„Reinste Rumeierei vom BFV“ - Sepp Geipl

1. FC GAP und Murnau für Klage - FC Bad Kohlgrub kritisiert BFV-Vorgehen

  • vonPatrick Hilmes
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Im Landkreis Garmisch-Partenkirchen herrscht ein geteiltes Meinungsbild in Bezug auf die Umfrage des BFVs.

Landkreis – Kein Wort von der Politik über den Amateurfußball in Bayern. Das war das Ergebnis am Dienstag nach der Kabinettssitzung des Ministerrats. Die Konsequenz des Bayerischen Fußball-Verbands: Er hatte noch für denselben Abend eine außerordentliche Vorstandssitzung einberufen. Das Ergebnis dieser Konferenz ist eine Online-Umfrage des BFV, in der drei Fragen an die 4500 bayerischen Vereine gestellt werden. Unter anderem zieht der Verband nun auch rechtliche Schritte in Erwägung.

Frage 1: Halten Sie diese Entscheidung der Staatsregierung, Wettkampfspiele im bayerischen Amateurfußball nach wie vor nicht zu erlauben und auch keine Zuschauer in begrenztem Umfang zuzulassen, für richtig?

Frage 2: Wollen Sie, dass der Wettkampfspielbetrieb im Jahr 2020 baldmöglichst wieder aufgenommen wird und der BFV sich dafür einsetzt?

Frage 3: Soll der BFV rechtlich gegen das Verbot des Wettkampfspielbetriebs im Amateurfußball vorgehen und gegebenenfalls gerichtlich Gleichbehandlung mit Freiluft-Kulturveranstaltungen analog § 21 Abs. 2 der bayerischen Infektionsschutzmaßnahmenverordnung geltend machen?

Diese drei Fragen stellt der BFV den Vereinen. Am kommenden Montag sollen die Ergebnisse ausgewertet und veröffentlicht werden. Einen Tag vor der nächsten Sitzung des Ministerrats, die am Dienstag, 8. September, stattfindet. Das Tagblatt hat sich schon einmal bei den Vereinen im Landkreis Garmisch-Partenkirchen – von der Landesliga bis einschließlich zur A-Klasse – umgehört. Das Meinungsbild der hiesigen Vereine ist in ein gespaltenes und vielfältiges.

1. FC GARMISCH-PARTENKIRCHEN

Arne Albl, Sportvorstand beim Landesligisten, beantwortet Frage 1 aus zwei Blickwinkeln. Für ihn ist die Thematik nicht eindeutig. „Es ist nicht richtig, das Fußball vor Zuschauern verboten ist, aber Kulturveranstaltungen mit 400 Leuten stattfinden dürfen. Jedoch gibt es auch manche Wirtschaftsbetriebe, die nicht öffnen dürfen. Die Verhältnismäßigkeit fehlt einfach“, betont Albl. Frage 2 stelle sich für ihn im Grunde nicht. „Sicher soll sich der Verband um den Saisonstart bemühen, das ist schließlich seine Aufgabe.“ Bei Frage 3 schwankt Albl wieder. Er plädiert dafür, „einen vernünftigen Konsens“ zu finden.

TSV MURNAU

Der Kreisligist nimmt nicht an der Umfrage teil. Wie Abteilungsleiter Michael Adelwart erklärte, werde sich der TSV enthalten. „Wir äußern uns nicht. Wir werden den Weg mitgehen, der eingeschlagen wird.“ Adelwart ist ein anderer Punkt viel wichtiger. „Für uns ist nicht das Wie wichtig, sondern das Wann. Wir wollen endlich mal Planungssicherheit haben. Es wird immer schwieriger, die Spieler zu motivieren, wenn sie kein wirkliches Ziel haben.“

SV OHLSTADT

Der Klassenkonkurrent der Murnauer bezieht hingegen klar Stellung. „Nein, wir halten die Entscheidung der Regierung für nicht richtig. Ja, wir wollen, dass sich der BFV für einen schnellstmöglichen Re-Start einsetzt. Ja, wir sind für rechtliche Mittel, wenn es wirklich die letzte Möglichkeit sein sollte.“ So lauten die Antworten von Abteilungsleiter Florian Müller. Dem SVO fehlt wie dem BFV die Gleichberechtigung. Zudem fragt sich Müller, warum nicht zumindest der Punktspielbetrieb zugelassen wird, wenn auch zunächst ohne Zuschauer. „Das Virus interessiert nicht, ob es ein Punkt- oder ein Testspiel ist.“

SV UFFING

Der dritte im Bunde der Kreisligisten ist noch zu keiner Stellungnahme bereit. „Wir müssen das jetzt erst mal im größeren Kreis besprechen und uns abstimmen. Das betrifft ja dann sämtliche Mannschaften, auch die Jugendteams“, erklärt Abteilungsleiter Klaus Staltmeier.

FC KOCHELSEE SCHLEHDORF

Ähnlich sieht die Lage beim Kreisklassisten aus. Klaus Ellert, Vorsitzender des Klubs, verweist ebenfalls darauf, dass man sich im Verein erst mal besprechen müsse, wie und ob man die BFV-Fragen beantworten wird. Die Tendenz ist, dass der FCKS nicht für rechtliche Mittel stimmen wird, immerhin verzichtet der Klub derzeit aus Angst vor einer Quarantäne auf Testspiele (wir berichteten).

 FC BAD KOHLGRUB-AMMERTAL

Für Sepp Geipl, den Vorsitzenden des Vereins, ist die ganze Nummer nur noch eine „reinste Rumeierei vom BFV“. Geipl selbst sei von Anfang an dafür gewesen, die Saison aus- und im März 2021 fortzusetzen. Seine Gründe: „Fußball und Fans bilden eine Symbiose. Es will doch keiner am Gröben oder sonst wo wirklich ohne Zuschauer spielen.“ Es sei nicht die Denke des Klubs, den Re-Start so schnell wie möglich zu vollziehen. Geipl bleibt bei seiner Meinung, dass der Start im kommenden Jahr die bessere Variante sei. „Auch rechtliche Schritte brauchen wir sicher nicht.“

 SC GRAINAU

Beim SCG ist die Stimmungslage dieselbe wie in Ohlstadt. Die Grainauer befürworten einen schnellstmöglichen Saison-Re-Starrt wie auch in letzter Konsequenz rechtliche Schritte. „Die Regierung schaut nur, dass bei ihr alles passt. Für den Amateurfußball kommt nichts, auch für den SC Riessersee im Eishockey kommt nichts. Es wird einfach zu wenig unternommen“, sagt Stefan Elsner. Daher werden sein Bruder Christoph und er dafür stimmen, dass der BFV alles versucht, um den Spielbetrieb vor Zuschauern zu ermöglichen. „Im Grunde seit Herbst 2019 haben wir keinen Wettkampf mehr. Nur Training ist auf Dauer suboptimal.“

 SV KRÜN

Sebastian Krämer, Vorsitzender des SVK, will bei Frage 1 weder mit ja noch mit nein antworten. „Mir fehlt da einfach die Differenzierung. Ich sehe es kritischer, die Mannschaften nicht spielen zu lassen, als keine Zuschauer zuzulassen.“ Frage 2 ist für ihn wiederum einfach zu beantworten. „Der BFV soll definitiv einen baldmöglichen Start anstreben.“ Geht es nach Kramer, soll dabei aber auf rechtliche Mittel verzichtet werden. „Fußball ist zwar unser schönstes Hobby, aber eben auch nur ein Hobby. Im semi-professionellen Bereich ist das etwas anderes. Aber in der Gesellschaft gibt es andere Themen, die wichtiger sind – wie den Schulstart.“

FC MITTENWALD

Der FCM steht wieder auf dem Platz. Das war vor einigen Wochen noch undenkbar (wir berichteten). Coach Helmut Schug hat nun Helfer an seiner Seite, die ihm bei den nötigen Sicherheitsvorkehrungen unterstützen. „Unser ehemaliger Platzwart, mein Sohn und auch der Mannschaftsrat helfen mir, sodass wir nun unter Einhaltung aller Regeln trainieren können.“ Die Haltung zu einem baldigen Re-Start hat sich aber nicht geändert. Schug spreche im Namen des Vereins und befindet die Entscheidung der Regierung für richtig. Entsprechend wird der FCM auch die Fragen 2 und 3 mit nein beantworten. Der Coach wie auch die Spieler sind froh, nun überhaupt wieder trainieren zu können. Auf Testspiele wird der Verein vorerst weiter verzichten – ebenso auf den Punktspielbetrieb.

 SG OBERAU/FARCHANT

Bei der Spielgemeinschaft herrscht ein anderes Meinungsbild wie beim Ligakonkurrenten aus Mittenwald. Das Verbot des Wettkampfbetriebes sieht der Vorsitzende des FC Oberau, Florian Brück, als „fragwürdig“ an. „Die Gleichbehandlung ist das Problem. Ich verstehe nicht, warum Kulturveranstaltungen und Fußballspiele im Amateurbereich so unterschiedlich behandelt werden.“ Daher befürwortet Brück auch, dass der BFV einen baldigen Re-Start anstrebt. „Die ganze Zeit befinden sich die Spieler in der Vorbereitung, und die Partien werden immer wieder verschoben. Das kann so nicht weitergehen.“ Auf eine Klage würde der Vorsitzende allerdings verzichten.

SV ESCHENLOHE

Auch von Eschenloher Seite aus soll der BFV auf Rechtsmittel verzichten. Ebenso strebt man beim SVE keinen voreiligen Saisonstart an. Coach Thomas Hesse fragt sich: „Wie soll das reibungslos ablaufen?“ Unter anderem das Thema Reiserückkehrer beschäftig ihn. Am Training in Eschenlohe darf niemand teilnehmen, der aus dem Urlaub zurückkehrt. Auch ein negatives Testergebnis helfe da nicht. Die Spieler müssen dem Training 14 Tage fern bleiben. „Aber das wird ja nicht bei allen Vereinen so gehandhabt“, gibt Hesse zu bedenken. Bei Frage 1 ist er sich uneins und beantwortet sie wie Arne Albl vom 1. FC. „Ich kann das aus Vereinssicht nachvollziehen, dass man sich über die Regierungsentscheidung aufregt. Aber im Vergleich mit punkten wie Schule und Arbeit gehen diese einfach vor.“

ZUSAMMENFASSUNG

Das Tagblatt hat zu dieser Thematik elf Vereine befragt, einzig beim WSV Unterammergau und beim TSV Oberammergau war niemand telefonisch für eine Stellungnahme zu erreichen. Zwei Vereine – Grainau und Ohlstadt – befürworten Rechtsmittel. Drei Klubs – Bad Kohlgrub, Mittenwald und Eschenlohe – hingegen können das Verbot des Spielbetriebs nachvollziehen und wollen keinen voreiligen Re-Start. Enthalten wird sich Murnau. Kochelsee Schlehdorf sowie Uffing beraten sich noch. Beim 1. FC, in Krün sowie bei der Oberau/Farchant ist man bei der Beantwortung der Fragen teils zwiegespalten.

(PATRICK HILMES)

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