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„Funino ist für jeden Verein sinnvoll“: Mini-Fußball-Beauftragte plädiert für konsequente Umsetzung

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Von: Patrick Staar

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Beauftragte für Mini-Fußball: Yvonne Frischmuth, hier beim Merkur CUP-Kreisfinale in Königsdorf.
Beauftragte für Mini-Fußball: Yvonne Frischmuth, hier beim Merkur CUP-Kreisfinale in Königsdorf. Foto: pr/Archiv © pr/Archiv

Mini-Fußball reformiert den Nachwuchsfußball. Yvonne Frischmuth ist die Mini-Fußball-Beauftragte im Kreis Zugspitze. Im Interview wirbt sie für die Reform und geht auf Kritik am neuen System ein.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Mini-Fußball ist für die Vereine im Landkreis Neuland. Bei der Einführung helfen soll Yvonne Frischmuth, die vom Verband zur Mini-Fußball-Beauftragten im Kreis Zugspitze ernannt wurde. Im Interview spricht die Jugendleiterin des SV Warngau darüber, was sie sich von der Änderung erwartet – und warum sie dieses Amt übernommen hat.

Was erhofft sich der Bayerische Fußballverband von der Einführung von Mini-Fußball?

Man hofft, dass alle Kinder zum Spielen kommen, und das ist ja auch so. Wenn man eine große F-Jugend mit 20 Kindern hat, wird mit Drei-gegen-Drei, Vier-gegen-Vier oder Fünf-gegen-Fünf gespielt. Da treten vier Teams gegen vier andere Teams an. Das geht im normalen Leben nicht. Wenn ich im normalen Leben ein F-Jugend-Spiel habe, dann spielen sieben Leute und ein paar Auswechsler. Bei Funino braucht auch nicht jede Mannschaft einen Trainer. Das ist ein Vorteil, denn die Zahl der Ehrenamtlichen geht zurück.

Aber ganz ohne Aufsichtsperson wird es schwierig...

Ganz ohne Aufsichtsperson geht es natürlich nicht. Ein, zwei Leute sollten schon dabei sein. Da kann man auch Elternteile dafür hernehmen. Momentan sind meist schon noch Trainer dabei, die Hilfestellung und Sicherheit geben. Einfach weil die Kinder momentan noch zweigleisig Fußball lernen. Auf der einen Seite mit Torwart, Ecke und Tor – und auf der anderen Seite Funino. Wenn die Kinder nicht mehr anderes spielen als Funino, dann wissen sie, was zu machen ist. Da kann man dann locker drei, vier Teams parallel spielen lassen, ohne dass jemand direkt daneben steht.

Herkömmliches Fußballspiel gibt es dann gar nicht mehr?

Nur noch bei Freundschaftsspielen oder Freundschaftsturnieren – aber nicht mehr von Verbandsseite.

Ist dieser radikale Umbruch aus Ihrer Sicht sinnvoll? Die Akzeptanz wäre vermutlich höher, wenn es sowohl Funino-Turniere als auch „normale“ Fußballspiele gäbe...

Parallel – so wie es jetzt läuft – ist es nicht gut, weil es immer Vereine gibt, die sich gegen Funino sträuben. Wenn man sagt, man zieht es durch, dann muss man es durchziehen. Funino ist für jeden Verein sinnvoll, weil jedes Kind zum Spielen kommt. Als Jugendleiter bringt es mir nichts, wenn drei Kinder mit dem Fußballspielen aufhören, weil sie immer nur trainieren, aber nicht spielen dürfen, weil sie zu langsam sind. Bei einem kleinen Dorfverein wie dem SV Warngau ist es eine Katastrophe, wie wenige Jugendliche in der A- und B-Jugend noch übrig sind. Da muss man von Spieltag zu Spieltag schauen, dass man überhaupt noch eine Mannschaft zusammenbringt. Durch Funino will man erreichen, dass die Kinder dabei bleiben und weiter Spaß am Fußball haben. Und in der D-Jugend hat man dann eine richtig gute Mannschaft.

Viele rätseln, ob auch im älteren E-Jugend-Jahrgang zukünftig nur noch Funino gespielt wird?

Ich gehe davon aus, dass es in der E-Jugend weiter „normalen“ Fußball geben wird. Zumindest im älteren Jahrgang. Sonst wäre der Übergang zur D-Jugend enorm krass. Plötzlich gibt es Abseits, der Rückpass ist nicht mehr erlaubt – das ist nicht umsetzbar.

Viele Vereine fürchten den hohen organisatorischen Aufwand bei einem Minifußball-Festival...

Das ist doch ein Schmarrn. Bei einem normalen F-Jugend-Spiel hat man auch einen gewissen organisatorischen Aufwand. Ich muss ein Kleinfeld herrichten, ich muss die Tore und Eckfahnen aufstellen, und, und, und. Mehr Aufwand hat man bei Mini-Fußball auch nicht. Ich brauche ein großes Spielfeld, und da baue ich acht Minifelder auf. Jeder Verein bringt seine eigenen Tore mit. Mit diesen Toren und ein paar Hütchen baue ich acht Spielfelder auf. Es ist keine Pflicht, dass die Vereine Essen und Getränke anbieten. Es gibt den Vereinen nur die Möglichkeit, dass Geld in die Jugendkasse kommt. Die Vereine, die auf den Verkauf verzichten, müssen es halt vorher kommunizieren.

Viele befürchten, dass die Torhüter-Ausbildung auf der Strecke bleibt, wenn ohne Torhüter gespielt wird.

Es spricht ja nichts dagegen, dass sich ein talentierter junger Bursche im Training die Bälle im normalen Tor um die Ohren hauen lässt. Die Mehrheit hat gesagt, dass man in der F-Jugend überhaupt noch nicht sagen kann, wer mal im Tor stehen wird. Dem muss ich widersprechen. Für meine Tochter war es schon in der F-Jugend klar, dass sie im Tor stehen will. Sie trainiert jetzt auch die F-Jugend, und da gibt’s auch keine Diskussionen, die haben einen festen Torwart. Wir bieten ein Torwart-Training an, aber das haben viele Vereine nicht. Es wird immer ein Für und Wider geben. Es reicht, wenn die Mehrheit sagt: „Gar nicht so schlecht, was wir da machen.“

Warum haben Sie sich bereit erklärt, dieses Amt zu übernehmen?

(lacht) Weil Kreis-Jugendleiter Walter Huppmann das so wollte, und ich habe zugesagt. Da meine Tochter die F-Jugend trainiert, habe ich Einblick ins wahre Leben. Und es ist händelbar, weil ich damit nicht so viel Arbeit habe. Die Spielgruppen-Leiter müssen mehr tun als ich. In meiner kurzen Amtszeit habe ich bisher tatsächlich nur positive Erfahrungen gemacht.

Bissige Kommentare mussten Sie sich also noch nicht anhören?

Nein, dafür bin ich vielleicht noch zu unbekannt. Wenn bissige Kommentare kommen, weiß ich damit umzugehen. Im Laufe der Jahre habe ich mir ein dickes Fell angeeignet. Wenn solche Kommentare kommen, muss man sie ernst nehmen. Und versuchen, die Leute davon zu überzeugen, dass der Kommentar vielleicht zu bissig war. Jemand kann ja gerne sagen, dass er persönlich Mini-Fußball für einen Scheiß hält. Aber wenn die Kinder Freude und Laune haben, ist uns allen geholfen. (pr)

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