74 Jahren. Gatscher kommt mittlerweile auf 750 Spiele, allesamt für Grainau. Gewechselt ist er nie. „Ich denke mir, wenn man sich bei einem Verein wohlfühlt, bleibt man auch bei ihm.“ Seine erste Partie im Herrenbereich datiert aus dem Juli 1978. Insgesamt hat er 150 Tore für den SC geschossen. „Da muss ich aber zugeben, das ein Großteil davon Elfmeter waren“, sagt Gatscher, der am liebsten im Mittelfeld aufläuft.

Alex Pernsteiner: Walters bester Mitspieler

Angesichts dessen, dass die Eltern seiner Mitspieler teils noch nicht geboren waren, als Gatscher bei den Herren debütierte, muss er natürlich gewisse Abstriche machen. „Klar, dass ich nicht so schnell wie ein 20-Jähriger bin.“ Sein Rezept, um der jüngeren Generation dennoch das Leben auf dem Platz schwer zu machen: „Ich muss die Bälle inzwischen viel früher abspielen, dem Gegner auch mal auf den Füßen stehen, mir mit kleinen Fouls das Leben einfacher machen.“ Hier ein leichter Rempler, dort ein kleiner Zupfer am Trikot. Gatscher kennt die Tricks der alten Fußball-Haudegen, ohne dabei je unsportlich zu werden. Anschauungsunterricht hat er über die Jahre ja genügend bekommen. Mit unzähligen Akteuren und Coaches hat Gatscher gespielt und trainiert. Einer ist ihm besonders in Erinnerung geblieben. „Der beste Mitspieler, den ich je hatte, war Alex Pernsteiner. Wie er den Ball behandelt und Tore geschossen hat, war auf einem brutal hohen Niveau.“ In all den Jahren hat Gatscher natürlich tausende Dinge auf den Plätzen der Region erlebt. Einen schönsten Moment hat er aber nicht. „Das war so unglaublich viel, da kann ich nicht sagen, was das Schönste war.“

Natürlich gab es auch Negtives, zig Verletzungen etwa. Mehrere gebrochene Zehen, ein Achillessehnenriss, sämtliche Bänder in beiden Knien gerissen und ein Jochbeinbruch stehen unter anderem in seiner Krankenakte. Doch er hat sich davon nie entmutigen lassen, sich immer wieder zurück auf den Platz gekämpft. Da braucht es auch den nötigen Rückhalt von der Familie. „Meine Frau hat mich immer unterstützt, obwohl sie sich natürlich auch Sorgen gemacht hat. Bis heute beschwert sie sich aber nie, wenn ich zum Fußball gehe“, erzählt Gatscher.

Gatscher: 800 Spiele als nächsten Meilenstein

Neben dem Fußball hat er auch andere Sportarten ausgeübt, unter anderem Klettern und Gleitschirmfliegen: „Da war ich einer der ersten, der das in unserer Region gemacht hat.“ Beruflich hat er eine Skischule und Eventagentur. „Das war teilweise schon schwierig, alles unter einen Hut zu bekommen, wenn ich Samstag auf dem Platz stehen musste.“ Doch Gatscher hat es hinbekommen, das Herz schlägt einfach für den Fußball und seinen SC Eibsee Grainau. Das soll es auch noch lange: Die 800 Spiele will er auf jeden Fall voll machen. (David Korber)

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