Auf einer Wellenlänge: Glück (r.) und Nagelsmann verstehen sich prächtig.
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Auf einer Wellenlänge: Glück (r.) und Nagelsmann verstehen sich prächtig.

2011 ging es nach Hoffenheim - acht Jahre später nach Leipzig

Benjamin Glück: Vom Boschet in Ohlstadt in die Champions League mit RBL

  • vonMarco Blanco-Ucles
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Vom Boschet in die Champions League: Benjamin Glück, Videoanalyst bei RB unter Julian Nagelsmann, spricht über seine Laufbahn. Von Ohlstadt ging es über Hoffenheim nach Leipzig. 

Leipzig – Wir schreiben den 18. August 2020. Im Estádio da Luz in Lissabon brennt das Flutlicht. Unten auf dem Rasen wärmen sich die Fußballer von RB Leipzig und Paris St. Germain für das Halbfinale der UEFA Champions League – dem größten und wichtigsten Vereinswettbewerb der Welt – auf. Weltklassespieler wie Neymar und Kylian Mbappé sind mit von der Partie. Zuschauer sind aufgrund der Corona-Pandemie keine zugelassen. Auf der Tribüne nehmen lediglich die Ersatzspieler, der Trainerstab sowie Betreuer Platz. Einer von ihnen: Benjamin Glück aus Ohlstadt. Der 34-Jährige ist Videoanalyst bei RB Leipzig. „Vom Boschet (Heimspielstätte des SV Ohlstadt; Anm. d. Red.) ins Champions-League-Halbfinale, das war schon der Wahnsinn“, erinnert sich Glück an diesen besonderen Tag zurück.

Vor zehn Jahren kam Benjamin Glück zur TSG 1899 Hoffenheim

2011 kam der Ohlstädter erstmals mit dem Profifußball in Berührung, absolvierte ein Praktikum in verschiedensten Bereichen des Nachwuchs-Leistungszentrums der TSG 1899 Hoffenheim – und hinterließ einen bleibenden Eindruck. Nach einem weiteren Praktikum stellten ihn die Kraichgauer schließlich fest ein. 2013 traf Glück bei der U19 der TSG auf den Mann, der seine berufliche Laufbahn nachhaltig beeinflussen sollte: Julian Nagelsmann. Der damals 26-jährige Coach der A-Jugend gilt heute als einer der besten Trainer in Europa. Zwischen den Bayern – Nagelsmann ist gebürtiger Landsberger – stimmte die Chemie sofort. „Ich habe inhaltlich wahnsinnig viel gelernt von Julian. Auch außerhalb des Berufs waren wir schon damals recht eng.“ Zusammen wurden sie Deutscher A-Jugend-Meister. Im Folgejahr trennten sich die Wege – vorerst.

Glück stieg in die U23 auf. Ein Jahr später folgte die Beförderung zur Bundesliga-Mannschaft auf. Sportlich jedoch lief die Saison der TSG nicht wie erwartet, das Team spielte gegen den Abstieg. Weder unter Markus Gisdol noch unter Huub Steevens wurden die benötigten Ergebnisse erzielt. Im Februar 2016 schließlich entschied sich der Verein zu einem außergewöhnlichen, weil mutigen Schritt und installierte den erst 28-jährigen Nagelsmann als neuen Übungsleiter. Die beiden Freunde waren wieder vereint. Nach dem geschafften Klassenerhalt qualifizierte man sich im Folgejahr für die Champions League.

2019 wechselte Glück zusammen mit Nagelsmann nach Leipzig zu RB

2019 wechselte Nagelsmann nach Leipzig und nahm Glück als Videoanalysten mit. Der gemeinsame Weg gipfelte bislang im Erreichen des Champions-League-Halbfinals gegen Paris, das mit 0:3 verloren ging. Geht es nach dem Ohlstädter, soll das noch nicht das Highlight gewesen sein. „Es wäre das Größte, wenn wir irgendwann einen Titel gewinnen.“ Die beste Chance dazu könnte sich heuer im DFB-Pokal ergeben, Leipzig trifft im Halbfinale auf Werder Bremen.

Glück ist in seinem Job viel auf Reisen, verbringt gefühlt mehr Zeit mit Nagelsmann als mit seiner Freundin und dem gemeinsamen Kind. Umso wichtiger für den 34-Jährigen, dass das Verhältnis zum Chef-Trainer so gut ist. „Ich bin mit einem meiner besten Freunde zusammen in der Bundesliga unterwegs.“ Doch was genau macht Glück während eines Bundesliga-Spiels? „Ich sitze oben auf der Tribüne. Dadurch habe ich einen besseren Blick, was die Taktik angeht.“ Noch während der ersten Halbzeit schneidet er Szenen für die Pausenansprache zusammen. Auf dem Weg in die Kabine unterhält er sich mit Nagelsmann, welche Sequenzen den Spielern gezeigt werden sollen. Wer denkt, dass Glück nach einer Partie die Füße hochlegen kann, irrt sich. Nachbetrachtung des Spiels sowie Vorbereitung auf den nächsten Gegner stehen auf dem Programm. Ein Spitzenteam wie Leipzig spielt häufig im Drei-Tages-Rhythmus, da bleibt kaum Zeit zum Durchatmen.

Umso schöner ist es für Glück, wenn eine Länderspielpause ansteht. Nicht, weil er seinen Job nicht mag, im Gegenteil. Aber dann schnappt er sich seine Liebsten und fährt die fast 500 Kilometer in seine Heimat Ohlstadt. „Meine Freundin und beinahe mein gesamter Freundeskreis kommen aus Ohlstadt“, verdeutlicht Glück die Nähe zu seinem Heimatort. Hier kann er abschalten, geht gerne in die Berge. Was derzeit nur für ein paar Tage geht, soll irgendwann wieder zur Normalität werden. „Das Ziel ist es schon, irgendwann wieder nach Ohlstadt zu ziehen. Wann genau das sein wird, kann ich nicht sagen.“ Zuvor stehen noch Aufgaben mit Leipzig an. Um weiter magische Nächte wie die in Lissabon zu erleben, in denen der Junge vom Boschet im Konzert der ganz Großen mitmischt.

(Marco Blanco-Ucles)

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