Karl Hirmer. 
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Karl Hirmer. 

Nachruf

SV Eschenlohe trauert um Karl Hirmer

  • Andreas Mayr
    vonAndreas Mayr
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Der SV Echenlohe trauert um Karl Hirmer.

Eschenlohe – Karl Hirmer hat selbst dafür gesorgt, dass sie ihn beim Sportverein in Eschenlohe nicht vergessen. Wäre eh nicht passiert. Denn wer im Landkreis Fußball schaute, der kannte den „Kare“. Wahlweise stand er mit Baskenmütze oder Cowboyhut am Sportplatz. Ah der, werden manche sagen. Ja, genau der. Der Hirmer Karl, der auch Bücher geschrieben hat. Für und über den SV Eschenlohe. Große, dicke DIN-A-4-Wälzer mit Tabellen, Statistiken, ein Fußball-Archiv. 30 Jahre einer Abteilung in Zahlen. Die Bände liegen im Vereinsheim. Doch jetzt haben sie keinen mehr, der sie weiterführt. Karl Hirmer, Ehrenmitglied beim SVE, ist eine Woche vor seinem 77. Geburtstag gestorben.

Kramer: „Das hat er nicht verdient“

Kürzlich hat ihn Peter Kramer noch im Markt gesehen, in Murnau. Dort wohnte Hirmer. Für ihn war die Nachricht von Hirmers Tod ein Schock. Gerade in diesen Zeiten, in denen Beisetzungen im kleinen Kreis stattfinden. „Das hat er nicht verdient“, sagt Kramer. „Da wären so viele gekommen.“ Alleine die SVE-Größen wie Kramer, Schnitzenbaumer, Müksch. Sie alle haben die Geschichte der goldenen 1990er beim SVE mitgeschrieben. Doch kann man diese nicht ohne Karl Hirmer erzählen, Abteilungsleiter der sagenhaften Mannschaft.

Angefangen hat’s mit einem Zufall. Peter Zimmer brachte einen neuen Spezl ins Training der Alten Herren mit, der eigentlich nie richtig Fußball gelernt hatte, sondern ein Gaudikicker war und nicht sonderlich viel lief: Karl Hirmer. „Einen Doppelpass konnte man aber immer mit ihm spielen“, scherzt Stephan Müller, jahrelang SVE-Boss und heute Ehrenvorsitzender. Man muss betonen, dass Hirmer ein exzellenter Schütze war – am Gewehr allerdings. Und Mitglied in mehreren Vereinen. Auch nach seiner Pension legte Hirmer – zwei Kinder, ein Enkel, ein Urenkel – regelmäßig an.

Vom Hobbykicker zum Abteilungsleiter

Seine „zweite Heimat“, wie Peter Kramer sagt, war der Fußballplatz. Flott stieg er auf in der Vereinshierarchie, in fünf Jahren vom Hobbykicker zum Abteilungsleiter 1990. Da trafen sich zwei Säulen zum passenden Zeitpunkt: der Jung-Funktionär und die junge Mannschaft. Beinahe ein Jahrzehnt blickte der (Nord-)Landkreis nach Eschenlohe, und als alle sahen, welch talentierter Haufen da zusammenwuchs, kamen sie auch von auswärts, zuletzt Trainer Charly Richter, mit dem der SVE nach fünf Vize-Meisterschaften 1996 in die Bezirksliga aufstieg. Bei der Party rasierten sich manche die Haare ab. Es war eine wilde Nacht – und Hirmer mittendrin.

In den Jahren zuvor hatte er alles mitgemacht: jedes Spiel, jede Teamsitzung, jedes Training. Mit Clubchef Müller spähte er die Gegner aus, verbrachte Wochenende für Wochenende auf Plätzen der Region. An Weihnachtsfeiern spielte er den Nikolaus, zog die Fußballer mit seinen Sprüchen auf. Abends, im Vereinsheim, unterhielt er die Mannschaft mit Witzen und Anekdoten, die weitere Bücher füllen könnten. „Er war die Stimmungskanone.“ Wenn Karl Hirmer das Vereinsheim betrat, setzten sich die Leute zu ihm – nicht er zu ihnen. „Er konnte einen Abend alleine gestalten“, sagt Müller.

Die Liebe zum Fußball blieb

Die Liebe zum Fußball verging nie. Nicht, als der Oberpfälzer, Krankenpfleger und Berufssoldat, in Pension ging. Nicht, als er sich sein Bein bei einem Unfall auf dem Weg zur Arbeit schwer verletzte. Nicht, als seine Frau Michaela starb. Hirmer stand samstags in Murnau, sonntags in Eschenlohe am Platz – oder auswärts. „Er war überall dabei“, sagt Ludwig Hutter, der Sportliche Leiter des WSV Unterammergau, der mit ihm einen Ehrenamtspreis des Verbands in der Allianz Arena bekam, eine von vielen Auszeichnungen.

Man wird ihn nicht vergessen, diesen positiven und ruhigen Menschen. Auch seine Zahlenwerke werden nicht verschwinden. Müller sucht jemanden, der sie digitalisiert und weiterführt. Er sagt: „Karl Hirmer war unersetzlich.“ 

(ANDREAS MAYR)

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