WSV Unterammergau: Pannenserie beim Trainingsplatz-Bau
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WSV Unterammergau: Pannenserie beim Trainingsplatz-Bau

Aus bleibende Partys, Straßenschäden, Drainagen, Lehm und Mohr

WSV Unterammergau: Pannenserie beim Trainingsplatz-Bau

  • Andreas Mayr
    vonAndreas Mayr
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Den Bau des neuen Trainingsplatzes hätte sich Abteilungsleiter Leonhard Gansler sicher anders vorgestellt. Viele Komplikationen und Pannen ziehen den Bau in die Länge.

Unterammergau – Leonhard Gansler schreibt Tagebuch, aber nicht so, wie man es eigentlich führt. Es ist auch kein gewöhnliches mit farbigem Einband und verzierten Seiten. Der Abteilungsleiter des WSV Unterammergau notiert in seinem Buch alle Arbeiten am neuen Trainingsplatz – und die füllen viele Seiten. Viele mehr als geplant. Über 1000 Arbeitsstunden haben die Fußballer gesammelt. Niemand zahlt sie. Sie machen das für sich selbst.

Wer Tagebuch schreibt, sucht oft auch einen Ort, um seinen Gefühlen Platz einzuräumen. Leonhard Gansler fand sein geeignetes Plätzchen in der Stube der Steckenberg-Alm bei der Jahresversammlung der WSV-Fußballer. 

Frust und Arbeit stauen sich bei Abteilungsleiter Gansler

Es hat sich viel aufgestaut. Einerseits die Arbeit, weil so viel Unvorhersehbares an diesem Trainingsplatz aufgetreten ist, dass der Frust alleine deshalb Ganslers Gemüt erobert. Andererseits, und das ärgert ihn fast noch mehr, ziehen unsägliche Gerüchte durchs Dorf. Manche tönen von 50 000 Euro Mehr-Kosten. Völliger Quatsch. Andere, so kam’s Gansler vor, freuten sich gar über die Komplikationen am Bau. Das Getratsche ging so weit, dass erste Mitglieder der WSV-Führung überlegten, ob sie bei den Wahlen nicht mehr antreten, um endlich diesem Teufelsrad zu entsteigen. „Das lässt mich nicht mehr kalt, das regt mich auf“, klagt der Abteilungsleiter. Anfeindungen hat er im Ort erlebt, auch „schwer verdauliche Aussagen“.

Unvorhergesehene Komplikationen behindern den Bau

Dreimal fragte er in die Runde. Wer hat gewusst, dass der Transport so schlecht funktioniert? Wer hat gewusst, dass der Untergrund so viel Mohr enthält? Wer hat gewusst, dass alte Drainagen von 1962 den Bau behinderten? „Keiner“, antwortete Gansler dreimal direkt selbst. „Wenn wir all das gewusst hätten, hätten wir vieles anders gemacht.“

Rund 55.000 Euro entfallen für den Trainingsplatz auf den WSV

Das Projekt Trainingsplatz sind die WSV-Kicker voriges Jahr angegangen. Nach Hauptfeld und Vereinsheim sollte zuletzt der Übungsplatz modernisiert werden. „Der Verein hält nichts von Stillstand. Wir wollen investieren“, betont Gansler. Sie hätten natürlich flicken können, die größten Schäden beseitigt und ein paar Jahre Ruhe gehabt. Doch die Unterammergauer stimmten für etwas „G’scheites“ und gegen eine „halbe Lösung“. „So bist du auf Jahrzehnte gut aufgestellt“, sagt der Spartenchef. 163 000 Euro kalkulierte man. Der Bayerische Fußballverband (BFV) fördert den Umbau mit 55 Prozent, die Gemeinde übernimmt ein Viertel, womit 55 000 Euro – immer noch eine beträchtliche Summe – auf den WSV entfallen. Sechs Flutlichtmasten bekamen sie kostenfrei von einer Münchner Sportanlage, den Humus, auf dem später der Rasen angesät wird, holten sie aus dem Skistadion in Garmisch-Partenkirchen. Soweit so wunderbar.

Mit Beginn der Arbeiten nahm das Unglück seinen Lauf

Doch mit Beginn der Arbeiten setzte die Pannenserie ein. Corona verhinderte die Vereinspartys, die Geld bringen sollten. Einnahmen brachen weg. Beim Transport der 1000 Kubikmeter Humus beschädigten die großen Lastwagen die schmale Zufahrt, weil die natürlich nicht für Geräte dieser Dimension ausgelegt ist. Bis nachts um 2 Uhr fuhren die Mitglieder die Erde mit Frontladern auf den Platz und besserten selbst die Straßenschäden aus. Der Unterboden enthielt überraschend viel Ton, Lehm und sogar Mohr. Die großen Baumaschinen, etwa eine Raupe, versanken. Den Beton für das Flutlicht-Fundament fuhren sie mit Schubkarren herbei, weil der Mischer nicht zum Platz kam. „Es läuft im Moment einfach nicht“, klagt Gansler.

„Wir können den Dreck ja nicht einfach Grün streichen“

Das Letzte, das diese Abteilung verliert, ist ihr Glaube. Zeit und Geld haben die Unwägbarkeiten gekostet. „Tut weh.“ Eine niedrige fünfstellige Summe, schätzt die Führung. „Wir können den Dreck ja nicht einfach Grün streichen“, entgegnet der Chef. Demnächst wollen sie die neuen Drainagen einziehen. Mit ganz, ganz viel Wetterglück stellen sie den Platz noch in diesem Herbst fertig. Wenn nicht, „dann schaffen wir es nächstes Jahr“, sagt Gansler.

Zur Not wieder mit Handarbeit und Schubkarren. Zuspruch erhielt Gansler von Bürgermeister Robert Stumpfecker: „Hardi, die paar Nerven brauchst du jetzt noch.“

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