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"Meiner Meinung nach ist das peinlich" - Damen des TSV Murnau von Vorstandschaft im Stich gelassen

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Von: Marco Blanco-Ucles

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Doppelte Freude: Die Murnauer Fußball-Damen bejubeln den Sieg in Regensburg und
dass der SV Ohlstadt seinen Mannschaftsbus für die Fahrt bereitgestellt hat.
Doppelte Freude: Die Murnauer Fußball-Damen bejubeln den Sieg in Regensburg und dass der SV Ohlstadt seinen Mannschaftsbus für die Fahrt bereitgestellt hat. © Privat

Die Damen des TSV Murnau freuen sich nach dem Aufstieg in die Landesliga über jede Unterstützung. Diese bekommen sie ausgerechnet vom Erzrivalen.

Murnau – Sie jubeln, posieren, strahlen auf dem Foto über beide Ohren. Kurz zuvor hatten die Murnauer Fußballerinnen in ihrem Abenteuer Landesliga den ersten Saisonsieg geholt – 3:2 in Regensburg. Hinter der feiernden Meute ist ein Mannschaftsbus zu sehen. Klar, eine solch lange Strecke sollte nicht jede Spielerin einzeln im Privat-Pkw absolvieren.

Doch statt dem Murnauer Wappen prangt in großen, schwarzen Lettern „SV OHLSTADT“ auf dem Gefährt. Die Fußballerinnen von der Poschinger Allee im Bus des Rivalen vom Boschet unterwegs? Es ist der (vorläufige) Schlusspunkt eines kuriosen Spendenaufrufs.

TSV Murnau muss bis zu 260 Kilometer zu Auswärtsspielen fahren

Doch der Reihe nach: Nachdem im Sommer die Saison in der Bezirksoberliga abgebrochen und per Quotientenregelung gewertet worden war, stand fest: Die Fußballerinnen des TSV Murnau hatten tatsächlich den nächsten Meilenstein in ihrer Erfolgsgeschichte der vergangenen Jahre geschafft: Aufstieg in die Landesliga!

Höhere Spielklasse gleich weitere Anfahrtswege, so einfach ist die Rechnung im Amateursport. Die Landesliga im Frauenfußball bildet da keine Ausnahme. Egal ob Thenried (266 Kilometer), Regensburg (193) oder Passau (261) – es sind weite Strecken, die der TSV in dieser Saison zurücklegen muss. Schnell war klar: Ein Mannschaftsbus muss her, vielleicht sogar zwei Exemplare, zumindest für Fahrten bis nach Passau. Rund 300 Euro kostet ein solcher Auswärtstrip.

Tobias Weber
 freut sich über die Hilfe.
Tobias Weber freut sich über die Hilfe. © Andreas Mayr

Verantwortliche des TSV Murnau kümmern sich nicht um Damenmannschaft

Bei den Verantwortlichen des TSV Murnau fragten Trainer Tobias Weber und Co. erst gar nicht nach. „Hätte nichts gebracht“ – da lässt der Coach tief blicken, wie es um das Verhältnis zur Vereinsspitze aussieht. Auch zum Landesliga-Aufstieg hätten sich die Damen etwas mehr Wertschätzung erwünscht. „Gefühlt gab es einen feuchten Händedruck, das war’s“, erzählt Weber. Die Fußballerinnen in Murnau fühlen sich seit Jahren etwas im Stich gelassen. Das unterstreicht auch Ex-Trainer Edi Koller, der vier Jahre lang das Team betreute: „Die Damenmannschaft war schon immer ein ,notwendiges Übel‘ beim TSV. Wir mussten uns ewig darum bemühen, überhaupt anständig trainieren zu können.“

Edi Kolller ist nicht überrascht.
Edi Kolller ist nicht überrascht. © Andreas Mayr

Die Fußball-Abteilungsleitung rund um Michael Adelwart kam nicht auf Weber und sein Team zu. Also entschloss sich die Mannschaft, das Heft des Handelns selbst in die Hand zu nehmen und wandte sich an die Öffentlichkeit. In den sozialen Netzwerken posteten sie einen Spendenaufruf, um bei Auswärtsfahrten auf gemietete Kleinbusse zurückgreifen zu können. In der Waldklause, dem Murnauer Vereinsheim, stellten die Frauen ein Sparschwein auf.

Lokalrivalen SV Ohlstadt und SV Uffing springen zur Seite - TSV murnau reagiert nicht

Reaktionen kamen auf die Aufrufe – allerdings nicht vom TSV Murnau. Der Nachbarklub aus Ohlstadt meldete sich stattdessen mit dem Angebot, dass die Murnauerinnen den SVO-Bus selbstverständlich für die Auswärtsfahrten nutzen könnten. „Wir waren verwundert über die mangelnde Unterstützung für die Mannschaft. Wir in Ohlstadt wären stolz auf ein Frauenteam, das in der Landesliga vertreten ist“, betont SVO-Abteilungsleiter Florian Müller.

Doch nicht nur vom Boschet erhielten die Murnauerinnen Unterstützung. Auch der SV Uffing schaltete sich ein und versprach, die Spritkosten für die Fahrten zu übernehmen. „Dafür sind wir sehr, sehr dankbar – und haben das Angebot natürlich angenommen“, sagt Weber.

Und die eigene Führungsetage? Reagiert nicht, schweigt stattdessen. Auch am gestrigen Montag, als das Tagblatt um eine Stellungnahme bat. Abteilungsleiter Adelwart merkte lediglich an: „Dazu gebe ich keinen Kommentar ab, ich habe genug zu tun. Fragen Sie die Frauenmannschaft, was passiert ist.“ Weber ist von der Reaktion beziehungsweise Nicht-Reaktion alles andere als überrascht: „Damit habe ich ehrlicherweise gerechnet.“ Das Verhalten des Spartenchefs löst bei Ex-Trainer Koller Kopfschütteln aus. „Jeder kann selbst beurteilen, ob das peinlich ist. Meiner Meinung nach Ja. Das sind im Übrigen Fakten, ich möchte nicht nachtreten.“ (Marco Blanco-Ucles)

Michael Adelwart möchte sich nicht äußern.
Michael Adelwart möchte sich nicht äußern. © ANDREAS MAYR

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