+
Zufrieden mit dem Baufortschritt  des Kunstrasens ist SV Miesbachs Vorsitzender Stefan Griesbeck. Auf die Asphaltschicht wird in den nächsten Tagen der Flor aufgebracht. Als Granulat verwenden die Miesbacher Kork statt Mikroplastik.     

„Wir haben innerhalb von drei Tagen die Entscheidung getroffen“

SV Miesbach baut Kunstrasen ohne Mikroplastik

  • schließen

Der SV Miesbach hat auf die aktuelle Diskussion um Mikroplastik auf Kunstrasenplätzen reagiert: Der Verein setzt jetzt auf eine umweltfreundliche Lösung.

Miesbach – Die Diskussion um Mikroplastik auf Kunstrasenplätzen ist nicht neu. Zuletzt kochte sie jedoch wieder hoch (wir berichteten im überregionalen Teil). Nun hat der SV Miesbach, der gerade für 580 000 Euro auf dem Platz des früheren FC Miesbach einen Kunstrasenplatz baut, reagiert: Statt Mikroplastik wird Kork verwendet.

Miesbachs Vorsitzender Michael Griesbeck hat stressige Wochen hinter sich. Nicht, weil es Probleme auf der Baustelle gäbe. Im Gegenteil: Der Platz ist eingefasst, die Teerschicht aufgebracht, alles läuft nach Plan. „Es fehlt nur noch der Flor“, sagt Griesbeck. Doch vor rund dreieinhalb Wochen kam der Schock: Dem SV wurde ein Schreiben des Deutschen Städtetags zugespielt, das besagt, dass die EU-Kommission bereits ab 2022 Mikroplastik auf Kunstrasenplätzen verbieten will. Dieses Material hätte auch auf den Platz Am Windfeld verwendet werden sollen.

Die Verunsicherung im Umfeld des SV Miesbach war groß

Zunächst war die Verunsicherung groß. „Diese ganze Diskussion ist hysterisch“, sagt Griesbeck genervt. Einige im Vereinsumfeld hätten diese zudem falsch verstanden und seien davon ausgegangen, dass Kunstrasenplätze komplett verboten werden sollen. „Das ist Quatsch“, sagt Griesbeck. „Es geht nur um das Granulat.“ Und selbst da ruderte das Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik nun zurück. Forscher waren Anfang April in einer Studie zu dem Ergebnis gekommen, dass diese Art von Sportplätzen die drittgrößte Quelle für Mikroplastik in Deutschland sein sollen. Mittlerweile räumte das Institut jedoch ein, dass sich die Studie nicht auf konkrete Daten, sondern auf Schätzungen beziehe. „Es ist mir völlig unverständlich, wie man so dilettantisch mit Informationen umgehen kann“, ärgert sich Griesbeck.

EU-Verbot von Mikroplastik auf Kunstrasenplätzen droht

Nichtsdestotrotz ist ein EU-Verbot nicht auszuschließen. Der Deutsche Olympische Sportbund sprach sich bereits für eine Übergangsfrist von sechs Jahren aus. „Dann hätten wir spätestens in sechs Jahren alles neu machen müssen“, sagt Griesbeck. Die Kosten für einen Austausch würden bei rund 100 000 Euro liegen. Was tun? „Wir haben uns sofort mit dem Hersteller in Verbindung gesetzt“, berichtet der Vorsitzende. Denn das Plastik-Granulat war bereits bestellt. Die Firma konnte den Auftrag im letzten Moment stoppen und hatte prompt eine Alternative parat: Kork. „Wir haben innerhalb von drei Tagen die Entscheidung getroffen“, sagt Griesbeck. Nach eingehender Recherche fiel das Votum für die umweltfreundliche Alternative. „Wir sind auf Nummer sicher gegangen. Und warum soll man nicht was bauen, was ökologisch sinnvoll ist?“

Zwei Millimeter großes Korkgranulat wird aufgebracht

Nun wird also etwa zwei Millimeter großes Korkgranulat auf den Flor aufgebracht. „Das ist sogar ein paar 1000 Euro billiger“, sagt Griesbeck. „Der Flor ist zwar etwas teurer, weil er dichter ist. Aber das ist nicht Welt.“ Der einzig minimale Nachteil sei, dass Kork bei einem Sturzregen leichter vom Platz geschwemmt werden könne. Einem normalen Platzregen halte er aber stand.

Lesen Sie auch: So lief das Benefizspiel des SV Miesbach gegen die SpVgg Unterhaching

In der Qualität gebe es keinen Unterschied, im Gegenteil: „Kunststoff federt mehr“, erklärt Miesbachs Vorsitzender. „Dadurch werden die Muskeln stärker belastet, was zu mehr Muskelkater führen kann.“ Bei Kork sei zudem das Ballprellverhalten mindestens genauso gut. „Mainz 05 hat seit Jahren diesen Platz“, sagt Griesbeck. Der Hamburger SV lässt diesen gerade bauen. „Was für einen Bundesligisten gut genug ist, wird auch für uns reichen“, sagt der Vorsitzende und lacht. „So gesehen war die ganze Diskussion vielleicht nicht schlecht.“

jpa

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Spiel eins nach dem Sturm: FC Real Kreuth empfängt mit neuem Trainer TuS Holzkirchen II
Das erste Spiel mit neuem Trainer steht für den FC Real Kreuth in der Fußball Kreisliga 1 an. Zum Derby kommt der TuS Holzkirchen.
Spiel eins nach dem Sturm: FC Real Kreuth empfängt mit neuem Trainer TuS Holzkirchen II
Schafft der TuS Holzkirchen die Trendwende? - SE Freising zu Gast
Der TuS Holzkirchen empfängt in der Fußball Landesliga Südost den SE Freising. Zurück im Kader sind Toni Bauer und Lars Doppler.
Schafft der TuS Holzkirchen die Trendwende? - SE Freising zu Gast
Nedeljko Tomic: "Musste aufpassen, dass ich nicht weine"
Der FC Real Kreuth und sein Trainer Nedo Tomic haben sich trotz drei Siegen in Folge und Rang sechs einvernehmlich getrennt. Im Interview spricht der 42-Jährige über das …
Nedeljko Tomic: "Musste aufpassen, dass ich nicht weine"
Sieg Nummer fünf für SG Hausham
Die SG Hausham arbeitet sich in die Spitzengruppe der Kreisklasse 2 vor: Auch bei den FF Geretsried gab es am Mittwochabend einen Sieg.
Sieg Nummer fünf für SG Hausham

Kommentare