Er gibt weiter, sie saugen alles auf: Günter Hornung trainiert die beiden Torhüter-Talente Elena van Heukelom (l.) und Jasmin Janning.
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Er gibt weiter, sie saugen alles auf: Günter Hornung trainiert die beiden Torhüter-Talente Elena van Heukelom (l.) und Jasmin Janning.

Auf der Überholspur

TSV Murnau: Mit Elena van Heukelom und Jasmin Janning wachsen große Talente heran

  • Andreas Mayr
    VonAndreas Mayr
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Elena van Heukelom und Jasmin Janning werden schon in jungen Jahren als die Größten ihres Fachs gehandelt. Der BFV beruft beide in die Bayernauswahlen.

Murnau – Ihren Torwarttrainer haben sie bald überholt. Nur noch wenige Zentimeter fehlen zu Günter Hornung, dem Mann, der die Hexer ausbildet. Sportlich sind Elena van Heukelom (14) und Jasmin Janning (16) bereits Größen ihres Fachs. Die beiden Mädchen aus Seeshaupt und Fuchstal (Landkreis Landsberg) gehören zu den Besten in Bayern. Das bestätigt ihnen der Bayerische Fußball-Verband (BFV) offiziell, der beide in seine Bayernauswahlen berufen hat.

TSV Murnau: Regelmäßiges und hochklassiges Torwarttraining wird hier großgeschrieben

Auf der Suche nach der Quelle ihres Erfolgs landet man sehr schnell in Murnau beim TSV, seines Zeichens Jugendzentrum Oberland Süd, und bei Trainerin Caroline Rieger, früher selbst Zweitligaspielerin, die all das mitgemacht hat, was die Zwei gerade durchlaufen.

Rieger lädt an den Staffelsee ein, zum Platz des TSV etwa 100 Meter vom Seeufer entfernt. Auf einem Klappstuhl erklärt sie, wie die beiden nach Murnau gekommen sind. Denn der Weg der zwei Torfrauen gleicht sich. In der Regionalauswahl rieten ihre Coaches zum Wechsel. Wohin? Na nach Murnau, weil der TSV „in der Region mit Abstand das Höchste ist“, erklärt Caroline Rieger, die über gute Kontakte zum BFV verfügt. Auf gewisse Dinge lege der Verband wert – und genau die beachten sie in Murnau. Regelmäßiges und vor allem hochklassiges Torwarttraining ist so ein Aspekt.

Struktur für hochklassigen Mädchenfußball wird in Bayern nur schleppend aufgebaut

Hornung hat viele Keeper betreut und noch viele mehr gesehen. Was ihm auffällt: Frauen sind zielstrebiger. Sie diskutieren nicht, sie schummeln nicht, sie wollen vorankommen. Und wie die zwei Talente vorankommen. Jasmin Janning fährt, wenn alles gut geht, im September mit dem bayerischen Team zum Länderpokal nach Duisburg. Ihr Ziel: ein Platz in der U19-Nationalmannschaft. Ihren Karrierepfad hat sie längst skizziert. Diese Saison fängt sie noch in Murnau, in der U17 bei den großen Jungs, die „körperlich ganz anders hingehen“, wie sie im Training feststellt, oder in der U16 – beides ehemalige Bayernliga-Teams im C-Jugendbereich. Danach, mit 17, darf sie nicht mehr, muss in den Frauenbereich.

Einige niederklassige Klubs – wir sprechen von Bezirksoberliga und Co. – haben bereits bei ihrem Vater angerufen. Doch sie will auf ein Internat, nach Leipzig, Hoffenheim oder sonst wo hin. Ist das nicht zu weit weg? Janning schüttelt nur den Kopf. „Das Paket muss stimmen“, betont die 16-Jährige. In Bayern gibt es kaum Klubs, die einen Ortswechsel zulassen. Die Struktur für hochklassigen Mädchenfußball wird im Freistaat nur schleppend aufgebaut. Im Grunde wäre nur der FC Bayern eine Alternative. Was ein Klub Janning bieten muss: Einsatzzeit und gutes Torwarttraining. Quasi alles, was sie in Murnau derzeit bekommt.

van Heukelom hat schon Erfahrung in der Bezirksoberliga sammeln können

Mit solch quälenden Themen muss sich van Heukelom nicht herumschlagen. Voriges Jahr stand sie bei der U13 im Kasten, Bezirksoberliga, höchste Klasse in diesem Alter. Nun soll sie schon Minuten in der U15-Bayernliga bekommen, was ganz viel über ihr Können aussagt, weil doch die meisten Torhüter mit dem Sprung vom kleinen aufs große Tor zu kämpfen haben. „Das ist eine saubere Leistung, bei uns zu fangen“, sagt Rieger, die die C-Jugend mitbetreut.

Die Seeshaupterin ist nicht das einzige Mädchen unter den Jungs, sondern eine von vielen in der Mannschaft. Sie hat schon mit vier, fünf Jahren, gegen die Burschen gekickt. Wer mit drei Brüdern – zwei älteren und einem Zwilling – aufwächst, hat auch keine andere Wahl. Die Familie hat in Seeshaupt einen großen Garten, zum Platz sind es zu Fuß nur zwei Minuten, der Weg war vorbestimmt. Kurz hat sie im Feld gespielt, bis der Torwart der JFG Osterseen aufhörte. „Ich wollte immer ins Tor“, sagt die 14-Jährige. Via Zweitspielrecht probierte sie es auch einmal unter Mädchen in Penzberg. Aber das „war nicht so hart – sag ich mal so“. Nun fährt sie dreimal die Woche ins Training nach Murnau. „Ist ja nicht extrem weit weg“, sagt ihre Trainerin.

„Wenn sich die Bundesliga ergibt, nimmst du‘s mit.“

Trainerin Caroline Rieger

Wenn’s um Stärken geht, schweigt van Heukelom. Was soll sie auch sagen, sich selbst loben? Gewiss die Größe mit über 1,70 Meter im Alter von 14 ist ein Vorteil. Rieger ergänzt die Spielruhe, die sehr ausgeprägt ist. Gilt übrigens auch für Janning. „Beide sind sehr starke Fußballerinnen, stark mit dem Ball am Fuß“, betont Rieger. Bei Janning kritisierten die Trainer bisher oft ihre Größe. Nun misst sie 1,73 Meter, fischt Flanken gegen Spieler derselben Größe aus der Luft und kommt „beim Hechten besser ins Kreuzeck und die Ecken“. Beste Voraussetzungen für die Bundesliga, ihr großes Ziel. Und bei Elena van Heukelom? Die zuckt mit den Schultern. Über die Zukunft habe sie sich „noch nicht so“ Gedanken gemacht.

Erst einmal Murnau. „Wenn sich Bundesliga ergibt, nimmst du’s mit“, scherzt Rieger. Ihre Kolleginnen in der U15-Bayernauswahl sind schon zum FC Bayern München und zur SpVgg Greuther Fürth gewechselt. Van Heukelom hingegen startet Anfang September mit dem TSV Murnau in die Bayernliga. (VON ANDREAS MAYR)

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