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Paukenschlag! TSV Murnau entlässt Trainer Teichmann

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Von: Andreas Mayr

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Hat das Unheil nicht kommen sehen: Sven Teichmann reagiert überrascht auf sein Aus in Murnau.
Hat das Unheil nicht kommen sehen: Sven Teichmann reagiert überrascht auf sein Aus in Murnau. © Andreas Mayr

Der Anruf, der für beide höchst unangenehm war, erreichte Sven Teichmann am Mittwochabend. Überbringer der schlechten Kunde war Michael Adelwart, Abteilungsleiter Fußball beim TSV Murnau.

Murnau – „Mir hat das Kraft und Überwindung gekostet, ihn anzurufen“, sagt Adelwart. Er hatte dem 53-Jährigen mitzuteilen, dass er nicht mehr länger Trainer sein darf.

Nach der 2:5-Niederlage zum Rückrundenauftakt gegen den SC Unterpfaffenhofen-Germering in der Vorwoche entlässt der Bezirksligist seinen Coach. Teichmann sagt am Telefon: „Ich bin total perplex. Das ist ein Schritt, den ich nicht nachvollziehen kann.“ So wird es vielen in der Szene gehen.

Wer hinter die Fassaden blickt, dürfte weit weniger überrascht sein. Innerhalb der Mannschaft soll es schon länger unzufriedene Spieler gegeben haben. So bestätigt das auch Teichmann im Tagblatt-Gespräch. „Du kannst nicht für alle der Liebe und Nette sein. Im Großen und Ganzen bin ich mit jedem offen und vernünftig umgegangen. Die Offenheit hat beim einen oder anderen gefehlt.“ Manch einer rebellierte nach Informationen unserer Zeitung recht offen gegen den Fußball-Lehrer. Jedenfalls war Teichmanns Demission kein Schnellschuss, erklärt Adelwart. Über den Winter habe es immer wieder Gespräche gegeben. Mancher im Umfeld, sagt der Teichmann selbst, habe etwa einen defensiveren Stil gefordert. So etwas aber war mit dem früheren Profi nicht zu machen. „Ich bin nicht der Typ, der beim ersten Mal gleich den Plan umwirft.“

Außerdem zog Teichmann klare Konturen, wie er sich Fußball und das Leben drumherum beim TSV vorstellte. Er installierte Video-Analysen, trainierte teilweise bis zu viermal die Woche. „Ich habe viel betrieben, kann mir keine Vorwürfe machen“, betont er. „Vielleicht war seine Herangehensweise den Ticken zu professionell“, sagt Adelwart. Ein zu ambitionierter Übungsleiter für den ambitionierten TSV? Das hätte auch niemand erwartet. Ihm persönlich tut’s leid, sagt der Abteilungsleiter, der Teichmann selbst im vorigen Jahr vom Murnauer Projekt überzeugt hatte. Trotz Konkurrenzangeboten aus der Bayernliga. Teichmann lieferte, was er versprach: einen professionellen Ansatz. „Wir haben einiges von ihm gelernt. Nicht nur die Spieler“, bestätigt Adelwart.

Auch Teichmann sieht seine Mission in Murnau keinesfalls als gescheitert an. So weit er das beurteilen könne, habe er die Mannschaft gut entwickelt. Mit Rang zwei zur Winterpause ging der Aufsteiger in exzellenter Ausgangslage ins Aufstiegsrennen. „Wir haben eine Super-Serie gespielt und können immer noch unser Ziel erreichen“, hält er fest. Dieses interne Ziel ist nicht weniger als der Aufstieg in die Landesliga. Das hat eine Umfrage in der Winterpause innerhalb des Teams ergeben. Mit der Entlassung des Trainers „ist das Alibi weg“, betont Teichmann. Nun sind die Kicker gefordert. Der frühere Profi traut ihnen den Erfolg zu: „Sie werden es schaffen. Ich wünsche alles, alles Gute.“

Für ihn fühlt sich der unfreiwillige Abschied dennoch an wie „eine Ohrfeige“. In der Nacht auf Donnerstag habe er kaum schlafen können. „Man ist Mensch und macht Fehler. Trotzdem bin ich ein bisschen verwundert.“ Am Donnerstag vor dem Training verabschiedete er sich von den TSV-Kickern. Die Einheit vor der Partie an diesem Samstag (15 Uhr) beim MTV Berg leitete Assistent Benedikt Hausmann. Der springt allerdings nur kurzfristig ein. Murnau sucht nach einem neuen Mann. So hat’s Adelwart im Verein und der Mannschaft kommuniziert. Einen zeitlichen Rahmen könne er nicht abschätzen.

Ganz der Adel hat er auch in dieser schwierigen Situation seinen Humor nicht verloren. Es sei nicht ausgeschlossen, dass er selbst wieder auf dem Platz stehe, scherzt er. Bei der U15 springt er nach der Trennung von Stefan Schubert nämlich zusammen mit Volker Bockhorni auch schon ein. Aber nein, für die Bezirksliga-Truppe wird es einen neuen Mann geben. Teichmann dagegen braucht erst einmal ein paar Momente der Ruhe. In der Winterpause hatten ihn bereits Angebote erreicht, die er ausschlug. Er arbeite gerne mit jungen Leuten zusammen. Genauso überlege er sich, mal wieder länger Pause zu machen. Aber das ist eine Entscheidung für einen anderen Tag. (Andreas Mayr)

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