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Freude pur: Die Fußballer des TSV Oberammergau bejubeln ihren Aufstieg in die A-Klasse.

Aufstieg lässt schwere Jahre vergessen

Wieder da: Die Wiedergeburt des TSV Oberammergau

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Der TSV Oberammergau steht wieder! Nach zwei Jahren kehren die Fußballer runderneuert in die A-Klasse zurück.

VON SIMON NUTZINGER

Oberammergau – Ein 1:4 gegen den ESV Penzberg – dann war Schluss. Der Abstieg – besiegelt. Mit jämmerlichen acht Punkten verabschiedeten sich die Fußballer des TSV Oberammergau aus der A-Klasse. Das trostlose Ende einer noch trostloseren Saison.

Die Trainingsbeteiligung: erschreckend niedrig. Perspektive: kaum vorhanden. Die Mannschaft, sie lag am Boden. Doch nur zwei Jahre später hat sie ihre Kraft zurückgewonnen, steht wieder auf beiden Beinen – und das vielleicht stabiler als lange Zeit zuvor. Drei Spieltage vor Schluss ist den Oberammergauern die B-Klassen-Meisterschaft nicht mehr zu nehmen. Mit bislang lediglich einer Niederlage kehren sie in die A-Klasse zurück.

Wer verstehen will, was sich beim TSV seit dem Abstieg verändert hat, dem sei ein Blick ins Archiv des Bayerischen Fußball-Verbandes empfohlen. Von den 14 Spielern, die im Juni 2017 gegen Penzberg aufgelaufen waren, finden sich im heutigen Oberammergauer Kader gerade einmal vier davon wieder. Neben Kapitän Stefan Drewing, Michael Raddatz und Alexander Güntner zählt Michael Drewing dazu. Der Abteilungsleiter betont: „Wir haben damals einen klaren Schnitt gemacht.“ Von altgedienten Kickern, die wenig bis nie trainierten, aber stets spielten, trennte sich der Verein. Die Zukunft: Sie sollte den jungen Talenten gehören. „Wir wollten wieder ein richtiger Haufen werden.“

Eine Taktik, die zunächst nicht mit sportlichem Erfolg belohnt wurde. Auch eine Liga tiefer gurkten sich die Oberammergauer durch die Hinrunde. Neu-Trainer Markus Mayer hatte das Spielsystem auf eine variable Dreierkette umgestellt, den Libero abgeschafft. „Das mussten wir alles erst mal verinnerlichen“, räumt Drewing ein. Doch irgendwann klickte es in den Köpfen der TSV-Spieler. Anstatt wie früher den Ball nach vorne zu schlagen und darauf zu hoffen, dass schon irgendetwas passieren wird, behielten sie die Ruhe, setzten auf Ballbesitz und schnelle Angriffe über außen. Der Lohn: eine deutlich erfolgreiche Rückrunde – und endlich wieder Siege.

„Die Ergebnisse haben uns viel Selbstvertrauen gegeben“, sagt Drewing. Die Oberammergauer wussten, sie sind auf dem richtigen Weg. Dass sie dieser aber bereits jetzt zur Meisterschaft führt, damit rechnete im Verein niemand. „Unser Ziel war eigentlich, erst im nächsten Jahr oben anzugreifen“, sagt Trainer Mayer, den Drewing als „wichtigsten Baustein des Erfolgs“ bezeichnet. Worte, die der 48-Jährige sogleich von sich weißt. Die Anerkennung gebühre der Mannschaft. Sie habe sich zusammengerauft, alles für den Fußball hinten angestellt. „Da steht jeder für den anderen ein – einfach eine überragende Truppe.“

Jemanden herauszuheben, fällt dem Unterammergauer, der seit zwölf Jahren dem TSV als Spieler und nun als Coach angehört, schwer. „Die Mischung macht’s bei uns aus“, sagt er. An der Seite der erfahrenen Recken Raddatz sowie Michael und Stefan Drewing („Ein Kapitän wie er im Buche steht“) können die vielen Jungspunde wachsen. Zwei dieser TSV-Talente, die in der abgelaufenen Saison für Furore gesorgt haben, sind Marvin Otto und Mayers Sohn Florian Noll. Stürmer Otto (27 Tore) und Zehner Noll (15 Tore) bilden das Prunkstück der ligaweit besten Offensive. „Sie haben einen riesigen Entwicklungssprung gemacht“, lobt Mayer seine gerade einmal 19 Jahre alten Schützlinge. Dass andere Vereine bereits ein Auge auf die Youngster sowie die auch erst 20-jährigen Manuel und Tobias Loch geworfen haben, kann sich ihr Trainer durchaus vorstellen. Große Sorgen, einen von ihnen zu verlieren, hat Mayer aber nicht. „Wir werden so zusammenbleiben, wie wir sind“, sagt er. „Die Burschen wissen, dass hier etwas entsteht.“

Als sich die Oberammergauer am vergangenen Samstag zum Meister krönten, hieß der Gegner übrigens wieder ESV Penzberg. Wie damals beim Abstieg. Doch diesmal war natürlich alles anders. Statt Tristesse herrschte Freude pur am TSV-Sportplatz. Bis in die Morgenstunden feierten die Spieler ihr Husarenstück. Sogar ein Feuerwerk zündeten sie. „Einfach nur geil“, sagt Drewing. Das traumhafte Ende einer noch traumhafteren Saison.

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