Wiedersehen in der neuen Saison? Laut Spielordnung müsste der SC Wörnsmühl (in Blau) derzeit aus der Kreisklasse absteigen, die SG Hausham würde bleiben. Die Stimmen, die sich bei einem Abbruch gegen Absteiger am grünen Tisch aussprechen, werden nach einem offenen Brief mehr.
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Wiedersehen in der neuen Saison? Laut Spielordnung müsste der SC Wörnsmühl (in Blau) derzeit aus der Kreisklasse absteigen, die SG Hausham würde bleiben. Die Stimmen, die sich bei einem Abbruch gegen Absteiger am grünen Tisch aussprechen, werden nach einem offenen Brief mehr. 

Entscheidung über Auf- und Absteiger steht an

Terminkalender und Winter als Problem für Erweiterung der Ligen?

  • vonRedaktion Miesbach
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Seit Dienstag ist klar: Die bayerischen Klubs sollen über einen Abbruch der Saison abstimmen können. In diesem Fall möchte der Bayerische Fußball-Verband (BFV) die Abschlusstabellen per Quotienten-Regelung ermitteln (siehe unten).

Landkreis – Mit diesem Vorgehen sollen, Stand jetzt, auch die Auf- und Absteiger festgelegt werden. Gegen Absteiger am grünen Tisch haben sich kürzlich mehr als 50 Vereine aus dem ganzen Freistaat in einem offenen Brief an den BFV ausgesprochen (wir berichteten). Die Heimatzeitung hat Stimmen aus dem Landkreis gesammelt.

TuS Holzkirchen

„Ich verstehe Vereine, die jetzt auf einem Abstiegsplatz landen würden und sich deswegen gegen Absteiger am grünen Tisch aussprechen“, sagt Torsten Spittler. Der Trainer des TuS Holzkirchen findet, dass diesen Klubs so die Möglichkeit genommen wird, den Abstieg in den noch offenen Partien zu vermeiden. „Dass es aber dann nur Aufsteiger geben soll, wäre aus meiner Sicht keine glückliche Lösung“, betont er. Die fairste Lösung aus Spittlers Sicht wäre es, so zu tun, „als hätte diese Spielzeit nie stattgefunden“. Quasi eine Annullierung samt Neustart, sobald es möglich ist.

Der TuS-Trainer versteht auch, dass sich gut platzierte Teams über diese Regelung ärgern würden, „aber eine bessere Lösung für alle fällt mir spontan nicht ein“. Wenn es nur Aufsteiger geben würde, bedeutet das größere Ligen, was Spittler aufgrund der winterlichen Platzverhältnisse im Oberland als problematisch erachtet: „Es käme einfach zu noch mehr Absagen und Terminverschiebungen.“

TSV Otterfing

„Grundsätzlich soll Fußball am grünen Rasen und nicht am grünen Tisch entschieden werden“, meint auch Dominik Urban, der Spartenleiter des TSV Otterfing. „Und egal, welche Entscheidung heraus kommt, werden nie alle damit zufrieden sein.“ Dass die Nordring-Elf unabhängig von der gewählten Marschroute dicht vor Titel und Aufstieg in die Bezirksliga steht, ist für ihn zweitrangig. Vielmehr ist es Urban wichtig, linientreu mit den Vorgaben der Funktionäre zu sein. „Es sitzen echt vernünftige Leute in den Entscheidungsgremien. Und schlussendlich steht keinem Kritik zu.“ Der Chefanweiser aus dem Landkreis-Norden hat für die Unzufriedenen vielmehr einen Ratschlag: Wer sich mit Entscheidungen am grünen Tisch nicht solidarisch zeigen kann, soll sich selbst in ein Amt wählen lassen, um so künftig die Geschicke mitzulenken.

Grundsätzlich hat die geplante Vorgehensweise für Urban aber schon einen faden Beigeschmack. Nicht die Tatsache, dass Absteiger per Quotienten-Regelung gefunden werden, sondern überhaupt, dass Funktionäre darüber entscheiden, ob es Absteiger gibt oder nicht, „aber wenn halt kein sportlicher Weg möglich ist, müssen die Würfel eben anderweitig fallen“. Urban auf jeden Fall würde jedes Prozedere mitgehen, das von Personen bestimmt wurde, die sich in ein Amt wählen ließen und hier zum Wohl des Sports ihre Zeit investieren.

FC Real Kreuth

Tobias Schnitzenbaumer ist bekannt für seine klaren Worte. Insbesondere dann, wenn es einen Saison-Abbruch betrifft. „Ich finde einfach, dass es keinen Absteiger geben sollte“, betont der Co-Trainer des FC Real Kreuth. „Es ist schlichtweg nicht fair.“ Er macht das am Beispiel von Kreuths Zweiter Mannschaft fest: „Uns würde das direkt betreffen, weil wir bislang gegen viele Teams aus dem oberen Tabellendrittel gespielt haben“, führt er aus. „Uns fehlen damit die wichtigen Partien gegen Mannschaft, die unten stehen.“ Zudem habe der BFV stets erklärt, keine Entscheidungen am grünen Tisch herbeizuführen. Das wäre dann natürlich nicht der Fall.

Sollte es keine sportlichen Absteiger geben, würde das automatisch größere Ligen bedeuten. „Für mich ist es ein großer Reiz, gegen viele verschiedene Gegner zu spielen. Daher bin ich auch nicht so begeistert vom Pilotprojekt im Kreis Zugspitze (wir berichteten)“, stellt er klar. „Ich finde es interessanter, auch gegen Ohlstadt oder Murnau zu spielen als – einfach gesprochen – fünfmal pro Saison gegen Miesbach.“

SC Wörnsmühl

Direkt vom Saisonabbruch betroffen wäre der SC Wörnsmühl. Die Mannschaft des neuen Trainers Klaus Wörndl (wir berichteten) würde als Tabellenletzter des Kreisklasse absteigen. „Bei uns könnte vielleicht der Verdacht entstehen, dass wir nur auf unseren Vorteil bedacht sind, aber das stimmt nicht“, betont der Zweite Vorsitzende Martin Kreuzmayr deshalb. „Uns geht es um die Sache und die Fairness, und diese ist bei einem Abbruch und der Wertung mit der Koeffizienten-Regelung einfach nicht gegeben.“ Deshalb unterstützt der SC den offenen Brief und ist klar gegen Absteiger.

Das hat auch historische Gründe, erklärt der Zweite Vorsitzende. „Es gab schon Jahre, da hatten wir zur Winterpause fast gar keine Punkte und haben dann nach einem gemeinsamen Trainingslager in Kroatien zehn Spiele in Folge gewonnen.“ Das bestätigte sich auch in der aktuellen Spielzeit. Sechs der insgesamt zwölf Punkte holte Wörnsmühl in den wenigen Spielen im Herbst. „Und mit einer 15er-Liga hätte sicher auch niemand ein Problem, gerade im Hinblick auf das Pilotprojekt“, meint Kreuzmayr.

SV Bayrischzell

Beim SV Bayrischzell kann man relativ gelassen auf die Entscheidungen der Politik und des BFV blicken. Als designierter Aufsteiger aus der A-Klasse 3 ist der Gang in die nächsthöhere Spielklasse bei einem Saisonabbruch über die Quotienten-Regelung gesichert. Und auch, hätte die Saison doch fortgesetzt werden können, wäre der Vorsprung von sechs Zählern auf den Tabellenzweiten TSV Schliersee zu verteidigen gewesen. Dass das geklappt hätte, davon ist Bayrischzells Trainer Sebastian „Wacco“ Schmid überzeugt: „Sportlich gesehen würden wir natürlich gerne weiterspielen und nicht am grünen Tisch aufsteigen.“

Dass es auch bei einem Abbruch der Spielzeit Aufsteiger gibt, findet Schmid richtig. Von möglichen Absteigern aufgrund der Quotientenregel hält er allerdings wenig. „Ich finde das ungerecht. Mannschaften, die auf dem Rasen den Klassenerhalt noch schaffen können, wird diese Chance genommen.“ Um diese Ungerechtigkeit aus dem Weg zu schaffen, würde er größere Ligen in der kommenden Saison in Kauf nehmen.  

(hsp, ko, meh, ts, emi)

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