+
Eine klare Vorstellung hat Otterfings Trainer Mike Probst vom Fußball, den seine Mannschaft spielen soll, und vom Geschäft im Allgemeinen. 

Otterfings Trainer über Trainerwechsel trotz Vertrag

Probst: „Das ist nicht anrüchig“

  • vonHans-Peter Koller
    schließen

Trainer sind die neue heiße Ware im Fußball, sogar Millionen-Ablösen werden gezahlt. Für Mike Probst vom TSV Otterfing ist das völlig in Ordnung.

Otterfing – Mike Probst hat sich seit Jahrzehnten dem Fußball verschieben. Zuerst als Spieler bis hin zum Profibereich mit dem FC Bayern München und dann als Trainer. Sowohl im hochklassigen Amateurbereich wie auch in der Kreisliga. Aktuell beim TSV Otterfing mit Blick auf die Bezirksliga. Somit sind die Ausführungen des 59-Jährigen zu den Diskussionen um Trainerwechsel und
-ablösen ein belebender Blick auf die Bühne und hinter die Kulissen des Profifußballs.

Herr Probst, wie nehmen sie die öffentlichen Aussagen von Trainern wahr, die bekunden, bei einem Verein bleiben zu wollen und einige Wochen später einen Wechsel zu einem anderen Klub nicht ausschließen?

Hier schlagen zweifelsfrei zwei Herzen in meiner Brust. Vor allem was das Profigeschäft betrifft. Die Grundlage für beide Parteien ist ein Vertrag. So sind beide Seiten abgesichert, und zwar bis zu einem exakt festgeschriebenen Zeitpunkt, dem Vertragsende. Rückblickend war es doch in den meisten Fällen so, dass Trainer entlassen wurden. Ob nicht erfüllte Erwartungshaltung, Reibereien mit der Vereinsführung oder die Hoffnung, dass ein anderer Besen besser kehrt, waren nicht von Belang. Somit ist es nicht zu kritisieren, wenn auch ein Trainer das Heft in die Hand nimmt und von sich aus eine Vertragsauflösung fordert.

Aber Vertrag ist doch Vertrag?

Hier gibt die Begrifflichkeit die Antwort. Vertrag kommt von vertragen. Und wenn sich die Vertragspartner so uneins sind, dass eine Fortführung der Vereinbarung den Zweck gefährdet, ist die vorzeitige Auflösung der beste Weg. Für beide Seiten. Speziell im Arbeitsrecht ist es doch gang und gäbe, Verträge aufzulösen.

Ist die Tatsache, dass sich Trainer von sich aus verabschieden wollen, eine Momentaufnahme oder einem Trend geschuldet?

Fußball ist seit jeher ein Spiegelbild der Gesellschaft. Und es ist mehr und mehr erkennbar, dass die Ellbogen ausgefahren werden, um sein Ziel zu erreichen. Speziell im Profibereich stehen Existenzen auf dem Spiel. Die Vertragspartner wissen beide, was zu Papier gebracht ist, und entsprechend überlegen sie sehr wohl, was eine Vertragsauflösung für finanzielle Folgen hat. Sieben- oder gar achtstellige Beträge müssen mit der Etatplanung ebenso zu stemmen sein wie das entgangene Trainergehalt.

Apropos Millionen. Ist es nicht übertrieben, dass zwischenzeitlich auch für Trainer horrende Summen gezahlt oder geboten werden?

Da ist es wie in der freien Marktwirtschaft: Das Angebot regelt die Nachfrage. Wer ein massives Interesse hat, etwas sein Eigen zu nennen, muss tiefer in die Tasche greifen als die Konkurrenz. Und ohne aus dem Nähkästchen zu plaudern, sehe ich es als legitim, wenn der Verkäufer versucht, den bestmöglichen Preis zu erzielen. Das soll heißen, dass Fußballtrainer, noch dazu wenn sie bereits einen international renommierten Namen haben, sehr wohl für sich in Anspruch nehmen können, ihre Haut teuer anzubieten. Auch wenn es sich um 20 Millionen handelt, die derzeit für den FC Bayern München im Feuer liegen, wenn sie Julian Nagelsmann von RB Leipzig loseisen wollen. Auch der Bundestrainer hat einen Vertrag, der weit über seinen Rücktritt nach der Europameisterschaft 2021 geht. Und wenn es sich Borussia Dortmund leisten kann, einen Lucien Favre abzusägen oder der FC Schalke 04 den X-ten Trainer unter Vertrag nimmt, dann ist das nicht mit der Portokasse zu erledigen.

Aber sollte nicht zumindest noch im Amateurbereich der Handschlag oder das gesprochene Wort als Messlatte der Moral gelten?

Ein Vertrag hat Gültigkeit, auch wenn er per Handschlag geschlossen wurde. Doch auch im Amateurbereich treten Umstände auf, die die Vertragspartner dazu veranlassen, das Vereinbarte außer Kraft zu setzen. Ob auf Papier fixiert, mündlich oder durch Handschlag ist zweitrangig. Und aus dem Vertrag auszusteigen hat nichts mit Moral oder Anständigkeit zu tun. Wenn einer der Beteiligten der Meinung ist, das Engagement, und selbst wenn vorzeitig oder kurzfristig, zu beenden, dann ist das nicht anrüchig. Ich kam auch zum TSV Otterfing, da mein Vorgänger nach einer starken Saison die Vereinserwartungen nicht erfüllt hat.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare