Die Aufstiegs-Mannschaft der SpVgg Starnberg.
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Die Aufstiegs-Mannschaft der SpVgg Starnberg.

Garmisch-Partenkirchner führte Starnberg in Bayernliga

Der Doppel-Aufsteiger: Gerd Ritzer vom 1. FC Garmisch-Partenkirchen erinnert sich

Gerd Ritzer vom 1. FC Garmisch-Partenkirchen ist mit der SpVgg Starnberg das gelungen, was nach ihm keiner mehr schaffte. Der heute 71-Jährige erinnert sich.

Starnberg/Garmisch-Partenkirchen – Diesem Mann ist Einmaliges gelungen: Gerd Ritzer, der gebürtige Mittelfranke aus Herrieden, ist der Einzige, der mit der ehemaligen SpVgg Starnberg erst als Spieler und später als Trainer den Aufstieg in eine Top-Amateur-Liga schaffte und damit zweimal für den bis dahin größten Erfolg der Vereinsgeschichte sorgte.

Am 14. Juni 1975 stieg Ritzer als Spieler in die Landesliga auf, am 3. Juni 1989 führte der Vermessungsingenieur aus Garmisch-Partenkirchen die Mannschaft um Kapitän Franz Wiesheu als Coach in die Bayernliga.

„Die lange Pause war eine absolute Katastrophe. Dadurch gehen uns zwei Jahrgänge ab.“

Gerd Ritzer, D-Jugend-Trainer beim 1. FC Garmisch-Partenkirchen, bangt um die Nachwuchskicker.

Dem Fußball ist der 71-Jährige bis heute verbunden geblieben. Er trainiert aktuell die D1-Jugend des 1. FC Garmisch-Partenkirchen und bangt um die Nachwuchskicker. „Ich hoffe, dass wir nach den Pfingstferien wieder anfangen können. Die lange Pause war eine absolute Katastrophe. Dadurch gehen uns zwei Jahrgänge ab, die Kinder hatten keinen Schulsport und wir wissen nicht, wer überhaupt noch zum Training kommt. Es geht wieder bei Null los“, klagt er.

Gerd Ritzer feiert 1975 mit der SpVgg Starnberg den Bayernliga-Aufstieg vor 3.500 Zuschauern

Quasi bei Null ging es 1972 für Ritzer selbst los. Manager Horst Manger (im Dezember 2018 verstorben), der drei Jahre später sein Trauzeuge wurde, holte den 22-Jährigen Goalgetter zu Bezirksligist Starnberg. Das große Ziel: Der Aufstieg in die Landesliga. „Die Infrastruktur war der Wahnsinn. Wir hatten unterirdische Trainingsmöglichkeiten auf einer landwirtschaftlichen Wiese in Hanfeld“, erinnert sich Ritzer. Doch die Mannschaft war stark besetzt mit Akteuren wie Spielertrainer Werner Anzill, Theo Mayer und Toni Plattner. „Und echte, seriöse Funktionäre. Während Leute wie Jochen Kress, Rainer Wunderlich oder Michael Conradt später letztlich nur Selbstdarsteller waren“, erzählt der Mann, der schon als A-Jugendlicher für die SpVgg Ansbach in der Landesliga und danach bei den Amateuren des 1. FC Nürnberg spielte. „Mein großes Ziel war es, Profi zu werden. Doch da kamen mir die Bundeswehr und mein Vater dazwischen, der das nicht wollte.“

In Starnberg dauerte es drei Jahre, bis die SpVgg schließlich unter Trainer-Legende Kurt Schwarzhuber den Sprung in die Landesliga schaffte: „Wir waren immer vorne mit dabei, kamen aber aus der Bezirksliga nicht raus.“ Bis zu jenem 14. Juni 1975. Da gewann die SpVgg vor 3500 Zuschauern in Olching das Aufstiegsspiel gegen den ASV Dachau mit 1:0 durch ein Kopfballtor von Hans Trapp – nach einer Ritzer-Ecke. 1977 folgte der Wechsel zu Wacker München. Ritzer: „Ich habe zu Manger gesagt: Ich bin jetzt 27, mir läuft die Zeit davon, da ich unbedingt in der Bayernliga spielen will.“ Das tat der klassische Halbstürmer dann vier Jahre bei den „Blausternen“. Er machte die B- sowie A-Lizenz und nahm 1981 das Angebot des SV Reutte an, bei dem er als Spielertrainer in der Tiroler Landesliga auflief. „Eine sehr interessante Aufgabe. Ich habe heute noch Kontakt nach Reutte.“ Es folgten eine Saison als Spielertrainer in Murnau und je zwei Saisons als Coach in Peißenberg und Penzberg.

Gerd Ritzer kehrt als Trainer nach Starnberg zurück - und schafft erneut den Aufstieg in die Bayernliga

1987 dann das Comeback in Starnberg. 1989 folgte das erfolgreichste Jahr der Karriere des Garmisch-Partenkirchners – trotz nach wie vor schlechter Infrastruktur. „Wir haben in der Angerweide auf einem Hartplatz trainiert, der eigentlich ein Parkplatz war. Und ich war ganz auf mich allein gestellt, hatte weder einen Co- noch einen Torwarttrainer. Damals hätten wir einen Mann wie Rudi Hack gebraucht, der sich um alles kümmert.“

Trotzdem gelang im Juni nach einem 4:1 am letzten Spieltag gegen den FSV München der Sprung in die Bayernliga, damals die dritthöchste deutsche Spielklasse. Gefeiert wurde in einem Festzelt, das Präsident Kress schon mal aufbauen ließ, bevor der Aufstieg überhaupt feststand. Ritzer: „Die Mannschaft um die Achse Wiesheu, Jürgen Täuber und Peter Weiser war so gut, wir mussten einfach aufsteigen.“ Täuber und Weiser führten auch später den 1. FC von der Kreis- bis in die Landesliga – drei Aufstiege. Doch zurück nach Starnberg. Das Team 1989 war sogar so gut, dass es am 3. Oktober in der Bayernliga Tabellenführer 1860 im Grünwalder Stadion durch ein Weiser-Tor kurz vor Schluss mit 1:0 besiegte.

Dass Verdienste von einst im Fußball nichts wert sind, erfuhr der Aufstiegsheld dann am 29. April 1990: Nach dem 1:3 beim MTV Ingolstadt, der fünften Niederlagen am Stück (vier davon auswärts), wurde Ritzer zwei Spieltage vor Saisonende von Manager Frank Fleschenberg entlassen. Die SpVgg stieg trotzdem ab. Und Ritzer? Der heuerte nach einer kurzen Enttäuschungspause im Sommer beim Lokalrivalen an. Hack, sein früherer Mitspieler Hannes Salberg und Jugendleiter Günter Gruber holten ihn als Trainer der Bayernliga-B-Jugend zur FT Starnberg. „Das habe ich zwei Jahre gemacht. Eine tolle Zeit. Danach habe ich noch Garmisch-Partenkirchen in der Landesliga trainiert und ab 1998 eine Fußball-Pause eingelegt.“

„Ich bin Fußballer, Golf ist mir zu wenig.“

Gerd Ritzer über die Zeit nach seiner Tätigkeit in Starnberg.

Ritzer wurde Golflehrer, engagierte sich in der Vorstandschaft des GC Garmisch, wo er immer noch in der ewigen „Hole-in-one-Liste“ zu finden ist. Doch er erkannte im Lauf der Jahre: „Ich bin Fußballer, Golf ist mir zu wenig.“ Er blieb zwar Mitglied im GC, „spiele aber nicht mehr“ und widmete sich wieder dem Fußball-Nachwuchs. Zwei Jahre war er Jugend-Spielleiter des Bayerischen Fußballverbands im Kreis Zugspitze, außerdem sechs Jahre Jugendleiter beim 1. FC Garmisch-Partenkirchen. Mittlerweile ist der Starnberger „Doppel-Aufsteiger“, der zwischenzeitlich drei Mannschaften gleichzeitig trainiert hatte, ausschließlich D1-Trainer, zudem im achten Jahr ehrenamtlicher Jugend-Schöffe am Landgericht München II.

Ritzer ist seit drei Jahren im (Un)-Ruhestand und lebt mit seiner Frau Kunigunde (stammt wie er aus Franken) in Garmisch-Partenkirchen. Er fährt viel Fahrrad und schwitzt im Fitness-Studio. Sein Wunsch für die Zeit nach der Corona-Pandemie: „Ich würde gerne die Jungs, mit denen ich damals in Starnberg zusammengespielt und die ich trainiert habe, wiedersehen.“

(Thomas Ernstberger)

Gerd Ritzer im (Un-)Ruhestand.
Auch an der Seitenlinie war Ritzer bei der SpVgg Starnberg erfolgreich.

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