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Sichere Beute: Jasmin Janning pflückt eine Flanke souverän aus der Luft. Die 14-Jährige steht im Tor der Murnauer U15-Bayernligamannschaft der Buben. 

„Ich würde schon gerne professionelleren Fußball spielen“

Ein Mädchen überragt alle Jungs beim TSV Murnau

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Jasmin Janning hat es auch einmal bei den Mädchen versucht. Ihr Heimatverein in Fuchstal beantragte ein Zweitspielrecht. Sie sollte nicht nur mit den Buben kicken.

Murnau –  Aber um ehrlich zu sein, hat es ihr neben den gleichaltrigen Mädchen nicht so gut gefallen. Bei den Burschen mache der Fußball mehr Spaß. Die spielen und laufen schneller. „Und schießen härter.“ Das ist durchaus entscheidend für Jannings Aufgabe auf dem Fußballfeld. Sie soll Tore verhindern. Einer Torhüterin bereitet es mehr Freude, wenn sie richtig gefordert wird. Janning erledigt ihren Job so gut, dass sie der Bayerische Fußballverband im dritten Jahr hintereinander für die Bayernauswahl nominierte. Mit 14 Jahren läuft die Fuchtsalerin im besten Bubenteam der Region auf. Sie gehört zur U15 des TSV Murnau, die erstmalig den gigantischen Schritt in die Bayernliga gewagt hat.

Die Trainerin der Regionalauswahl hat ihr den Schritt empfohlen. Bereits nach einem Probetraining im Sommer war der Wechsel beschlossen. Sie kannte einen Großteil der Murnauer aus den zwei Duellen im Vorjahr. Janning, damals Torfrau der mittlerweile aufgelösten JFG Lechrain, nennt den TSV „einen coolen Gegner“, weil das arbeitsreiche Tage für sie waren. Gut, dass ihr Vater die Leidenschaft für Fußball teilt. Nicht viele fahren bereitwillig dreimal pro Woche 120 Kilometer auf ihr Auto drauf – nach Feierabend.

 Es dauerte nicht lange, bis alle Eltern und Interessierte die Jasmin aus dem Landsberger Landkreis kannten. Im zweiten Saisonspiel gegen Milbertshofen sorgte alleine die Torhüterin für den Punktgewinn beim 0:0. Mehrere Eins-gegen-Eins-Duelle entschärfte sie reaktionsschnell. Milbertshofen hat ansonsten gegen alle anderen Team mindestens einen Treffer erzielt. Ihr Trainer Stefan Schubert jauchzte danach, dass ihm dieses Talent nicht lange bleiben werde. Zum Glück für den TSV hat Janning angekündigt, noch eine weitere Saison in Murnau zu bleiben. Alleine für das Torwarttraining mit Günter Hornung lohne sich die Fahrt.

2021 Abschied Richtung Bundesliga?

Langsam wird die Sache mit dem Alter aber zum Politikum. „Ab der Pubertät gehen die Geschlechter gerade in Sachen Kraft auseinander“, sagt Trainerin Caroline Rieger. Andererseits sei es extrem schwer, in diesem Alter eine Mädchen-Mannschaft auf ähnlichem Niveau zu finden. Der Verband hat für diesen Härtefall eine Sondergenehmigung geschaffen. Mädels, die altersbedingt in die U16 gehören, dürfen ein weiteres Jahr bei den U15-Burschen kicken. Ihre zwei Kolleginnen in der Bayernauswahl nutzen die Regel und gehören zum Kader der Ligakonkurrenten aus Landshut sowie Burghausen – nur erhalten sie in ihren Klubs deutlich weniger Spielzeit als Janning.

2021 verabschiedet sie sich so oder so aus Murnau. Wahrscheinlich in Richtung Bundesliga. Anders kommt sie ihrem Traum nicht näher. „Ich würde schon gerne professionelleren Fußball spielen“, sagt die 14-Jährige. Trainerin Rieger wird ihr helfen. Sie hat das Prozedere selbst mitgemacht, Bayernauswahl mit 14, dann Zweite Liga bei Wacker München. Das Gesamtpaket aus Schule, Anfahrt und Perspektive müsse stimmen. Auf jeden Fall rät sie Janning, einen Klub zu wählen, der ihr Spielzeit bietet. „Für Torhüter doppelt wichtig.“ Ein paar Zentimeter mehr wären auch recht. Im Auswahlteam gehört sie zu den Kleinsten. Voriges Jahr strichen die Coaches sie vor dem Bundesvergleich der Regional-Mannschaften in Duisburg als letzte Torfrau aus dem Kader. Begründung: zu klein. Locker zehn Zentimeter überragen die Kolleginnen sie. Doch die Fuchstalerin korrigiert das mit Sprungkraft und Geschwindigkeit. „Trainieren wir intensiv“, betont Rieger. Mit Erfolg. Janning springt mittlerweile locker aus dem Stand an die Latte.

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