Frust auf der einen, Freude auf der anderen Seite: Murnaus Thomas Bauer (l.) beobachtet mit ernster Miene wie die Miesbacher Josef Sontheim (r.) und Sebastian Esterl den 1:1-Ausgleich bejubeln. Foto.andreas mayr
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Frust auf der einen, Freude auf der anderen Seite: Murnaus Thomas Bauer (l.) beobachtet mit ernster Miene wie die Miesbacher Josef Sontheim (r.) und Sebastian Esterl den 1:1-Ausgleich bejubeln. Foto.andreas mayr

Drachen verspielen Halbzeitführung

TSV Murnau: Ideenloser Auftritt bei Niederlage gegen den SV Miesbach

  • Andreas Mayr
    VonAndreas Mayr
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Beim 1:2 gegen den SV Miesbach verspielte der TSV Murnau seine Halbzeitführung und musste seine zweite Saisonpleite hinnehmen.

Murnau – Es war nur ein kleiner Ausschnitt, aber einer mit Symbolcharakter: Wie die verzweifelten Murnauer Fußballer Sekunden vor Ende den Ball nach vorne dreschen wollten, aber dabei nur Schiedsrichter Stefan Rießenberger trafen, fügte sich ein in das Bild, das der TSV an diesem Samstag abgab. Der Glanz der vergangenen Wochen muss irgendwo auf der Heimfahrt aus Sauerlach verloren gegangen sein. Beim 1:2 gegen Miesbach kassierte Murnau seine zweite Niederlage der Kreisliga-Saison.

Auf der Suche nach den Gründen für diesen schwachen Auftritt muss man tatsächlich eine Woche zurück nach Sauerlach reisen. Ex-Profi Hans-Werner Grünwald, Trainer beim SVM, gehörte zu den Zuschauern des 5:1-Spektakels. Und der beobachtete, wie man genau nicht gegen Murnau spielen sollte. Sauerlach mag zwar offensiv die Feuerkraft haben, um mit dem TSV mitzuhalten, doch defensiv öffnete es riesige Räume. „Gegen Leute wie Kutter ist das tödlich“, sagt Grünwald. Seine Miesbacher Mannen ordnete er folgendermaßen an: Sie bildeten ein engmaschiges Netz, hielten den Abstand zwischen allen Mannschaftsteilen so gering wie möglich und verleiteten die Murnauer Kurz- und Schönspieler zu einfallslosesten Methoden: lange Bälle. Sie hielten sich auch an die Leitlinie des Trainers, als Carlos da Silva Cunha tatsächlich eine Flanke ins Tor (26.) köpfte. „Normal brichst du auseinander, wenn Murnau in Führung geht. Da lebt die Euphorie der letzten 18 Tore mit“, sagt Grünwald. Doch seine Mannschaft verstand sich exzellent in der Rolle des Emotionsräubers und spielte einfach so weiter.

Tim Schmid, Trainer beim TSV, fiel vor allem ein Wort ein: unclever. Von seinen Fußballern sah er viele „komische Bälle“, also Schläge ins nirgendwo, die man ohne Empfänger aber mit allerlei guter Hoffnung versah. Zudem fehlte Schmid die gesamte Spielzeit über „irgendetwas, der letzte Punch oder wie man’s nennen mag“. In Hälfte zwei schaffte es der TSV kein einziges Mal vor das Gästetor. Torjäger Georg Kutter hob bei Flanken zwar ein paar Mal im Strafraum ab, doch der Luftraum war jedes Mal gut besetzt, in der Regel von Niklas Städter in der Innenverteidigung. „Der hat jeden weggefischt.“

All das wäre trotzdem zu verkraften gewesen, wenn Murnau seinen ohnehin dürftigen Auftritt nicht noch mit individuellen Patzern ausgestaltet hätte. Den folgenschwersten leistete sich der eingewechselte Emilio Schmidt Cabrera, wobei man eines klarstellen muss: An dem jungen Mann lag es keinesfalls, das Murnau verlor, das bekam schon das ganze Team hin. Profiteur des zu kurzen Rückpasses war Josef Sontheim, den sie in Murnau schon so gut kennen, dass sie ihn übers Stadionmikrofon als „Seppi“ vorstellten. In Sontheims Vita verzeichnete man Jahre in der Landes- und Bayernliga. „Man sieht, dass der höherklassig ist“, sagt auch Coach Grünwald. Bei beiden Toren – Sontheim schoss auch das 2:1 – blieb er ruhig, „wo ein anderer blind draufschießt“. Über die Jahre hat sich Sontheim den Ruf als Murnau-Schreck erarbeitet. Erst vor der Partie in der Kabine entschied er in Rücksprache mit dem Physiotherapeuten, dass er nach Knieverletzung wieder spielt. Sein Coach sagt: „Wir brauchen schon einen Sontheim, um in Murnau zu bestehen.“

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