Der Torjäger ist weg, der Ballkünstler ist geblieben: Stürmer Georg Kutter (Mitte) hat sich vom SV Uffing verabschiedet, Mittelfeld-Ass Majid Al-Khafaji (Nummer 7) konnte vom Verbleib überzeugt werden.
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Der Torjäger ist weg, der Ballkünstler ist geblieben: Stürmer Georg Kutter (Mitte) hat sich vom SV Uffing verabschiedet, Mittelfeld-Ass Majid Al-Khafaji (Nummer 7) konnte vom Verbleib überzeugt werden.

Der letzte Ritt

SV Uffing: Coach Neumeier macht nach dieser Saison Schluss – Aufstieg ist kein Muss

  • Andreas Mayr
    VonAndreas Mayr
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Der SV Uffing startet am Sonntag gegen den Lokalrivalen aus Eglfing in die neue Saison. Für Coach Neumeier wird es definitiv die Letzte mit dem SVU werden.

Uffing – Auf seiner Internetseite verwaltet der SV Uffing den Schatz der Vergangenheit. Man erfährt dort unter anderem, dass 1965 noch die Mitglieder den Trainer wählten (Eugen Schwertel), oder von den wilden Siebzigern, als sie dem Murnauer Rudi Horner 80 Mark im Monat zahlten, damit er in Uffing trainiert. Aufgelistet hat der SVU auch sämtliche Trainer.

Wer die vielen Namen durchforstet, stößt zwangsläufig auf Thomas Neumeier, der sich bald Rekordtrainer nennen darf. Acht Jahre Coach in Uffing (mit Unterbrechung) hat keiner geschafft. Stand Juli 2021 teilt er sich Platz eins mit Arthur Obermeier, und vieles hätte dafür gesprochen, dass das auch so bleibt. Doch das Team, so unglücklich aus der Kreisliga gefallen, sprach sich für eine weitere Saison mit Neumeier aus. „Wenn die Mannschaft das möchte, mach ich noch ein Jahr. So wollte ich nicht abtreten.“ Zeit für einen letzten Ritt mit dem SVU, der am Sonntag (14 Uhr) gegen Lokalrivale Eglfing beginnt.

Neumeier ist überzeugt von seinen Neuzugängen

Thomas Neumeier hat es schon voriges Jahr vor allen anderen gewusst. So ein Sportsmann ist Georg Kutter, dass er seinen Wechsel (im Fall des Abstiegs) früh im Voraus angekündigt hatte. „Von beiden Seiten eine faire Sache“, lobt der Coach. Gehofft haben sie lange, dass ihr Bester doch bleibt. Nun kickt er in Murnau und soll dort die Tore schießen. Allerdings „ist er oft genug da und kommt vorbei. Wir ratschen wie davor“, sagt Neumeier. Irgendwann, spätestens mit dem Punktspielstart, müsse man loslassen. Dafür überzeugten die Uffinger Majid Al-Khafaji, den Ballkünstler im Mittelfeld, zu bleiben. Er wäre gerne nach Raisting in die Bezirksliga gewechselt. Doch nachdem sich im privaten Umfeld einiges getan hat, macht Uffing weiterhin mehr Sinn.

Hinzu kommen fünf Neue. Dominik Strauß aus Seehausen (vormals TSV Murnau) habe das Zeug für die Erste, muss nur kontinuierlich trainieren. Benedikt Gareis (vormals Torschützenkönig der Murnauer U15 in der Bezirksoberliga) und Leon Müller „brauchen und kriegen ihre Zeit. Wir wissen, dass die gut sind“. Matthias Fischer arbeitet nach einigen Jahren Auswärtsstudium nahe Uffing. Mit Ferdinand Renner, der wegen Arbeit und Freundin in die Region kam, hat der SVU nach dem Abgang von Sebastian Obermüller einen Top-Ersatz im Tor gefunden, der in Niederbayern höherklassig gespielt hat.

„Es stecken ein paar Prozent mehr im Team, die ich nicht erreiche.“

Neumeier zur benötigten Veränderung nach fünf Jahren

Kein Coach in Uffing hat so viele emotionale Extreme erlebt. Relegationsdrama, Meisterschaft, Kreisliga-Abstieg am Grünen Tisch. Was kann Thomas Neumeier noch erschüttern? „Irgendwas immer – vielleicht ist gerade das das Interessante“, sagt er. Seine Stärke: Er hält sich nicht lange mit dem Seelenballast auf. Obwohl das SVU-Urgestein klarstellt „das ist definitiv meine letzte Saison“, spürt man nichts von Lethargie oder Stagnation.

Sonst würde er’s nicht machen. „Ich bin der Letzte, der an seinem Stuhl festhält.“ Stattdessen habe er richtig „Bock auf Fußball“ – „die Spieler haben’s auch“, ergänzt er. In seiner letzten Saison hat er das System justiert, die eine oder andere taktische Spielerei eingebaut, die allerdings vorerst geheim bleibt. „Das kann und will ich noch nicht preisgeben.“ Gleichwohl weiß Neumeier, dass es nach fünf Jahren in Serie Veränderung braucht. „Es stecken ein paar Prozent mehr im Team, die ich nicht erreiche.“

Die Einstellung der Spieler nach dem Abstieg fällt positiv auf

Trotz Corona ist am Staffelsee alles wie immer. „Du kennst deine Pappenheimer, du weißt, wer fit ist“, sagt der Coach. Die Fleißigen trafen sich früh und oft zum Laufen. Für den Rest hat die Vorbereitung vor sechs Wochen begonnen. Positiv fiel bislang die Einstellung der Spieler nach dem Abstieg auf. „Sie haben Lust.“ Gut und schnell angenommen hat das Team auch das Systemupdate. Gegen den A-Klassisten Söchering (5:1-Sieg) übten die Uffinger, in Duellen mit den Kreisklassisten Hohenpeißenberg (6:1) und ESV Penzberg (2:0) verfeinerten sie. „Hat gut ausgeschaut“, lobt Neumeier. Zum Abschluss gab’s ein 2:2 gegen Ohlstadt, allerdings mit geschwächten Kadern auf beiden Seiten. Uffing geht auf jeden Fall gerüstet in die Saison.

Ziel bleibt - wie immer unter Neumeier - ein Sieg in jedem Spiel

Eine Testspielserie ohne Niederlage sowie mit erbaulichen Ergebnissen und ansehnlichem Spiel, ein Spitzenkader mit nur einem prominenten Verlust, ein Team, das dem Coronabeschluss des Verbands trotzen will – das Skript für eine letzte, erfolgreiche Mission mit Thomas Neumeier ist geschrieben. Nun müssen es die Uffinger nur noch umsetzen. Der SVU geht als Favorit in die Kreisklasse, auch wenn der Trainer Zurückhaltung vorlebt. „Ich werde mich in keinen Schuh reinzwingen lassen“, stellt er klar. Druck habe er sich weder selbst gemacht noch von oben bekommen. Allerdings sagt er auch: „Wir könnten es.“ Ziel bleibt – wie immer unter Neumeier: „Ich möchte jedes Spiel gewinnen.“ (VON ANDREAS MAYR)

Kader: Ferdinand Renner, Julius Schnürer, Stefan Petersen – Florian Schweiger, Fabian Klier, Philip Jarosch, Matthias Fischer, Stefan Resch, Simon Gerg, Martin Weingand, Maximilian Dürr, Majid Al-Khafaji, Christoph Seidl, Matthias Buchberger, Uli Dürr, Dominik Mayr, Franz Sternkopf, Dominik Strauß, Leon Müller, Felix Hoffmann, Martin Flöß, Peter Kinast, Benedikt Gareis, Philipp Destek

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