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Feierbiester in Grün: Die Unterammergauer Fußballer um (v.l.) Christian Kolb, Ferdinand Brauchle und Stefan Wagner haben in dieser Saison fast wöchentlich Grund zum jubeln.

Im Ammertal läuft‘s

Drei Teams auf Platz eins: Unterammergau im Fußball-Rausch

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Damit hatte wirklich niemand gerechnet. Zur Winterpause führt der WSV Unterammergau die Kreisklasse an. Doch nicht nur bei der Ersten läuft‘s. Auch Reserve und U19 brillieren.

Unterammergau – Da saßen sie. Mit hängenden Schultern und leeren Blicken. Die einen schwiegen frustriert, die anderen schimpften leise vor sich hin. Die erste Saisonniederlage der Unterammergau Fußballer – sie tat weh.

Für Ludwig Hutter aber alles andere als ein Grund, Trübsal zu blasen. Noch in der Kabine baute der Sportliche Leiter seine Schützlinge wieder auf, erinnerte sie an das, was sie in den vergangenen Wochen und Monaten geleistet hatten. Die ersten 13 Partien der aktuellen Kreisklassen-Spielzeit blieb der WSV ungeschlagen, holte acht Siege und fünf Unentschieden. Als Lohn geht das Team als Tabellenführer in die Winterpause – das 1:2 gegen Benediktbeuern hin oder her. Hutter betont: „Ich hab’ den Burschen gesagt, dass sie feiern sollen.“

Mit dem ersten Kasten Bier schwindet der Frust

Die Worte zeigten Wirkung. Mit dem ersten Kasten Bier schwand so langsam der Frust über die Heimpleite. Bis in die Morgenstunden war Party angesagt im WSV-Vereinsheim. „So soll’s auch sein“, sagt Hutter. Gemeinsam mit seinen Vorstandskollegen wie Abteilungsleiter Leonhard Gansler und WSV-Chef Hans Noll fühlt sich der Sportliche Leiter heuer eh wie auf einer Dauer-Feier. Damit, dass es bei den Unterammergauern so gut läuft, hatte von ihnen niemand gerechnet. „Ehrlich nicht“, beteuert Hutter. Er verweist auf die Ausfälle von Michael Hibler, Lukas Spindler, Josef Thiermeyer und Sohn Ludwig Hutter junior, die in dieser Saison allesamt kaum oder gar nicht zum Einsatz gekommen sind. „Alles langjährige Stammspieler.“ Angesichts dessen rechneten nicht wenige im WSV-Umfeld mit einer knüppelharten Runde. „Unsere Blicke gingen eher nach unten.“

Warum alles ganz anders kam – Hutter tut sich schwer damit, eine Antwort zu finden. Verständlich. Ist doch eigentlich alles wie in den Jahren zuvor. Mit Sebastian Kleiner ist der Trainer derselbe, Neuzugänge sucht man vergebens. „Aber irgendwie läuft’s plötzlich.“ Einer der Erfolgsgaranten ist Marco Diroma. Mit 29 Jahren spielt der Torhüter die Saison seines Lebens. Erst sieben Gegentore hat er kassiert. Ein sensationeller Wert. Gemeinsam mit Stürmer Ferdinand Brauchle, der mit 15 Toren die Kreisklassen-Rangliste anführt, bildet er ein Duo, das schon für so manchen Punktgewinn gesorgt hat. „Die zwei machen den Unterschied“, sagt Hutter. Doch ist es ihm wichtig, die ganze Mannschaft zu loben. „Jeder trägt seinen Teil bei.“ Sei es Abwehrchef Martin Grotz oder die jungen Elias Hartwig und Julian Kröker, die sich auf den Außenbahnen einen Stammplatz gesichert haben. Zum Erfolg geht es beim WSV nur über das Kollektiv. „Die Mannschaft kennt und mag sich – einen Stinkstiefel gibt’s bei uns nicht.“

Auch die Reserve startet durch

Die positive Entwicklung betrifft in Unterammergau nicht nur die Erste Mannschaft. Mit neun Siegen aus neun Spielen grüßt auch die Reserve von der Tabellenspitze. Na gut. In der C-Klasse, das muss gesagt sein. „Eine Liga, aus der wir rausmüssen“, unterstreicht Hutter. Zu viele Partien fallen aus, weil der Gegner kurzfristig absagt, zu wenig werden die Fußballer gefordert. „Das hat mit einem ordentlichen Spielbetrieb nicht viel zu tun.“ Hutter setzt darauf, dass die Mannschaft des Trainerduos Stephan Gansler und Tommy Lippert den Aufstieg in die B-Klasse packt. „Elementar wichtig“ sei das. Vor allem mit Hinblick auf den Nachwuchs. „Dem musst du eine Perspektive bieten.“

Denn auch in der A-Jugend läuft’s beim WSV. Die Schützlinge von Josef Thiermeyer und Tobias Benning sind die dritten Tabellenführer in Grün. In der Gruppe haben sie bislang nur ein Spiel verloren. Hutter ist davon überzeugt, dass ein Großteil der jungen Kicker im Seniorenbereich der Ammertaler landen wird. „Die haben alle Bock auf Fußball und den Verein.“ Zudem bemühen sich die Unterammergauer stets um einen engen Draht zwischen Herren- und Jugendteams. So fährt etwa die U19 gemeinsam mit den Großen ins Wintertrainingslager. Drei Tage lang zusammen kicken, schwitzen und feiern. „Integration pur“, scherzt Hutter.

„Als Erster brauchst du nicht tiefstapeln“

Ob der Lauf des WSV im neuen Jahr seine Fortsetzung findet – für den Funktionär ein großes Rätsel. Als Spitzenreiter in die Rückrunde zu starten, birgt Gefahrenquellen. „Jeder will dich stürzen“, sagt Hutter. Eine Situation, die es so in Unterammergau als Kreisklassist noch nicht gab. Doch eines ist klar: Mit dem Erfolg steigen die Ansprüche. Zwar wird noch nicht ernsthaft über die Kreisliga gesprochen. Doch so ganz abwegig erscheint der größte Erfolg der Vereinsgeschichte nicht mehr. „Als Erster brauchst du nicht tiefstapeln“, verdeutlicht Hutter. Bleibt das Team bis zum Schluss ganz oben, habe es sich den Aufstieg verdient. „Und freiwillig bleiben wir sicher nicht unten.“

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