"Kein Aufbäumen, kein Garnichts"

Miesbach - Wie einfach es ist, die Abwehr des FC Miesbach zu knacken, zeigte die FT Starnberg. Drei Kopfballtore gelangen den Gästen bis zur Pause. Doch bei der 2:4-Pleite des FC aber war wesentlich mehr an Negativem geboten.

von hans-peter koller

"Da müssen wir doch was unternehmen gegen den Mann, um die anderen Vereine zu schützen", so Starnbergs Trainer Andi Brunner zu Holger Fritz. Sein Kollege vom FC Miesbach aber hörte den Ausführungen über den Schiedsrichter nur mit einem Ohr zu und gab keine Antwort. Er war offensichtlich noch mit der Fehleranalyse beschäftigt. "Wenn eine Mannschaft mit Libero spielt, musst du versuchen, die eigenen Stürmer mit Flanken der Außen zu versorgen", erklärte Brunner seine Taktik. Und gegen die zweitschwächste Abwehr der Liga ging dieses Konzept voll auf. Bereits in der vierten Minute schlug Luigi Martonara einen Pass vom Seiten-Aus in den Strafraum, und der freistehende Karl-Heinz Lappe traf zum 1:0. Beim 2:0 (20.) ließ sich der vorherige Flankengeber per Freistoßvorlage bedienen. Und auch am 3:1 (37.) war Martonara beteiligt. Seine Vorlage über 30 Meter nutzte Lappe zu einem weiteren Kopfballtreffer. Sein Gegenspieler stand hier vor und nicht hinter ihm. "Alle drei Tore wären von einer stabilen Defensive zu verhindern gewesen", meinte Fritz auf dem Weg in die Kabine. Zumindest bei zwei der drei Starnberger Treffer waren die schuldigen Miesbacher mit Berni Gegenfurtner und Christian Gumberger eindeutig zu identifizieren. Sie hatten dem Schützen viel zu viel Freiraum gelassen.

So löchrig die Abwehr des FC Miesbach war, die offensive war einigermaßen effektiv im Herausarbeiten von Chancen. Beim ersten Angriff des Nachmittags bediente Sebastian Dietze, der in der Pause gelbrot-gefährdet in der Umkleide blieb, Christian Haimerl. Der Torjäger hatte nur noch den Keeper vor sich, schoss ihn aber an (2.). Das 1:2 (33.) war schön gemacht, aber in der Entstehung ein Zufallsprodukt. Andreas Kirchberger setzte einen indirekten Freistoß in die Mauer, und Dietze verwertete den Rückpraller mit einer Volleyabnahme ins Kreuzeck. "In dieser Mannschaft ist zu wenig Feuer. Es fehlt das Mitreißen, das gegenseitige Anstacheln", urteilte der Miesbacher Ex-Trainer Rupp Haimerl in der Pause.

Kurz nach Wiederanpfiff schien sich das Blatt zu wenden. Haimerl wurde im Strafraum unsanft vom Ball getrennt, der Schiri deutete auf den Elferpunkt - eine vertretbare Entscheidung. Siegi Heiß versuchte sich, traf aber nur den Pfosten (49.). Gegen die nun defensiver agierenden Gäste dauerte es bis zur 71. Minute, ehe der FC zur nächsten Chance kam. Thomas Breiherr flankte diagonal Richtung Toraus-Linie, Heiß legte an die Fünfermarkierung zurück, aber Kirchberger vergab freistehend. Als nur noch 15 Minuten zu spielen waren, rüstete sich Ioannis Gitopoulos vom FC Daxa München für seine große Show. Zuerst zeigte der Schiedsrichter Stefano Monachetti die Rote Karte (75.) nach einem Laufduell am Flügel. "Ein ganz normales Foul. Mehr nicht", so der FC-Manndecker. Gelbwürdig allemal, muss man hinzufügen. Er hatte seitlich nach dem Ball gegrätscht, kam zu spät, war allerdings nicht der letzte Mann. Die zweite Rote Karte war für Leo Greiter. "Ja, ich habe ,Grattler' zum Torschützen gesagt", so Greiter nach dem 1:4: "Der hat mir mit gestrecktem Bein in den Oberschenkel geschlagen." Ein dick geschwollener Muskel untermauerte seine Aussage - dem Schützen Absicht zu unterstellen, würde aber wohl zu weit führen. Da Fritz das Wechselkontingent erschöpft hatte, stülpte sich Heiß die Torwart-Handschuhe des FC-Keepers über. Mit der dritten Roten Karte sorgte Gitopoulos für Gelächter. Mehmet Bastug bedrängte hier Michael Feicht völlig normal im Strafraum. Den Elfmeter - diesmal eine abenteuerliche Entscheidung - verwandelte Haimerl.

"Wir waren einfach nicht da. Kein Aufbäumen, keine Schuldzuweisung nach einem dicken Patzer, der zum Tor führt, kein Garnichts", so Fritz nach dem Schlusspfiff.

FC Miesbach - FT Starnberg 2:4 Torfolge: 0:1 (4.) Karl-Heinz Lappe, 0:2 (20.) Luigi Martonara, 1:2 (33.) Sebastian Dietze, 1:3 (37.) Karl-Heinz Lappe, 1:4 (82.) Ludwig Lenz, 2:4 (87.) Christian Haimerl (Foulelfmeter).

Rote Karten: Stefano Monachetti (FC MB / 75., Grobes Foulspiel), Leo Greiter (FC MB / 82., Unsportlichkeit), Mehmet Bastug (FT STA / 87., Grobes Foulspiel).

FC Miesbach: Greiter, Dietze (46. Monachetti), Breiherr, Heiß, Nowotny (73. Rosenberger), Gegenfurtner (65. Oberlechner), Feicht, Vogt, Haimerl, Kirchberger, Gumberger.

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