Die Mannschaften im Kreis Garmisch-Partenkirchen möchten auf den Platz zurückkehren.
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Die Mannschaften im Kreis Garmisch-Partenkirchen möchten auf den Platz zurückkehren.

Meinungsumfrage zum Re-Start

Garmisch-Partenkirchen: Nicht alle wollen spielen

  • vonOliver Rabuser
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  • Patrick Hilmes
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Die Frage wann und wie der Amateurfußball zurückkehren kann, beschäftigt die Vereinsvertreter. Dabei gehen die Meinungen der Vereine weit auseinander.

Landkreis – Mit Spannung wird der aktuelle Diskurs über mögliche Lockerungen verfolgt. Eingeschaltet hat sich auch der Bayerische Fußball-Verband. Er fordert die Rückkehr auf den Platz – generell für die Amateurfußballer und mit Vorrang für Kinder sowie Jugendliche. Er beteuert, dass der Sport Teil der Lösung und nicht Teil des Problems ist. Von Zuversicht der Vereine ist hingegen wenig zu spüren. Einige glauben nicht recht an einen baldigen Re-Start, andere wollen ihn gar nicht angesichts der aktuellen Lage rund um die Corona-Pandemie.

Beim 1. FC Garmisch-Partenkirchen mag man nicht an zügige Öffnungen des Breitensports denken. Das liegt zum einen an den Erfahrungen des Vorjahres, aber auch an der Gesamtsituation. „25 Fußballer auf engem Raum sind schwer zu verkaufen, wenn der Einzelhandel geschlossen bleibt“, sagt Arne Albl. Kontaktsport ab Anfang/Mitte März schließt das Vorstandsmitglied des Landesligisten aus. Gleiches gilt für den Trainingsbetrieb. „Die Denunzianten werden immer mehr. Die warten mit ihren Handys nur drauf, bis man etwas falsch macht.“ Vielmehr sieht der Funktionär die Spanne nach den Osterfeiertagen als sozialverträglichen Zeitpunkt, um „einigermaßen vernünftig“ einzusteigen. Wobei Kinder und Jugendliche Albl zufolge absolute Priorität genießen. „Die sitzen daheim, dürfen teils weder in die Schule, noch zu Freunden.“

Albl: „Wir stehen in den Startlöchern“

Zwei Dinge stören den FC-Sportchef generell: Wie bereits im Frühjahr 2020 warte man vergeblich auf belastbare Signale aus der Politik. „Es fehlen vernünftige Aussagen.“ Als unverständlich bewertet Albl zudem die bornierte Haltung des BFV in Sachen Ligapokal. „Wir können doch froh sein, wenn alles andere halbwegs funktioniert“. Gemeint ist die Zielgerade der Spielzeit 2019/20/21. Er hofft, diese Saison „endlich“ beenden zu können. Für den ohnehin bereits modifizierten Pokalwettbewerb sieht Albl keinen Raum. Ohnehin würden die zu einem sinnvollen Saisonende notwendigen englischen Wochen Konflikte mit den Arbeitgebern der Spieler heraufbeschwören. Klar ist aber auch: Sollte es wider Erwarten früher losgehen, ist der 1. FC ohne Verzug bereit für die Wiederaufnahme der Alltagsgeschäfte. „Wir stehen in den Startlöchern“, betont Albl.

FC Kochelsee-Schlehdorf: Kinder haben Priorität

In dieselbe Kerbe schlägt Klaus Ellert, Vorsitzender des FC Kochelsee-Schlehdorf. Öffnungen wären primär für den Nachwuchs ein Segen. Erwartungen habe er diesbezüglich aber „gar keine“ mehr. Bereits ein Training in unterschiedlichen Gruppen würde Ellert fürs Erste positiv stimmen. „Wir werden sofort loslegen, wenn es erlaubt ist.“ Beim SV Eschenlohe ruhen sämtliche Planungen. „Wir gehen nicht davon aus, dass zeitnah etwas losgeht“, sagt Thomas Hesse. Schließlich werde ohne Zuschauer nicht angepfiffen, und genau hierfür gebe es „noch keine Perspektive“. Somit verzichtet der Spielertrainer des SVE auf voreilige Trainingspläne. Zumal er weiß, dass seine Kicker „individuell“ auf ihre Fitness achten.

SV Ohlstadt: Abbruch der Saison ist alternativlos

Keinerlei Zeitfenster skizziert indes der SV Ohlstadt. Abteilungsleiter Florian Müller bezeichnet den Abbruch der Spielzeit als alternativlos. Selbst wenn ab Ostern Mannschaftstraining erlaubt wäre, sind die restlichen Spieltage unter Berücksichtigung einer aus Gesundheitsaspekten ausreichenden Vorbereitung nicht bis zum Frühsommer abzuhandeln. „Der Virus geht nicht weg.“ Der Spartenchef glaubt eher daran, dass die Einschränkungen bis in den Spätsommer bleiben werden. Diese Aussicht bereitet Müller Sorgen. Ein Jahrgang an Kindern, die neu zum Fußball gekommen wären, ist dem SVO faktisch bereits weggebrochen. Das ließe sich Müller zufolge mit etwas Aufwand noch kompensieren. Wird aber ein weiterer Jahrgang verloren, trifft das einen Dorfverein wie den SVO ins Mark.

Neumeier: „Die Saison durchzuziehen, macht keinen Sinn“

Gar nichts von einem baldigen Re-Start hält Thomas Neumeier. Dem Coach des SV Uffing nervt „dieses Rumgeeiere“ des Verbands in puncto Festhalten an der laufenden Spielzeit. „Zur damaligen Zeit konnte ich das verstehen. Aber jetzt auf Biegen und Brechen die Saison durchzuziehen, macht keinen Sinn.“ Gehe es nach Neumeier, würde die Spielzeit abgebrochen und per Quotientenregelung Auf- und Absteiger ermittelt werden – auch wenn dann der SVU in die Kreisklasse absteigen sollte. Neumeier richtet seinen Blick nicht auf die Tabelle, sondern auf die Essenz des Sports. „Ich will nicht wieder mit tausend Vorkehrungen und Beschränkungen auf den Platz zurück. Das macht so keinen Spaß.“ Der Uffinger Trainer will lieber abwarten bis sich das Pandemie-Geschehen weiter beruhigt. „Wenn wir jetzt rausgehen, kann es sein, dass danach 20 Mann in Quarantäne müssen und anschließend die Arbeitgeber auf die Spieler zukommen und fragen, ob sie arbeiten oder Fußball spielen wollen.“

Ebenso wenig hält Neumeier von einem weiteren Vorstoß des BFV. Dieser passte die Spielordnung so an, dass Partien mit nur einem Tag Pause angesetzt werden können. Heißt: bis zu vier Spiele binnen einer Woche. „Völliger Schwachsinn“, lautet Neumeiers Kommentar. Zum einen bestehen viele Mannschaften aus Studenten, die unter der Woche nicht spielen können. Zum anderen befinden sich die Amateurfußballer seit Monaten im Wartestand. „Spielen wir nach so einer Auszeit mit dieser Intensität, dann braucht man nicht lange auf die ersten Verletzungen warten.“

Oliver Pajonkowski: „Wenn, dann bitte gescheit“

Eine ähnliche Ansicht vertritt Oliver Pajonkowski: „Ich bin fürs Fußball spielen, aber nicht um jeden Preis.“ Der Coach des FC Bad Kohlgrub bleibt weiterhin bei seinem Standpunkt, die Saison abzubrechen und wieder neu zu beginnen, wenn ein normaler Spielbetrieb möglich ist. „Sicher will ich auch wieder auf den Platz, aber wenn, dann bitte gescheit.“

TSV Murnau: Jeder Monat ohne Fußball kostet den Vereinen Spieler

Direkt wieder gegen den Ball treten würden der TSV Murnau und der WSV Unterammergau, das betonen die Coaches Tim Schmid und Josef Thiermeyer. Beide wollen sich aber kein Urteil anmaßen, ob dies angesichts der Pandemie-Lage bedenkenlos möglich ist. Schmid verweist auf die „Verhältnismäßigkeit“. Es könne nicht sein, dass der Sport wieder loslege, aber andere gesellschaftliche Bereiche im Lockdown verweilen. Thiermeyer gibt zu bedenken, dass der Fußball nicht mehr lange warten kann: „Jeder Monat im Lockdown kostest den Vereinen Spieler. Ob die danach den Weg zurück zum Fußball finden, stelle ich mal infrage.“

Beim WSV geht es zudem weniger um den sportlichen Wettkampf, auch wenn sie ihn angesichts von Tabellenplatz zwei in der Kreisklasse gerne wieder aufnehmen würden. „Es fehlt einfach das Gesellige. Den meisten würde es schon genügen, einfach mal wieder als Mannschaft zusammenkommen zu können.“ Was Murnau und Unterammergau eint, ist die Bereitschaft, vier Spiele binnen einer Woche absolvieren zu wollen – auch wenn es eine große Belastung wäre.

Besondere Zeiten benötigen besondere Lösungen

In diesem Punkt pflichtet ihnen Christoph Saller bei. Der Coach des 1. FC betont: „Vier Spiele sind logistisch schon sehr schwer zu stemmen. Aber wir befinden uns in einer besonderen Situation, vielleicht müssen wir da einfach durch.“ Entsprechend plädiert Saller dafür, die Saison zu Ende zu spielen. „Noch ist es möglich.“

Was alle Verantwortlichen eint, ist die Abneigung gegenüber dem Ligapokal. Sie alle sehen keinen Platz mehr für ihn, da die Zeit rennt. Und sie alle wollen natürlich zurück auf den Platz. Doch das Wie und das Wann bleiben die entscheidenden Fragen.

(Patrick Hilmes und Oliver Rabuser)

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