Ein Hundertprozentiger: Edi Koller hat aus den Murnauer Fußballerinnen einiges gemacht.
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Ein Hundertprozentiger: Edi Koller hat aus den Murnauer Fußballerinnen einiges gemacht.

Frauen-Erfolgscoach übergibt an Tobias Weber

TSV Murnau: Edi Koller macht Schluss - vom Trainer zum größten Fan

  • Andreas Mayr
    vonAndreas Mayr
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Manche würden sagen: Was für ein liebloser Abschied.

VON ANDREAS MAYR

Murnau – Ganz unpassend für einen wie Edi Koller, der das Amt als Trainer, in diesem Fall als Frauentrainer, mit so viel Hingabe gefüllt hat, dass ihn alle möglichen Klubs aus der ganzen Region anriefen und baten, er möge doch ihre Mannschaft betreuen.

Diese Anrufe mehrten sich im Herbst 2019, als der Ohlstädter seine letzte Saison mit den Murnauer Frauen ankündigte. Ebenso viele erwartet der Coach, sobald die lokale Szene vom Ende dieser vierjährigen Traumbeziehung erfährt. Seinen Abschied, nun früher als geplant, hat er seinem Team via Handy offenbart. Natürlich wäre es ihm persönlich in der Kabine tausend Mal lieber gewesen. Aber was hätte er machen sollen mit Corona?

Wer mit Edi Koller zu tun hat, der weiß: Der Mann steht zu seinem Wort, weil es ihm wichtig ist und er sich daran messen lässt. Er hat Tobias Weber, seinem Assistenten, versprochen, am Ende der Saison abzutreten. „Wir haben das vorher abgemacht, dabei bleibt es“, betont Koller. Nicht einmal ein Meistertitel in der Bezirksoberliga – der Aufsteiger liegt aktuell auf Rang zwei – hätte die Kraft gehabt, ihn umzustimmen. Bedenkenträger könnten nun einwenden, dass die Saison nur unterbrochen, nicht beendet ist. Da Koller aber eh der Meinung ist, dass der „BFV gerade einen Schwachsinn produziert“, zog er es vor, jetzt aufzuhören.

Der Coach hat stets klare Standpunkte zu allen möglichen Themen bevorzugt. In diesem Fall stellt er sich gegen den Verband und seinen Entschluss, die aktuelle Spielzeit im Herbst zu Ende zu bringen. Er hält nichts davon, den Rahmenplan auseinanderzureißen mit Folgen für – im schlimmsten Fall – mehrere Jahre. Einen Abbruch, ein Ende für alle, hätte es gebraucht, wie in anderen Landesverbänden praktiziert.

Doch nicht alles am Verbandsentscheid ist schlecht. Er ermöglicht seinem Nachfolger einen sorgenfreien Start. Tobias Weber, ebenfalls aus Ohlstadt, übernimmt ein funktionierendes Team auf Rang zwei der Bezirksoberliga. Und das ohne große Erwartungen. „Aufsteigen will kein Mensch. Absteigen kannst du fast nicht mehr“, sagt Koller. Weber könne locker an die neue Aufgabe herangehen. Er hat zuletzt bereits ein Probetraining mit potenziellen Neuzugängen geleitet. Darunter waren auch einige jüngere Fußballerinnen aus der Gegend. 16- und 17-jährige Mädchen – die Zukunft des TSV.

Webers erste und große Herausforderung wird die Verjüngung des Kaders, um den Fortbestand der Murnauer Frauen zu sichern. Eine Handvoll Fußballerinnen hat ihren Abschied angekündigt. Also nach dem offiziellen Saisonende. Regina Mangold pausiert. Sie erwartet ein Kind. Für Junge und Neue eröffnet sich eine perfekte Gelegenheit, sich an das Niveau heranzutasten. „Keiner hat einen Druck“, betont Koller. Auch Weber nicht. „Das ist genau die richtige Zeit, um die Jungen zu bringen.“

Anfang Mai hat er zunächst den Kader über seinen Abschied informiert, direkt danach die Trainerkollegen aus Oberau und Neuried. Ausnahmslos jede Spielerin meldete sich bei ihm und schickte persönliche Grüße. Im Sommer folgt eine Ausstandsfeier. Im Fußball, selbst im Amateurbereich, hat es selten so eine harmonische Liaison gegeben. „Nichts Negatives“ sei vorgefallen. Als schönsten Moment behält Koller die Meisterschaft 2019 am letzten Spieltag im Kopf. Doch nichts übertrifft die Entwicklung der Frauen vom mittelmäßigen Bezirksligisten zum Oberliga-Spitzenteam. Selbst die größten Kritiker des Frauensports räumen ein: „Das sieht wie Fußball aus, das kann man echt anschauen.“ Kollers Erfolg basiert auch auf seinen Fähigkeiten als Anwerber, als fußballerischer Headhunter. Jedes Jahr verstärkte er das TSV-Team mit talentierten Neuen. „Das musst du. Du hast keinen Unterbau wie bei Herren-Mannschaften.“

Fürs Erste gönnt er sich eine Pause, auf die er sich richtig freut. Er spricht noch nicht von Fußballrente. Vorsorglich. Dafür liebt er den Sport zu sehr. Ein paar Mal öfter in den Urlaub möchte er fahren. Ab September wird man ihn aber genauso oft am Platz sehen wie zuvor. Als Zuschauer. Auch bei den Murnauer Frauen. „Ich werde mit Sicherheit der größte Fan sein.“

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