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Seit der Gründung ist Josef Sontheim (l.) eng mit dem SV Parsberg verbunden. Er war zehn Jahre lang Zweiter Vorsitzender. Heute leitet Robert Blöchinger als Vorsitzender die Geschicke des Vereins.

50 Jahre SV Parsberg

Für die Turnhalle und das ganze Dorf

  • vonSofia Eham
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50 Jahre SV Parsberg, das hätte der Verein gerne groß gefeiert. Doch coronabedingt geht das nicht. Dafür gibt es umso mehr schöne Erinnerungen.

Parsberg – Ein halbes Jahrhundert ist es her, da kamen ein paar Herren am Stammtisch zu einer Idee, die ein ganzes Dorf verändern sollte. Aus zunächst Pragmatik und Spontanität entstand der SV Parsberg, der kommende Woche sein 50-jähriges Bestehen feiert. Angefangen hat alles mit dem Schulbau inklusive Turnhalle im Dorf – und mit einem gewissen Hans Meier, Bautechniker und Gemeinderatsmitglied. Eine Sportvereinsgründung würde auch die Genehmigung einer größeren Turnhalle bedeuten, war sein Anstoß, der am Stammtisch diskutiert wurde. „Wir machen das jetzt einfach, haben wir uns gedacht“, erzählt Josef Sontheim, der in dieser Runde saß. So war es beschlossen.

Das Vorhaben sprach sich rum – im Wirtshaus und auch im Rest vom Dorf. Am 4. Dezember 1970, zur Gründungsversammlung, bestand die Runde schon aus 49 Gründungsmitgliedern. Alfons Kameter wurde Erster Vorsitzender, Sontheim Zweiter. Mit ihnen bildeten Georg Eirainer und Karl Heim die erste Vorstandschaft, die für zehn Jahre bestehen blieb. „Wir waren mit Leib und Seele dabei“, erzählt Sontheim.

Nach den zehn Jahren hatte sich einiges getan: Der Verein war auf knapp 800 Mitglieder angewachsen. Mit Blick auf heute ist das schon bemerkenswert, schließlich sind es aktuell rund 100 Mitglieder weniger. „Damit sind wir aber immer noch der zweitgrößte Verein im Stadtgebiet Miesbach“, sagt der heutige SV-Vorsitzende Robert Blöchinger. Doch im Vergleich zur Anfangszeit machen sich derzeit zwei größere Herausforderungen bemerkbar: Zum einen finden sich immer weniger Ehrenamtliche, die sich mit großem Engagement einsetzen. Zum anderen gehen gerade im Jugendbereich die Mitgliederzahlen zurück. „Kinder begeistern sich schon noch für Sport – aber es gibt eine so große Auswahl an Sportarten, Vereinen und dazu die große mediale Konkurrenz“, erklärt Blöchinger. Nichtsdestotrotz sieht er in der aktuellen Tendenz eher eine wellenhafte Bewegung, die sich auch durch geburtenstarke beziehungsweise -schwache Generationen begründet.

Blöchinger: Verein reagiert wahnsinnig schnell

Seit 2007 ist Blöchinger Erster Vorsitzender – erst der vierte innerhalb von 50 Jahren. Und so manches hat sich in diesem halben Jahrhundert noch immer nicht geändert. „Der Dorfcharakter beim SV Parsberg ist besonders“, sagt er. „Man kennt sich, man weiß, was selbst im Kleinen passiert.“ Und auch die Spontanität, Dinge in die Tat umzusetzen, ist erhalten geblieben. „Der Verein reagiert wahnsinnig schnell“, erzählt Blöchinger und nennt als Beispiel die Fußball-Damenmannschaft. „Da haben sich ein paar Mädels getroffen und gesagt, sie wollen Fußball Spielen – und wenig später gab es eine vollständige Mannschaft mit ehrenamtlichen Trainern.“ Das und so manche Feste sind die Hauptaspekte, die Blöchinger aus seiner bisherigen Amtszeit besonders im Kopf hat.

Von großen Festen und Veranstaltungen kann auch Sontheim erzählen – und ein wenig ins Schwärmen geraten. Für ihn blieben besonders die früheren Skirennen am Stadlberg in Erinnerung. „Da hat jeder mitgemacht, von Klein bis Groß.“ Dabei und durch unzählige Weinfeste, Faschingsbälle und Sonnwendfeiern schaffte sich der SV schon in den ersten Jahren ein finanzielles Grundgerüst, das Anfang der neunziger Jahre den Bau des Vereinsheims möglich machte.

Nachgefeiert wird nur im kleinen Rahmen

Ein Ereignis unter all den Festen blieb für Sontheim dabei besonders in Erinnerung: Als 1972 die Olympischen Spiele in München stattfanden, bekam auch der SV Parsberg ein paar Kilometer des Fackellaufs zugeteilt. Die nächste Fackel wurde bei der Übergabe angezündet, doch die eigene Fackel behielt man im Dorf – und mit ihr ein Teil vom olympischen Feuer. „Wir haben das olympische Feuer brennen lassen, in einer Art Petroleumlampe festgehalten und ein Fest veranstaltet“, schwelgt Sontheim in Erinnerungen. Für die Kinder gab es eine olympische Fackelwanderung von Bergham nach Parsberg, wo im Anschluss beim unvergesslichen Olympiaball ausgiebig gefeiert wurde.

Ein unvergessliches Fest sollte auch eigentlich in diesem Jahr anlässlich des großen Jubiläums gefeiert werden. Doch einmal mehr macht das Coronavirus einen Strich durch die Rechnung. Geplant war eine große Feier mit rund 300 geladenen Gästen, Programmpunkten von jeder Sparte, Musik und Ausgelassenheit. „Im Frühjahr sollten die Einladungen verschickt werden, aber dann kam der Lockdown und die Planungen wurden hinfällig“, erzählt Blöchinger. Das Fest in dieser Größenordnung im nächsten Jahr nachzuholen, steht für ihn nicht zur Debatte. „Keiner hat große Lust, den 50. Geburtstag zum 51. zu feiern“, erklärt er. Dafür kann er sich ein Fest in kleinerem Rahmen gut vorstellen: „Einfach auf lockere Art und Weise, für alle Mitglieder und ohne großes Drumherum vor sich hinfeiern“, beschreibt Blöchinger. Denn eins ist sicher: Trotz ausgefallener Jubiläumsveranstaltung soll auch in den kommenden 50 Jahren das gesellige Beisammensein beim SV Parsberg auf keinen Fall zu kurz kommen.

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