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Trifft wieder: Fabian Hirschler (l.) hat seinen Kreuzbandriss überwunden – und zeigt sich in guter Form. 

Derbysieger Murnau überzeugt mit neuer Offensivkraft

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Der TSV Murnau schießt wieder satt Tore: Das ist neu in dieser Saison beim Kreisligisten. Jahrelang dürsteten die Verantwortlichen nach Torjägern. Manuel Diemb und Fabian Hirschler nach seinem Comeback haben im Derby gegen Ohlstadt schon mal ihre Effizienz unter Beweis gestellt.

Murnau – Irgendwie passt es zur aktuellen Lage des TSV Murnau, dass Fabian Hirschler jetzt Messestände verkauft. Am heutigen Dienstag sieht er die neuen Kollegen zum ersten Mal. Er hat davor in der Tourismusbranche gearbeitet. Allerdings ist ihm dieser Job zu langweilig geworden. Der Eglfinger sattelte um, wählte eine „komplett neue Schiene“.

Komplett neu ist an der Poschinger Allee so einiges, seit Tim Schmid dort coacht. Beispielsweise schießt die Mannschaft Tore. Acht Treffer in den vergangenen drei Partien – absolut untypisch für Murnau. Zuletzt im Derby gegen Ohlstadt glänzte das Team sogar mit Effizienz. Vier Schüsse, drei Tore – eine unschlagbare Quote. Was ist nur aus dem Syndrom geworden, über das nicht nur Spötter gewitzelt hatten? Der TSV – so schien das über Jahre – leide an einer unerklärlichen Krankheit, die als nicht behandelbar galt. Punkte ermauerte sich Murnau mit seiner starken Defensive.

Schmids Vorstellung sieht anderen Fußball vor. Allerdings sind die Drachen noch weit von den Wünschen ihres Trainers entfernt. Schwächen im Aufbau und beim Pass – der wichtigste Bestandteil des Schmidschen Plans – bemängelt der Peitinger zu genüge. Die neue Kunst des Toreschießens zieht Schmid nebenbei im Training heran. „Der Spaß erklärt alles“, sagt der Coach. „Auch wenn es im Training härter zugeht.“ Sein Stürmer Fabian Hirschler ergänzt: „Zur Zeit passt die Stimmung – vor allem in der Offensive.“ In der Zeit vor seinem Kreuzbandriss 2017 war das nicht so. Im Kampf gegen die Torschusskrise rotierten die Trainer oft und gerne. Damit verschlimmerten sie die Misere nur. Kein Angreifer fand seinen Rhythmus, weil er oft nach gerade mal einer Partie schon wieder auf der Bank saß.

Schmid hat klare Hierarchien geschaffen. Eine zentrale Rolle kommt Neuzugang Manuel Diemb zu, früher Stoßstürmer. Doch diese Position verschenkt sein Talent als Spielmacher. „Da stand er nur mit dem Rücken zum Tor“, sagt Schmid. Derzeit stellt ihn der Coach als hängende Spitze, als Bindeglied zwischen Mittelfeld und Sturm auf. Diese Mischform bringt viel Schwung ins Team. Zweiter Faktor ist der Talent-Zuwachs im Murnauer Kader. Diembs Fähigkeiten am Ball (siehe das technisch hochwertige 3:0 gegen Ohlstadt) gepaart mit Fabian Hirschlers Laufwegen bilden eine Waffe, die dem TSV früher nicht zur Verfügung stand.

17 Monate pausierte Hirschler nach seinem Kreuzbandriss. Ursprünglich wollte er schon ein Jahr nach der Verletzung wieder einsteigen. Doch sein Arzt erkannte ein Narbengewebe auf dem Kreuzband, riet zu einer weiteren Operation. Diese Nachricht traf Hirschler wie ein Faustschlag. Freundin und Familie halfen ihm in dieser Phase, mit 29 nicht schon ans Karriereende zu denken. Sie sagten ihm: „Du musst wieder auf den Platz.“ In dieser dunklen Phase buhlte Heimatverein Eglfing um die Dienste des Angreifers. Die Murnauer bekamen es mit, umsorgten ihren Stürmer, bleuten ihm ein, er könne sich nicht einfach so vom TSV verabschieden. Hirschler blieb und startete durch. Zwei Tore und zwei Vorlagen in vier Partien hat er gesammelt. „Super geil“, sagt er. „Es gibt kein besseres Gefühl, als wieder auf dem Platz zu stehen.“ Das Knie nehme die Belastung gut an. Nur Spritzigkeit und Fitness fehlen noch. Kommt beides mit jeder weiteren Einheit bei Coach Schmid.

Der Trainer lässt weiter sein Offensiv-System verbessern. Das Gute am starken Saisonstart mit neun Punkten sei, dass sein Team im Training ruhig arbeiten könne. Die „harten Knochen“, wie Hirschler Lenggries, Otterfing und Habach nennt, kommen erst noch auf Murnau zu. In diesen Partien wird sich zeigen, ob die Krankheit auskuriert ist oder der Auftakt nur ein kurzweiliger Trend war.

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