Hatte Spaß an seinem Amt beim SV Uffing: Christian Birkner.
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Hatte Spaß an seinem Amt beim SV Uffing: Christian Birkner.

Abschied von einem, der anpackte

Der SV Uffing trauert um Christian Birkner (†69)

  • Andreas Mayr
    vonAndreas Mayr
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Der SV Uffing trägt Trauer. Christian Birkner ist im Alter von 69 Jahren verstorben.  Im Verein hinterlässt der Vorsitzende durch seinen leidenschaftlichen Einsatz ein große Lücke.

Uffing – Als Christian Birkner den Orbit des SV Uffing erreichte, blickten alle in Ehrfurcht auf seinen Vorgänger. Zu hunderten pressten sie sich in den größten Saal des Dorfes, der für diesen Tag und diesen Mann nicht groß genug war. Sie kamen für Dieter Mayr, 18 Jahre Chef beim SVU. Am Ende des Abschieds stand ein ganzes Gasthaus, man erhob die Gläser und prostete ein Lebewohl. Das war Christian Birkners erster Tag als Vorsitzender des SVU. Wie hätte einen die Wucht des Moments nicht erdrücken können? Der kleinen Mann mit der sanften Stimme sollte also das SVU-Imperium verwalten, die riesige neue Sportanlage, das Denkmal des Dieter Mayr. Das war eine Aufgabe in einer Größenordnung, die wahrscheinlich nur Christian Birkner lösen konnte. Und er hat das gepackt.

SV Uffing: Christian Birkner stirbt sechs Jahre nach seinem Amtsantritt mit 69 Jahren

Nur sechs Jahre nach seinem Amtsantritt ist Christian Birkner gestorben. Mit 69. Ein verstopfter Zufluss zum Herzen. Es ging schnell. Viel zu schnell, erzählt seine Frau Anne, die ihn seit 50 Jahren kennt. Seit der Zeit in Heidelberg, als sie gemeinsam in der katholischen Jugendarbeit halfen, obwohl sie protestantisch aufwuchs. 

Aber das machte nichts. Christian Birkner war kein Badener. Geboren in Görlitz, Sachsen, floh seine Familie vor dem Mauerbau. Als ältester Sohn hat er früh gelernt, Vorbild zu sein. Seine Schullaufbahn sprintete so makellos voran, wie seine ganze Art war. Mit neun übersprang er eine Klasse, Abitur und Studium schloss er mit Bestnoten ab. Das war sein Weg, sich im Westen zu integrieren.

SV Uffing: Christian Birkner war akribisch und vorausschauen

Neben seinem Hauptfach –organische Chemie, abgeschlossen mit Doktortitel –studierte er Biologie, alleine um die Hintergründe zu verstehen. Christian Birkner wollte die leeren Regale in seinem Kopf füllen. Und man kam gar nicht hinterher, die Kartons mit Zahlen und Infos zu stapeln. Manchmal setze er sich nachts an den Computer und klickte sich so lange durch das Internet, bis er verstanden hatte, was er verstehen wollte. Urlaube ähnelten Forschungsreisen. „Wir lagen nicht am Strand, wir haben Exkursionen gemacht“, sagt seine Frau. Im Esszimmer hängt ein Foto aus Argentinien, Christian Birkner über einem Strauch Blumen gebeugt. Er riecht, er fühlt. „So war er“, sagt seine Frau. Für Wanderwege, die mit zwei Stunden Gehzeit angeschrieben waren, „haben wir garantiert drei gebraucht“, scherzt Anne Birkner. 

Wenn zwei Worte ihn beschreiben sollen, dann wären das: akribisch und vorausschauend. Seine Abteilung beim Pharma-Riesen Roche nannten sie „Uni Birkner“, weil so viele Doktoranden und junge Wissenschaftler mit ihm forschten. Obwohl die Familie – vier Kinder – bereits 1985 nach Uffing gezogen war, fiel Birkner nie auf im Dorf. Wie hätte das auch gehen sollen. „Er hat gar nicht die Zeit gehabt“, sagt seine Frau.

SV Uffing: Christian Birkner hat mit seiner Herangehensweise „alle beeindruckt“

Das ändert sich mit der Pension. Der SVU suchte einen Chef, Christian Birkner eine Beschäftigung. In kürzester Zeit lernte er den Sportverein kennen – oder der Sportverein ihn, so muss man das besser sagen. „Ein Wahnsinn“, sagt Monika Fecht, die Stellvertreterin. „Er hatte seinen Beruf – und genauso hat er den Verein geführt.“ Er hat alle beeindruckt, aber nicht weil er Uffing beeindrucken wollte, sondern weil seine Herangehensweise so beeindruckend einzigartig war. Am Anfang digitalisierte Birkner den SVU, hievte die Verwaltung in die Neuzeit. Die Mitgliederzahlen: stiegen und stiegen. Auf 1200, 40 Prozent des Ortes. Die Einnahmen: stiegen und stiegen. Die Abteilungen: rutschten enger zusammen, als man das gewohnt war. 

Ganz ehrlich: Es hätte schief gehen können, einen Neueinsteiger ins wichtigste Amt zu lassen. Aber genau das war Birkners Vorteil. Er war mit keinem verbandelt, sondern ganz und gar unbelastet. Vereinsarbeit verstand er als Teamarbeit, obwohl keiner so viel tat wie er. Christian Birkner sammelte am Samstag auf dem Wertstoffhof Altpapier, weil das Geld für den SVU gab. Und am Sonntag flitzte er mit seiner Kamera auf den Fußballplatz. Zur Ersten Mannschaft, die unter ihm in die Kreisliga aufstieg. „Er war sich für nichts zu schade.“ Wie passend, dass diesen Satz sowohl seine Frau als auch seine Stellvertreterin sagen. Normalerweise verbietet es sich, nach nur sechs Jahren von einer Epoche zu sprechen. Aber im Fall von Christian Birkner ist eine Ausnahme gestattet. Darauf ein Glas – oder vielleicht doch eher eine ganze Flasche.

SV Uffing: Suche für Nachfolge von Birkner und Fecht läuft auf Hochtouren

Monika Fecht ist 73. Sie führt beim SV Uffing die stetig wachsende Gymnastiksparte mit mittlerweile 20 Stunden Training pro Woche. Daran hänge ihr Herz, sagt sie. Parallel hilft Fecht als stellvertretende Vorsitzende, wobei ihr Partner, Christian Birkner, allerhand erledigt hatte. Nach dem Tod des SVU-Chefs ist alles noch einmal komplizierter geworden, als es ohnehin schon war. 

Eigentlich wären im Frühjahr 2020 Wahlen angestanden. Fecht hätte aufgehört. Doch wegen der Pandemie hat der Sportverein seine Jahresversammlung nicht abhalten können. Fecht, die schon weg sein wollte, blieb kommissarisch im Amt und sucht jetzt mit dem bestehenden Vorstand ihre Nachfolgerin sowie einen neuen SVU-Boss. „Es ist wirklich schwierig. Ein Verein in unserer Größe ist schon fast wie eine Firma. Finanzen, Steuern, da wird’s dir schlecht“, sagt sie. 

Die Uffinger suchen und wünschen sich zwei Vorsitzende, die „Hand in Hand“ arbeiten, wie Fecht sagt. „Damit keiner von beiden zu viel hat.“ Birkners Pensum vermag kaum einer zu stemmen. Sämtliche Projekte hat der Verein auf Eis gelegt. Vor allem die Vorstandsmitglieder Philipp Destek und Peter Krause arbeiten gerade im Akkord an einer Lösung, sagt Fecht. Eine Woche brauche das Team aber noch, um „ungefähr zu wissen, was wir vorhaben“.

(ANDREAS MAYR)

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