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Feier und Freude: Julian Büth (l.) und Benedikt Hausmann kurz vor der innigen Umarmung.

Rettung und Derbysieg: Ekstase in Murnau

“Die Nummer eins am See sind wir“: Murnau feiert Klassenerhalt 

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Die Murnauer feiern sich, den Nicht-Abstieg und ihren Trainer.

Felix Schürgers soll die Bälle im Murnauer Tor fangen. Er hat das in der Jugend in Unterhaching gelernt. Aber es wäre nicht angebracht, ihn auf dieses Talent zu beschränken. Der 25-Jährige lebt den TSV Murnau. Kürzlich lieferte er die Idee, sich mit einem witzigen Video gemeinsam mit Nachbar Habach beim TV-Bezahlsender Sky für „Spiel des Lebens“ zu bewerben. Samstagmorgen spuckte sein Kopf einen neuen Plan aus: Bei einem Spiel mit solcher Tragweite braucht es doch eigentlich Sieger-T-Shirts, auch wenn es keinen Aufstieg und keine Meisterschaft zu feiern gibt. Aber der Klassenerhalt gegen den Erzrivalen kommt einem derartigen Erfolg gleich. In München ließ Schürgers die Unikate anfertigen. Hinten drauf: ein riesiger Drache. Vorne der Spruch, der die Verhältnisse im Nord-Landkreis ausdrücken soll: „Die Nummer eins am See sind wir.“

Die Kiste mit den Dressen schleppte Fabian Hirschler Minuten vor dem Schlusspfiff heran. Im großen Kreis, den die Murnauer und ihre Anhänger mitten im Uffinger Reich bildeten, verteilte er die Shirts. Die Spieler strahlten in Grün, die Trainer – damit sie sich abhoben – in Schwarz. Auf Jan Tischers Kleidungsstück fanden sich schnell Tränen. „Einer musste weinen. In dem Fall bin’s ich – mit den Uffingern“, sagt der Co-Trainer des TSV. In seinem Kopf sei gar nichts mehr drinnen, betont er. Der Druck, die Freude, die Anspannung – alles floß mit den Tränen herunter. „Ich habe in den letzten Wochen gelitten. Ich bin einfach platt, weil es mein letztes Spiel mit den Jungs war. Ich brauche eine Pause.“ Man merke es nach zwei harten Jahren, in denen er vorige Saison erst die Reserve gerettet hatte und nun mit Michael Adelwart im Endspurt „das Ruder herumgerissen“ habe. Drei Spieltage vor Ende hatte sich Murnau von Andree Betzel getrennt. Der Abteilungsleiter und seine Kollegen sprangen ein. „In drei Wochen kannst du nicht einen großen Plan ausarbeiten, wie wir spielen sollen“, sagt Adelwart.

Er beschränkte sich auf das Einfachste: „Einen langen Huf mit einem langen Spieler vorne drin“. Es habe noch Plan B oder C gegeben. Murnau brauchte sie nicht. „Wir sind im Hinspiel auch so zu Chancen gekommen.“ Für das Rückspiel stellten die Trainer ihr Team noch defensiver ein, zogen die Abwehr noch ein paar Meter weiter zurück. Vor den schnellen Außen des SVU fürchteten sie sich. „Zentrum zumachen“, lautete Adelwarts Ansage, um die Kommandobrücke des SVU – Christoph Seidl und Georg Kutter – lahmzulegen und Zuspiele zu verhindern. „Das ist uns gelungen, mit ihrem Tempo sind sie fast nie über außen gekommen“, betont der Coach. Bei den wenigen Uffinger Aktionen im Strafraum sei das Team „cool geblieben“. Vor Polizist Schürgers sicherten mit Julian Büth und Benedikt Hausmann die zwei erfahrensten Murnauer ab. Da konnte ja nichts schief gehen. „Hinten steht das ältere Semester“, sagt SVU-Spartenchef Klaus Staltmeier.

Recht bald muss Adelwart seine Schlachtrösser wohl austauschen. Die nächsten Wochen wird er damit verbringen, die Routiniers zum Weitermachen zu bewegen. Der Polizist plant einen weichen Übergang zur nächsten Generation, keinen harten Schnitt. Möglicherweise leitet der Abteilungsleiter das Projekt selbst. Zunächst möchte Adelwart mit seiner Familie sprechen, ob die noch mehr Fußball überhaupt mitmacht. „Bock hätte ich, weil die vorigen Wochen richtig Spaß gemacht haben. Die haben die Jungs zusammengeschweißt.“ Das Team huldigte seinem Coach mit einem Gesang, in den alle einstimmten: „Ohne Adel wär’n wir gar nicht hier.“

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