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Freude pur: Vorlagengeber Benedikt Buchner herzt Murnaus Dreifach-Torschützen Fabian Hirschler.

Punkteteilung bei chaotischer Kunstrasenpartie gegen SV Polling

3:3 im Murnauer Flipperkasten - Platzverweis „macht alles kaputt“

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Stefan Schubert trainiert in Murnau die C-Jugend. Sie tritt in der Bayernliga an.

Murnau– Am Samstag saß Schubert auf der Terrasse des Vereinsheims und schaute einmal den Senioren beim Fußballspielen zu – oder zumindest bei deren Versuch, Fußball zu spielen. Denn für das, was Murnau und Polling da auf dem Platz boten, hat Schubert einen Begriff geschaffen: „Fußball im Flipperkasten“ nennt er’s, wenn der Ball unkontrolliert im Sekundentakt über Füße, Köpfe und Beine hüpft.

Murnau hat seinen „Flipperkasten“ vor elf Jahren für etwa 500 000 Euro erstanden. Die Duelle auf diesem Kunstrasenplatz sind seitdem für ihr Chaos und ihre unvorhersehbaren Wendungen berüchtigt. Weil Granulat eben kein Rasen ist, traut sich der Ball Dinge, die er im Gras nie wagen würde. Heraus kommen Nachmittage wie der Samstag, der 3:3 endete – aber genauso gut 6:3 für Polling oder 4:3 für Murnau hätte ausgehen können.

Das Lager der Pollinger wunderte sich über das Spiel auf Kunstrasen. Tim Schmid, Trainer beim TSV, stellt sich allen Verschwörungstheorien entgegen. Viel Regen habe der Hauptplatz aufgesaugt. Seine Mannschaft hatte am Donnerstag ihr Abschlusstraining auf Kunstrasen abgehalten. Daher wählte Murnau das Nebenfeld. „Die Option haben wir immer“, betont Schmid. Auch der Trainer sah, dass da wenig für Liebhaber von Technik und Taktik geboten war. Aber das übersah der Verfechter des „Schönen Fußballs“ diesmal gerne, wo sein Team doch einen Punkt geschenkt bekam, den es nicht gewinnen hätte dürfen. Aufgrund der Pollinger Chancen war das 3:3 höchst schmeichelhaft. Aber – und diesen Hinweis hebt Schmid hervor: Selbst ein Sieg wäre im 90-Minuten-Wahnsinn möglich gewesen.

Als Murnauer Retter traten dieselben Zwei wie in der Vorwoche auf. Torwart Felix Schürgers, der wieder zwei unfassbare Reflexe zeigte, sowie Dreifach-Torschütze Fabian Hirschler. Der Stürmer ist ja ein höflicher Kerl. Auf dem Platz gehört aber eine Portion Provokation stets zu seiner Rolle. Nach seinem Treffer zum 3:2 spurtete er vor die Pollinger Zuschauer und deutete auf sie. Der große SVP-Anhang kochte. Der dritte Streich sei zeitgleich sein „schwierigster“ gewesen, sagt der Coach. Einen Abpraller nahm er direkt. Mit links. Beim 1:1 – ein Solo nach Traumpass von Benedikt Buchner – und beim 2:1 per Elfmeter (Foul an Buchner) hatte er sich weniger akrobatisch betätigen müssen. Zehn Minuten vor Ende versprang ihm zudem auf dem Weg zum möglichen 4:3 der Ball. „Schade, dass er seine Leistung nicht gekrönt hat.“

Schürgers und Hirschler hoben sich gewaltig vom Rest ab, der größte Schwierigkeiten mit den Pollingern hatte. Zwei weitere Problemfelder taten sich beim TSV auf: Standards und Disziplin. 0:1 und 3:3 erzielten die Gäste nach einem ruhenden Ball. Als Phänomen des Alters ordnet Schmid die Gelb-Rote-Karte von Kevin Diemb ein. Sowohl das Revanchefoul als auch sein verbaler Aussetzer nach 55 Minuten gefielen Schmid nicht. „Einfach unnötig.“ Er rechnet es dem 19-Jährigen zwar hoch an, dass er sich direkt nach dem Spiel bei den Kollegen entschuldigt hat. Half aber nichts. Der Platzverweis „macht uns alles kaputt“. ANDREAS MAYR

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