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Mit starken Reflexen ausgestattet: Korbinian Neumaier gehört zu den großen Torwart-Talenten in der Region. 

„So hoch und so gut wie möglich“ ist das Ziel 

Neues Torwart Talent in der Landesliga: Neumeier vom TSV Murnau

  • Andreas Mayr
    vonAndreas Mayr
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Korbinian Neumeier hält derzeit in der Landesliga beim TSV Murnau den Kasten sauber. Er gilt als neues Torwart-Talent.

Peißenberg – Das 0:12 der Peißenberger F-Junioren im Frühjahr 2008 gegen Weilheim gehört nicht zu den Spielen, die die Zeit überdauert haben. Was man noch weiß: Torwart Korbinian Neumaier beförderte am Ende seine Handschuhe mit viel Wut gen Rasen, es folgten Tränen des kleinen Mannes und ein Schwur, der, wie sich herausstellte, nicht zu den unbrechbaren zählt. Am Tag seines ersten Fußballspiels nahm sich Korbinian Neumaier vor, nie mehr in dieses Tor zurückzukehren. Welch’ Glück für die Nachwelt, dass sich der Peißenberger dann doch gegen sich selbst auflehnte und mit diesem frühen Trauma abschloss.

Derzeit fängt er für den TSV Murnau, Landesliga, U19. Manche nennen ihn das größte Torhüter-Talent der Region. Aber mit diesen Superlativen muss man vorsichtig sein. Korbinian Neumaier soll sich bald entscheiden, wo er im Sommer 2021 spielt. Viele Vereine haben schon gefragt. Darunter waren selbstverständlich auch die Peißenberger. Er kennt einige aus der Kreisliga-Mannschaft. „Man muss sich alle Seiten anhören“, sagt der 18-Jährige.

Das Trikot trage ich mit Stolz

Aber es gibt schon ein paar Voraussetzungen. Nichts gegen den FC Seeshaupt oder den SV Wielenbach – aber Kreisliga muss es mindestes sein. Ach, und ein Stammplatz sollte im Angebot enthalten sein. „Oberstes Ziel ist es zu spielen – so hoch und so gut wie möglich.“ Wer Wetten liebt, sollte auf den TSV Murnau setzen. Dort steht in Felix Schürgers zwar ein überqualifizierter Mann im Kreisliga-Tor, doch der hat einen weniger Fußballerfreundlichen Berufszweig eingeschlagen: Schürgers ist Polizist. Beim TSV habe er sich etwas aufgebaut, „da hängt etwas dran“, betont Neumaier. „Wenn ich ein Trikot anziehe, trage ich es mit Stolz. Sonst hat das keinen Sinn.“

Gleichzeitig, und das sollte eine Warnung für Murnau sein, zählt der „Korbi“ zu einer langsam aussterbenden Spezies Fußballer, denen längst jeder Top-Klub nachjagt. „In zwölf Jahren habe ich kein Training abgesagt, weil ich keine Lust hatte.“ Manchmal hat ihn der Papa, sein Held, fünf Mal die Woche nach Murnau oder Geretsried gefahren. „Da musst erst einmal einen finden, der das macht.“

Neumeier: Landesliga Keeper mit großen Zielen

Über seinen Werdegang sagt er heute: „Das war mehr Arbeit als Talent“, wobei er definitiv auch nicht ganz talentfrei ist. In Raisting klebte er hinter dem Tor von Urban Schaidhauf fest, beobachtete jede Bewegung des Keepers. Seit einigen Jahren schult ihn Günter Hornung, der Torwart-Guru des Oberlandes. „Ein überragender Mann“, befindet Neumaier. Hornung scannt einen Torwart. Er fand Fehler, von denen Neumaier nicht einmal wusste, dass sie existieren. Manchmal wirft der 72-Jährige einen Ball in die entlegensten Regionen des Tores. „Den krieg’ ich nie“, schleudert ihm Neumaier entgegen. Nach dem fünften Versuch kommt er ran. „Günter hat eigentlich immer recht.“ In Geretsried hat er den Mann, der die Hexer ausbildet, kennengelernt. Ansonsten waren das weniger erfolgreiche Zeiten bei der U17 des TuS. „Ich brauche ein Team, das war kein richtiges.“ Zur Winterpause ließ er sich in die Reserve versetzen, obwohl er die Hälfte aller BOL-Partien bestritten hatte. Nach einem Jahr kehrte er zurück nach Murnau. Trotzdem sagt er: „Ich bereue nichts.“ Er hätte auch nach Regensburg zum Jahn ins Leistungszentrum gehen können. Aber das Murnauer Angebot las sich besser: ein soziales Jahr mit ordentlichem Taschengeld und einer Ausbildung zum B-Lizenz-Coach. Im Trainerkurs saßen Männer mit 24 Jahren und aufwärts. Und der 16-Jährige. Er liebt den Vergleich mit Älteren. Am Anfang die epischen Duelle mit dem Bruder, der im Garten immer „voll auf die Hütte draufgezimmert hat“. Heute mit den Männern in der Kreisliga. Im Ligapokal vertrat er Schürgers zwei Mal. Er hörte die Klagelieder der genervten Oldies, als der Peißenberger wieder einen Ball hielt. „Die verkraften das nicht so gut, wenn sie gegen einen jungen an ihre Grenzen kommen“, scherzt Neumaier.

Nach dem Derby beim SV Uffing (1:2) mit den vielen Glanzparaden fand er in seinem Handy-Postfach einen Haufen Glückwünsche. Seine Kollegen bei der Gemeinde in Polling mieden ihn am Montagmorgen trotzdem, als wäre er ein gefährlicher Bär, der bei der kleinsten Provokation über sie herfallen könnte. Sie haben gelernt, die Zeichen des Frusts zu deuten, geschlossene Bürofenster, dunkle Räume. Niederlagen fressen Korbinian Neumaier noch immer innerlich auf. Manche Dinge ändern sich nie.  

(Andreas Mayr)

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