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Mehr Aktionen am Ball verspricht Funino im Jugendfußball bis zur E-Jugend. Unser Foto zeigt eine Szene aus der Vorrunde des Merkur CUP 2019 aus dem Spiel TSV Irschenberg (in Blau) und den Sportfreunden Fischbachau. 

Neues Spiel ohne Torwart

Revolutionäres Spielmodell im Jugendbereich weiterhin umstritten

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Während im Nachwuchsfußball die Saison langsam zu Ende geht, sortieren sich Verband und Vereine bereits für das Spieljahr 2019/20. Bei den Kleinsten soll es große Neuerungen bringen.

Mit den zum 1. Juli in Kraft tretenden Richtlinien zum „Mini-Fußball“ des Bayerischen Fußball-Verbands (BFV) werden damit bis zu den jüngeren E-Junioren-Jahrgängen erstmals neben dem aktuellen Kleinfeld-Kick mit sechs Feldspielern plus Torwart auch Funino-Spielformen möglich sein. Das heißt, die Vereine können mit den Jüngsten ein alternatives Spielsystem wählen.

In der klassischen Variante sind drei Kinder auf dem Feld – aber kein Torwart. Es wird regelmäßig rotiert. Spielfreude und Spielwitz sollen so gefördert und ein umfangreiches Reformpaket angestoßen werden. Die Vereine reagieren unterschiedlich. „Wir spielen es nicht“, sagt Willi Halletz vom FC Hausham 07. Erst müsse man die Basics lernen: Schusstechnik, Ball stoppen und so. Er sieht Funino als Bereicherung im Trainingsbetrieb, möchte es aber nicht als alternativlose Wettbewerbsform wissen, wie es zunächst im Raum stand.

Das sei nun vom Tisch, erklärt Andi Schmidpeter. Der Kleinfeld-Jugendleiter der Zugspitz-Gruppe Ost gibt Entwarnung. Anfang Juni sei vom BFV kommuniziert worden, dass Funino nicht verpflichtend gespielt, sondern zweigleisig gefahren werde. Konkret bedeutet dies, dass der Ligabetrieb wie gewohnt weiter läuft. Wer möchte, könne beides spielen. Ob das viele sein werden ist zu bezweifeln. Schmidpeter bekam von den Vereinen bisher eher skeptisches Feedback.

„Für mich kommen dabei zu wenig Spieler zum Einsatz“, befürchtet Weyarns Jugendleiter Michael Hub, der Funino als geeignete Trainingsform sieht und es sich sogar als Turnierformat vorstellen kann – aber es sei nicht geeignet, um eine Meisterschaft zu spielen. Daher sei es gut, dass die Klubs frei entscheiden können. Ähnlich sieht es sein Otterfinger Kollege Markus Stutz.

Überzeugter indes ist Hans Schweiberer, der beim TuS Holzkirchen aktuell kommissarisch den Nachwuchs unter seinen Fittichen hat. „Wir gehen das auf jeden Fall mit“, sagt er aus Überzeugung, weil er darin die Möglichkeit für „viel Spielzeit und viele Spielkontakte“ sieht. Nach reiflicher Überlegung sei der Verein überzeugt, dass das „revolutionäre Spielmodell“ gepaart mit dem Knowhow der Münchner Fußballschule MFS die optimale Lösung für ein optimales Fundament im Jugendbereich ist.

„Die Kinder erhalten durch die geringe Feldspieleranzahl mehr Aktionen am Ball. Die Spielform fördert das technische Lösen von Spielsituationen. Hohe und weite Bälle gehören der Vergangenheit an“, erklärt Martynas Sugzda, den Schweiberer als „unseren wichtigsten Funino-Mann“ bezeichnet, weil er an der Haidstraße für die U9 und den Fußballkindergarten verantwortlich zeichnet. Sugzda indes ist überzeugt davon, dass Funino die Spielintelligenz deutlich fördere und sich langfristig auszahle.

Was den Holzkirchnern als sinnvoll erscheint, erlebt Christian Schneidt seit Jahren. „Wir haben nur gute Erfahrungen gemacht“, sagt der Jugendtrainer der SG Hausham, die seit 2015 Kinder ab fünf Jahre zum „Trainieren wie Messi & Co“ einlädt. Seitdem werden jeden Mittwochnachmittag auf der Zentralen Sportanlage die kleinen Tore, die an Pop-Up-Zelte erinnern, aufgestellt und mit Begeisterung gekickt. Die Idee brachten sie aus Italien ins Schlierachtal. „Damals haben wir die Tore noch in England bestellt, weil es hier keine gab“, erinnert sich Schneidt und erzählt von einem Spanier, der zu dieser Zeit in der Ersten Mannschaft spielte. Funino kannte er von daheim, wo es schon lange gang und gäbe war – nicht nur bei Spitzenklubs wie dem FC Barcelona.

Die große Bestätigung erhielt die SG Hausham aber in ihren Kindern, die von Anfang an für das Spiel brannten. Einmal die Woche gibt es klassische Technikübungen, einmal wird Funino gespielt, was die Eltern von Anfang an gerne mit getragen hätten. Erst recht, als sie die Resultate sahen.

„Wir sehen, wie die Kinder wesentlich schneller gute Ballbehandlung lernen, wie sie im Spiel spüren, wie sie zum Ball stehen oder den Raum aufteilen müssen“, sagt Schneidt. Gerade etwas schwächere Kicker würden so sichtbare Fortschritte machen. Auch körperlich unterlegene Spieler profitierten sehr vom Drei-gegen-drei, das sie auch regelmäßig als Vier-gegen-vier oder Fünf-gegen-fünf spielen. Allerdings bisher nur auf Vereinsebene wegen der bisher sehr weiten Anreise zu anderen Klubs, die Funino schon praktizieren. Das könnte sich nun ändern.

Was ist Funino? 

Das Wort setzt sich aus dem englischen fun (Spaß) und dem spanischen niño (Kind) zusammen. Vor 30 Jahren vom Trainer-Ausbilder Horst Wein entwickelt, setzt die Spielform im Kinderbereich auf kleine Teams, die auf einem etwa 20 Meter mal 25 Meter großen Feld auf vier kleine Tore ohne Torhüter kicken. So passen bis zu acht Funino-Felder auf einen klassischen Platz. Ein rotierendes Wechselsystem soll den Kindern – unabhängig von ihrer aktuellen Spielstärke – gleichmäßig viel Spielzeit ermöglichen. Wie in der Fair-Play-Liga wird ohne Schiedsrichter gespielt. Am 21. Juni hatte das Präsidium des Deutschen Fußballverbands (DFB) das Thema auf seiner Agenda. Noch kommuniziert dieser nicht, was aus den Bestrebungen wurde, bundesweit MiniFußball zu spielen.

Heidi Siefert

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