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Wie lange noch? Trainer Christoph Saller wirkt derzeit ratlos mit der Situation beim Landesligisten.

Die Trainerfrage bei Garmisch-Partenkirchen ist allgegenwärtig

Sport-Chef Albl: „Wir haben eh schon zu viele Augen zugedrückt“

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Die Lage am Gröben spitzt sich zu: Es braucht Antworten und vielleicht sogar Veränderung beim kriselnden Landesligisten 1. FC Garmisch-Partenkirchen. Bei einer weiteren Niederlage könnte schon bald eine Personalie in den Fokus rücken: Trainer Christoph Saller. Der hinterfragt seine Rolle durchaus.

Es gab Zeiten beim 1. FC Garmisch-Partenkirchen, da waren Wechselspielchen auf der Trainerbank gang und gäbe. Charly Richter bildete Mitte der 2000er-Jahre die letzte Konstante. Auf ihn folgten Dieter Kinast, Stefan Schwinghammer, Oliver Poqué, Karl Schmid und Heinz Mohr in weit kürzeren Intervallen. Die waren freilich sehr eng mit der jeweiligen sportlichen Situation verknüpft. Trotz fortwährend hoher Ambitionen vermochten die Garmisch-Partenkirchner den Status der Fahrstuhlmannschaft zwischen Kreis- und Bezirksliga zu keiner Zeit abzulegen.

An diese Zeiten erinnert man sich im Grunde nur noch rudimentär. Denn vieles hat sich am Gröben verändert. Mit neuem Vorstand, Jugendkonzept und guten Beziehungen zu wichtigen Sponsoren. Die Erste Mannschaft kickt in der Landesliga, deren einstigen Platz in der Kreisliga wird wohl mittelfristig die Reserve einnehmen.

Die Transformation des Vereins ist eng mit den Namen Christoph Saller und Arne Albl verknüpft. Saller dirigierte in den vergangenen fünf Jahren ein Team, das er in wesentlichen Teilen selbst geformt hat. Albl zog als Sportverantwortlicher im Hintergrund die Fäden, knüpfte die Kontakte zur heimischen Wirtschaft, hatte die Finanzen unter seinen Fittichen. Gut möglich, dass diese Männerfreundschaft in naher Zukunft auf die Probe gestellt wird. Das Verhältnis zwischen Trainer und Mannschaft scheint gestört zu sein, Saller das Team in einer extrem prekären Phase nach dem 0:4 in Oberweikertshofen nicht mehr zu erreichen.

„Am Samstag muss etwas passieren“

Alles deutet jedenfalls in diese Richtung. Der Coach wirkt ratlos. „Wir nehmen alles so hin“, sagte er nach der Pleite. „Wenn die Köpfe nicht frei sind, musst du wenigstens laufen und kämpfen.“ Das taten die Kicker nicht. Das Team präsentierte sich nach einer guten Vorbereitung in einem erschreckenden Zustand.

Das sieht auch Albl so. Der erkannte bei „jedem Einzelnen eine desolate Leistung“ und fordert ohne Umschweife: „Am Samstag muss etwas passieren.“ Dann gastiert die zweite Garnitur des FV Illertissen in der Marktgemeinde. Eines der wenigen Teams, das als Vorletzter aktuell noch hinter dem 1. FC rangiert.

Über die Trainerfrage lässt sich Albl nur ungern aus. Er sei kein Freund solcher Entscheidungen, zur Not müsse man da aber durch. Eine öffentliche Diskussion lehnt er ab. Zumal sich Saller aus seiner Sicht ohnehin bereits selbst kritisch hinterfrage, ob „er sich das noch länger antut“. Schnellschüsse werde es keine geben. Das stellt Albl klar. Zunächst wolle er mit „versammelter Mannschaft“ die Ursachen des Tiefs oder der Probleme ausloten. Albl sagt aber auch: „Wenn wir reagieren, wird es bald der Fall sein.“ Heißt im Umkehrschluss: Vergeigt der 1. FC auch das anstehende Heimspiel, könnte Saller abdanken. Tendenziell eher freiwillig, denn per Beschluss der Vorstandsetage. „Unantastbar ist keiner“, stellt Albl klar. Und ja: „Vieles steht auf dem Prüfstand.“

Lieber wäre allen eine Trotzreaktion des Teams gegen Illertissen, wie sie etwa nach der 0:5-Abfuhr gegen Gundelfingen an Allerheiligen 2018 erfolgt war. „Mit einem überzeugenden Auftritt könnten sich die Wogen glätten“, sagt Albl. Doch bleibt die Frage, ob die Mannschaft das zum jetzigen Zeitpunkt umsetzen kann. Und will.

„Die vielen leichtfertig verschenkten Punkte tun jetzt weh“

Saller wie auch Albl machen „persönliche Befindlichkeiten“ für den rückläufigen Teamgeist verantwortlich. Momo Diaby etwa ist zuletzt aus dem Kader gestrichen worden. „Wir haben eh schon zu viele Augen zugedrückt“, begründet Albl. Man müsse beim Senegalesen über 90 Minuten „bei jeder Aktion Angst haben, dass er mit Rot vom Platz fliegt“, sagt Saller.

Doch Diaby ist bei Weitem nicht das Kernproblem. Das einst so homogene Kollektiv wirkt angeschlagen. Bestimmte Kicker werden von anderen nur ungern angespielt, jeder kocht sein eigenes Süppchen, jeglicher Gemeinschaftssinn ist beim Teufel. Leidtragende sind mitunter die jungen Spieler, die mangels Führung ohne Orientierung selbst zurechtkommen müssen und dadurch überfordert wirken.

Wie der 1. FC den Karren aus dem Dreck ziehen könnte, weiß Albl selbst nicht so recht. „Das ist die Frage“, sagt er. Geholfen hätte ein ein kleines Polster in der Tabelle. Aber den gibt es nicht. „Die vielen leichtfertig verschenkten Punkte tun jetzt weh.“ Ob nur der Mannschaft, oder auch dem Trainer, wird sich sehr bald auflösen.

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