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Läuft selbst viel und gern: Barbara Stich.

Leichtathletik

Stich: Cross-Läufe im Visier

Die Bahn-Saison hat Trainerin Barbara Stich von der SG Hausham bereits abgehakt. Sie hofft nun auf einige Gelände und Cross-Läufe.

Hausham – Barbara Stich von der SG Hausham steht der Leichtathletik-Saison skeptisch gegenüber. Obwohl alle Athleten wieder fit zurückgekommen sind, „werden Wettkämpfe insbesondere auf der Bahn für uns bis auf Weiteres ausfallen“, bestätigte die erfahrene Trainerin. Sie spekuliert nun auf eine späte Herbstsaison im Gelände und Cross mit einigen Trail- oder kleineren Waldläufen. „Dort werden wir sicher das ein oder andere Ereignis ins Auge fassen und hoffen, dass etwas angeboten wird.“ Doch ganz ohne Bahntraining geht es nicht – das hat sie längst festgestellt. „Man kann zwar viel improvisieren, aber letztendlich bietet die Bahn eine ehrliche Länge und Zeit.“

Corona hat zweifelsohne auch die Leichtathletik unter Kontrolle. So waren die Läufer auf den ersten Blick in der schwersten Phase die eigentlichen Sieger – Stichwort Trainingsmöglichkeiten. Das erste gemeinsame Training der Haushamer Läufer vor einigen Wochen war der Höhepunkt für die gesamte Gruppe, „obwohl wir wegen der Beschränkungen nicht alle an dem gleichen Tag trainieren konnten“. Bemerkenswert sei der Teamgeist untereinander, „aber sich dem direkten Fight Mann gegen Mann zu stellen, ist momentan etwas abhandengekommen und fehlt in letzter Konsequenz“, urteilt Stich.

Hohe Auflagen für Veranstaltungen

Auf den zweiten Blick hat es die Läufer trotz der Lockerungen mit am schwersten erwischt. Denn Wettkämpfe über 800 Meter sind in der Stadion-Saison nun verboten. Ebenso wird auf allen Distanzen bis 800 Meter streng in Bahnen gelaufen, wobei jeweils eine Bahn zwischen den Läufern frei bleiben muss. Die Hygiene-Konzepte sind nicht nur anspruchsvoll für die Athleten, sondern auch für jeden Veranstalter.

Ursprünglich normale Sportfeste sind deshalb so gut wie komplett abgesagt, ebenso wie zahlreiche Meisterschaften. Die kleinen Veranstalter, die sich der Herausforderung stellen, müssen sich neben strengen Vorgaben und städtischen Genehmigungen auch noch mit limitierten Teilnehmerzahlen, genauen Zeitplänen und Einteilungen herumschlagen. Kurzum Dinge, wie sonst nur bei großen Veranstaltungen greifen. So scheint es fast, als sei eine streng geführte Deutsche Meisterschaft einfacher zu organisieren als ein kleines Sportfest.

Stich sieht das kritisch: „Es geht gar nicht um die Form der Wettkämpfe“, die in ihren Augen indiskutabel sind, „sondern um das Drumherum. Es wird halt was gemacht, dass was geboten wird.“ Zudem entfielen auch alle Vorbereitungswettkämpfe, und als Einstieg wäre eine Meisterschaft aus ihrer Sicht etwas zu viel. „In meinen Augen ist das alles relativ sinnfrei“, kritisiert die Miesbacherin das Geschehen. „Am allerbesten wäre es, einen Schlussstrich unter alle Veranstaltungen in diesem Jahr zu ziehen und auf das nächste Jahr zu hoffen.“

„Trainingspläne“ unterschiedlich umgesetzt

Trotz der Umstände gab es nie eine echte Corona-Trainingspause: Ihre mit ins Trainer-Team einbezogene Tochter Anna-Lena und ihr Mann Walter hatten relativ schnell beschlossen, die LGO-Nachwuchsathleten „am Laufen zu halten“. Kurz nach der Ausgangsbeschränkung hatte sie jede Woche einen Trainingsvorschlag per Mail an die Athletinnen geschickt.

„Ich habe bewusst auf das Wort Trainingsplan verzichtet, um einen gewissen Freiraum für jeden zu schaffen“, verrät Stich. Die U14- bis U16-Athletinnen waren dabei sehr genau, wobei die U18- bis U20-Läuferinnen die Sache etwas freier nahmen. „Aber alles in allem waren alle sehr gewissenhaft“, weiß die erfahrene Läuferin, denn alle in der Gruppe sind Läufer und Sportler aus Leidenschaft – da stünde nicht unbedingt ein Wettkampf im Vordergrund. „Sie haben Spaß an der Bewegung und am Team, und das ist mir sehr wichtig.“

Dass kein Bahn-Wettkampf stattfindet, ist deshalb auch nicht so schlimm: Verabredungen und gemeinsame Unternehmungen sind im gesamten Team keine Seltenheit. „Die gehören alle irgendwie richtig zusammen“, freut sich die Trainerin.

Ludwig Stuffer

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