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Da geht’s lang: Hans-Werner Grünwald verlässt den TSV Weyarn nach mehr als 30 Jahren und trainiert künftig den den SV Miesbach. Mit den Kreisstädtern will er in der Kreisliga vorne dabei sein.

Anekdote mit Lothar Matthäus

Grünwald über Miesbach-Wechsel: Vorne dabei sein

  • VonHans-Peter Koller
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Nach 32 Jahren verlässt Hans-Werner Grünwald den TSV Weyarn und trainiert künftig den SV Miesbach. Ein Rückblick auf eine bewegte Karriere.

Weyarn/Miesbach – Der Druck im Kessel stieg permanent an. Aber bevor es unweigerlich zur Explosion kam, wurde das Behältnis vom Feuer genommen. Gerade noch rechtzeitig vor dem großen Knall. So kann die Gemütslage von Hans-Werner Grünwald beschrieben werden. Zerrt doch die Zeit ohne Fußball immer mehr an den Nerven des Weyarners. Zum Glück ist jetzt ein Ende in Sicht. Und das an neuer Wirkungsstätte. Hat sich doch der 57-Jährige nach 32 Jahren als Spieler und Trainer seines Stammvereins TSV Weyarn entschlossen, den SV Miesbach zu trainieren (wir berichteten).

„Der Fußball hat in meinem Leben schon immer eine entscheidende Rolle gespielt“, blickt Grünwald zurück, „eine Viertelstunde nach Schulende war ich auf dem Platz. Spätestens.“ Bildungsstätte und Kickerwiese waren im Klosterdorf ja auch nicht wirklich weit voneinander entfernt. So nahm es auch nicht wunder, dass der noch nicht einmal Neunjährige schon an Punktspielen teilnahm. Allerdings nicht in der F-Jugend, die es damals noch gar nicht gab, sondern in der C-Jugend an der Seite von 14-Jährigen. Als er selbst dann in diesem Alter war, hatte sich Grünwald bereits als Tormaschine entpuppt. Mehr als 100 Treffer in einer Saison sprachen sich herum.

So erschienen auch Sichter des FC Bayern München in der Klostergemeinde – und der Bub und seine Eltern waren sich schnell handelseins. Er wechselte in die Landeshauptstadt und kickte fortan vier Jahre für die Münchner Bayern im Nachwuchs. Offensichtlich mit Erfolg, denn Grünwald erhielt einen Vertrag für das Amateur-Team. 1984 erfolgte der absolute Karrieresprung. Der 20-Jährige aus dem beschaulichen Weyarn unterschrieb einen Profivertrag beim Rekordmeister. Zeitgleich mit einem gewissen Franken namens Lothar Matthäus.

Aber die Luft in der Bundesliga war enorm dünn. Abgesehen von einer Einwechselung im Pokal der Pokalsieger gegen den norwegischen Klub Moss FK blieb es beim Bankdrücken. Zufrieden war Grünwald damit nicht. Er wollte schließlich spielen. Darum wechselte er zum TSV 1860 München. Hier war er absoluter Stammspieler und schoss auch zwölf Tore in 24 Begegnungen. Aber die Löwen rüsteten auf und Grünwald drohte erneut die Bank. Darum schloss er sich dem österreichischen Erstligisten VfB Mödling an. Die Euphorie aber hielt sich in Grenzen. Wer schon das Trikot der Bayern oder der Sechziger trug, wird schwerlich anderswo glücklich.

„Just for fun“ in Weyarn - 32 Jahre lang

Und so entschloss sich der erst 26-Jährige das Kapitel Profifußball zuzuklappen und nur noch in seiner Heimatgemeinde „just for fun“ aktiv zu sein. Grünwald wurde Spielertrainer in Weyarn und das für den sensationellen Zeitraum von 24 Jahren. Seine Frau Petra wusch Trikots und half im Vereinsheim mit und er machte die Anlage in Weyarn zu seiner zweiten Heimat. Erst als die Operation der zweiten Hüfte unumgänglich war, ließ er aktiv von der Lederkugel ab. Nur mit den Senioren 50 des FC Bayern, mit denen er auch 2014 und 2017 die Deutsche Meisterschaft gewann, machte Grünwald noch kleine Ausnahmen.

Wer so massiv mit dem Fußball verbunden ist, hält sich gerne im Kreis von Gleichgesinnten auf. Und so war der Weyarner auch auf dem Platz in Miesbach zu sehen. Schließlich hatten einige aus dem Klosterdorf, wie Andi Pelzer und Michael Feicht, mit ihm in einem Team gespielt. „Der Feicht Michi hat mich angesprochen. Vorher hatte ich keinen Gedanken, mich zu verändern“, erklärt Grünwald, „aber irgendwie war echt die Zeit für eine Veränderung gekommen.“ Nach 32 Jahren auch verständlich. Er teilte seine Gedanken im Weyarner Fußball-Lager und stieß auf Verständnis. „Wir sind dankbar für die Zeit mit ihm und drücken ihm für seine neue Aufgabe die Daumen“, fasst Weyarns Vize-Spartenleiter Florian Butzenberger zusammen.

Nun also scharrt nicht nur Grünwald mit den Hufen. Die Zeit, dass endlich wieder der Ball im Training und ab August dann im Punktspielbetrieb läuft, ist überfällig. Die Planung ist zumindest in vollem Gange (siehe Text unten). Der neue Miesbacher Trainer hat auch schon klare Vorstellungen: „Der Kader gibt es her, vorne dabei zu sein. Aber für das Ziel eines Mittelfeldplatzes wäre ich auch der Falsche gewesen.“

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