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„Noch irgendwas bei Bayern machen“: Nicolas Feldhahn über seine Karriere und künftige Pläne

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Beim Derby im Wunschtrikot: Nicolas Feldhahn (r.) – hier im Zweikampf gegen Philipp Steinhart – wollte immer zum FC Bayern München, begann seine Karriere aber beim TSV 1860 München.
Beim Derby im Wunschtrikot: Nicolas Feldhahn (r.) – hier im Zweikampf gegen Philipp Steinhart – wollte immer zum FC Bayern München, begann seine Karriere aber beim TSV 1860 München. Foto: Imago/Sven Simon © Imago/Sven Simon

Nach 40 Spielen in der 2. Bundesliga für die SpVgg Unterhaching und Erzgebirge Aue und 189 Spielen für die Amateure des FC Bayern München hat Nicolas Feldhahn (35) seine Karriere mit dieser Regionalligasaison beendet.

Im Gespräch mit unserer Zeitung erzählt er von emotionalen Erlebnissen beim deutschen Rekordmeister, seinen Plänen nach der Karriere und seinem unliebsamen Wechsel vom SV Warngau zum TSV 1860 München ganz zu Beginn seiner mit vielen Extremen gespickten Karriere.

Herr Feldhahn, Sie wollten in der Jugendzeit beim SV Warngau unbedingt zum FC Bayern München. Wie schmerzhaft war es, dass Sie erst mal nur zum Stadtrivalen TSV 1860 München gekommen sind?

Nicolas Feldhahn: Das war wirklich schmerzhaft. Zwei meiner besten Kumpels wechselten zu den Bayern. Das war mein Verein. Bei Sechzig habe ich mich sogar für das Probetraining krankgemeldet, weil ich nicht hinwollte. (lacht)

Sie haben also genau das Gegenteil von dem gemacht, was Sie in den vergangenen sieben Jahren als erfahrener Spieler und Kapitän der Bayern-Amateure von den jungen Talenten erwarteten?

Nicolas Feldhahn: So ist es. Wo ich es mittlerweile vorlebe, alles für seinen Traum zu machen, auch wenn man nicht so Bock drauf hat, habe ich das damals gemacht. Im Endeffekt bin ich aber trotzdem zu den Löwen, und das war eine sehr gute Entscheidung. Die Zeit dort hat mich wahnsinnig viel gelehrt.

Welche Rolle hatten Sie für die jungen Spieler bei den Bayern?

Nicolas Feldhahn: Das war so eine Mischform. Zum einen als einfacher Mitspieler, der mit ihnen Spiele gewinnen will und um einen Platz in der Startaufstellung kämpft, weil ich am Wochenende spielen will. Zum anderen, dass ich gemeinsam mit Timo und Welzi (Timo Kern und Maximilian Welzmüller; d. Red.) die Regeln vorgebe.

Im letzten Heimspiel gegen Wacker Burghausen wurden Sie kurz vor Schluss unter Standing Ovations der Fans ausgewechselt. Was war das für ein Gefühl?

Nicolas Feldhahn: Ich empfinde unglaubliche Dankbarkeit und fühle mich wahnsinnig geehrt. Ich habe versucht, möglichst viel von dem Moment aufzusaugen und zu genießen. Das war gar nicht so einfach, weil so viel auf einen einprasselt. Da hat die letzte Woche gutgetan, mich daran zu erinnern. Wenn ich die Bilder sehe, kriege ich ein großes Grinsen im Gesicht. Ich bin außerdem dankbar, dass ich die Fußballbühne fit verlassen darf und dadurch bewusst die letzten Male erleben durfte. Und dann war ich zum Glück auch lang genug bei Bayern München, dass das von den Fans und Verantwortlichen anerkannt wird.

Der Sportliche Leiter des Nachwuchsleistungszentrums, Holger Seitz, hat Ihnen einen Legendenstatus bei den Amateuren zugesprochen.

Nicolas Feldhahn: Legendenstatus bei den Amateuren haben Hermann Gerland und Christian Saba. Aber ich habe viel miterlebt und die Amateure für eine gewisse Zeit mitgeprägt. Das ehrt mich sehr. Wir sprechen immer noch vom FC Bayern München. Diesen Klub kennt man auf der ganzen Welt, und ich war als kleiner Bub schon großer Fan. Es ist eine große Ehre, dieses Wappen auf der Brust zu tragen. Es passieren gerade viele Dinge, die mich emotional berühren. Ich werde sehr viel Zeit brauchen, um das alles zu verarbeiten, und freue mich darauf, auf das alles zurückzublicken.

War Ihr größter Erfolg die Meisterschaft in der 3. Liga? Oder der Aufstieg ein Jahr davor? Oder an Ihrem 30. Geburtstag den DFL-Supercup in die Höhe zu recken?

Nicolas Feldhahn: Der emotionalste und größte Höhepunkt der Karriere war der Aufstieg. Wir verlieren das Relegationshinspiel in Wolfsburg und sind daheim schnell 0:1 hinten. Dann vor den Fans, der Familie und Freunden noch mal so zurückzukommen, ist das emotionale Highlight. Dass wir als zweite Mannschaft in der 3. Liga Meister wurden, war für uns Spieler auch sensationell. Der Supercup ist wie alle Geschichten, die ich mit den Profis erleben durfte, für mich persönlich auch ein absolutes Highlight. Aber auch im Trainingslager in Amerika gegen Inter Mailand oder in der Allianz Arena gegen Manchester City zu spielen, eine Champions-League-Viertelfinalreise nach Madrid mitmachen zu dürfen, erlebt nicht jeder. Das alles wird mir keiner mehr nehmen. Weil ich als Fußballer viel mitgewirkt habe, ist der Aufstieg das Highlight.

Ist das Äquivalent dazu dann der Abstieg aus der 3. Liga?

Nicolas Feldhahn: Das ist wirklich ein sehr großer Tiefpunkt. Meine Karriere hat gleich mit zwei Abstiegen begonnen (mit Unterhaching und Aue; d.Red.). Das ist ein Scheiß-Moment, aber als junger Spieler, der noch nicht so viel Verantwortung hat, fühlt sich das ein bisschen anders an. Der Abstieg aus der 3. Liga war dann schon sehr bitter und tat extrem weh. Ohne die Tiefpunkte wären vermutlich die Höhepunkte nicht so emotional geworden. Hätte ich 30 Jahre einfach so im Mittelfeld dahingedröselt, wären es nette Saisons gewesen. So waren es häufig irgendwelche Extreme, die sind definitiv erinnerungswürdiger.

Sie haben kürzlich Ihr erstes Jura-Staatsexamen geschrieben. Wie geht es jetzt weiter?

Nicolas Feldhahn: Die Betonung liegt auf „geschrieben“. Die Ergebnisse bekomme ich Ende Juni. Dann stellt sich raus, ob ich noch mal lernen muss oder ab Oktober ins Referendariat gehen kann. Ich würde aber gerne parallel noch irgendwas bei Bayern machen. Ob es im juristischen Bereich ist oder mehr Fußballbezug hat, wird man sehen. Mein Leben war vom Fußball geprägt, und mein Tagesablauf davon bestimmt. Jetzt habe ich nicht mehr diesen strikten täglichen Plan. Ich habe ein bisschen Respekt davor, aber auch sehr viel Freude, in ein neues Leben zu starten.

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