+
Der Rückkehrer: Torjäger Fabian Hirschler hat seinen Kreuzbandriss auskuriert – und zieht sich das Trikot des TSV Murnau nun wieder selbst an, anstatt die Dressen nur auszupacken. 

Hirschler zurück 

Gelingt der Systemwechsel? Murnau-Coach Schmid: „Es wird Rückschläge geben“

  • schließen

Das letzte Mal, als die Murnauer einen dieser bekannten Gipfel der Gegend erklommen, sprachen sie von der Bezirksliga.

Alexander Luftschitz – der Hamburger mit dem Talent für große Worte – jagte das Team den Heimgarten hinauf. Oben brüllten seine Fußballer eine Kampfansage gen Ohlstadt. Symbolisch hatten sie den Hausberg der Ohlstädter erobert. Ein Jahr danach hörte Luftschitz auf. Aufgestiegen war er nicht. Schlimmer: Der SVO beendete die Saison 2008/09 als Dritter. Vor Murnau.

Elf Jahre später stehen die Murnauer Fußballer auf dem Hörnle. Diesmal verkauft man das nicht als gut inszenierten PR-Gag. Das Team soll zusammenrücken. Also noch enger, als es das ohnehin bereits ist. „Es war davor schon ein geiler Haufen“, betont der Coach. Tim Schmid und Alexander Luftschitz ähneln sich in so ziemlich gar keinem Punkt. Nicht einmal ein Saisonziel gibt der neue Trainer des TSV aus. Das Mantra vom „schönen Fußball“ hat der Peitinger in der Vorbereitung eingeführt. Bolzen war gestern. Auf weitere Vorgaben verzichtet er vor dem Start an diesem Samstag in Miesbach (16 Uhr). Überraschen werde der TSV seine Konkurrenten in diesem Jahr mit dem Zusammenhalt, verspricht Schmid. „Dafür haben wir richtig was getan.“

Kommen und Gehen

Murnau gehört nicht zu den bevorzugten Zielen für wechselwillige Spieler. Gezahlt wird nichts. Und mit Aufstiegsambitionen konnte Murnau auch nicht werben. Doch in den nächsten Jahren stoßen Nachwuchs-Talente ohne Unterlass in den Seniorenbereich. Die ersten – Christoph Sailer, Christoph Stelzl oder Luca Tropea – gehören nun zum Kader. In die Startelf dürfte es keiner schaffen, auch wenn sich Coach Schmid noch bedeckt hält. Mit den Diemb-Brüdern Manuel (20) und Kevin (18) hat der TSV zwei Murnauer zurückgeholt, die aufgrund ihres Alters wie gemacht sind für den Weg der Zukunft. Der Ältere, Manuel, erzielte in Antdorf 11 Tore in 13 Spielen, ehe er nach Berg wechselte. Schmid setzte ihn in der Testphase vermehrt im Mittelfeld ein. Nach Monaten voller Leid kehrt Fabian Hirschler zurück. Seit zwei Wochen trainiert er wieder. Zuletzt traf er im Test nach wenigen Minuten. „Sportlich ein Neuzugang“, sagt der Trainer. Hirschler mache einen guten Eindruck und werde der Mannschaft helfen.

Die Vorbereitung

Sie hätten problemlos auch zwei Wochen früher starten können. Darauf hat der Trainer seine Murnauer vorbereitet. Lange war unklar, ob die Kreisliga 1 mit 14 oder 15 Vereinen spielt. Schmid testete und testete, trainierte und trainierte. Ein Turnier, sechs Partien sowie viele, viele Einheiten zählt er auf. „Das hat mir gefallen.“ So sieht sein Plan gegen konditionelle Mängel aus, die der TSV vorige Saison in den ersten Ligaspielen beheben musste. Nur die Beteiligung hätte besser sein können. Schmid sagt: „Selbst Landesligisten haben Probleme in der Urlaubszeit.“ Zwölf Fußballer trainierten aber immer mit. In den Testspielen probierte der Coach allerhand wilde Dinge aus. „Manche haben sich gewundert, auf welchen Positionen sie spielen.“ Die Ergebnisse interessierten nicht wirklich. Nur den 4:3-Erfolg über Antdorf (nach 0:3-Rückstand) hebt er heraus. In der Früh vor der Partie und am Tag davor hatte Murnau hart trainiert. Drei Tore aufzuholen – „das zeugt von Charakter“.

Der Trainer

Die größte Herausforderung für einen neuen Trainer in Murnau ist die Weihnachtsfeier. Dort verlangt man eine Einlage, Unterhaltung für den vollen Saal. „Da kommen mein Co und ich nicht drumherum“, scherzt Schmid. Ansonsten trainieren er und Assistent Michael Schmid aber sorgenfrei. Die ersten zwei Monate haben „richtig Spaß“ gemacht. Positiv aufgefallen ist ihm die Intensität. „Es war wirklich Zug drin.“ Auch wenn er seine Kicker gerne zu Schön-Spielern formen würde, weiß Schmid: „Es wird lange nicht perfekt werden.“ Man müsse berücksichtigen, auf welchem Niveau sein Team kickt. Dafür gefallen ihm die ersten Eindrücke. Einstudiert hat er einige Varianten für Ecken und Freistöße. „Über Standards werden Spiele entschieden – das haben die großen Turniere gezeigt.“

Fazit und Prognose

Nach einem Jahr Zittern samt Relegation hat sich der TSV vergangene Saison gefangen. Er bietet mittlerweile ein routiniertes Kreisliga-Team auf, das sich sogar noch verstärkt hat. Zwei Faktoren entscheiden über den Erfolg: Wie nimmt das Team Trainer Tim Schmid an? Und gelingt der System-Wechsel? Im Optimalfall schafft es Murnau in die Top-fünf. Aber der Coach warnt vorsichtshalber: „Es wird Rückschläge geben.“

DER TSV-KADER

Tor: Felix Schürgers, Maximilian Schürgers, Andreas Ehegartner.

Abwehr: Julian Büth, Kevin Diemb, Thomas Haas, Benedikt Hausmann (C), Mario Kübler, Michael Meditz, Moritz Winkler.

Mittelfeld: Leo Axthaler, Josef Bierling, Carlos da Silva Cunha, Manuel Diemb, Maximilian Giglberger, Andreas Knoll, Stephan Krug, Manuel Pratz, Christoph Stelzl, Hannes Wackerle, Luca Tropea, Christoph Sailer.

Sturm: Benedikt Buchner, Fabian Hirschler, Athanasios Polymeridis, Bojan Stojanovic.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

TSV Oberammergau „heiß“ auf Saisonstart gegen ASV Antdorf II
Markus Mayer und seine Kicker vom TSV Oberammergau haben genug gewartet.
TSV Oberammergau „heiß“ auf Saisonstart gegen ASV Antdorf II
Benedikt Hausmann schießt TSV Murnau in der 88. Minute zum Derbysieg
Das Derby zwischen Murnau und Uffing ist deshalb so unterhaltsam, weil es mehr als drei Punkte zu gewinnen gibt.
Benedikt Hausmann schießt TSV Murnau in der 88. Minute zum Derbysieg
Not gegen Elend? Bad Kohlgrub feiert gelungene Heimpremiere - Sonderlob für Bichler
Für Willi Link ist die Sache klar. „Das war Not gegen Elend“, sagt der Trainer des TSV Benediktbeuern über die Partie beim FC Bad Kohlgrub.
Not gegen Elend? Bad Kohlgrub feiert gelungene Heimpremiere - Sonderlob für Bichler
Murnau gegen Uffing: Vorfreude auf das Staffelsee-Derby - aber der Termin sorgt für Ärger
Murnau empfängt Uffing am Montagabend (19.30 Uhr) zum Staffelsee-Derby. Das passt nicht allen.
Murnau gegen Uffing: Vorfreude auf das Staffelsee-Derby - aber der Termin sorgt für Ärger

Kommentare