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„Die Verabschiedung war sehr emotional“: Benedict Gulielmo vom TuS Holzkirchen sagt Servus

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Den größten Erfolg feierten Gulielmo (M.) und Franz Huber mit dem TuS Holzkirchen 2017 mit dem Aufstieg in die Bayernliga.
Den größten Erfolg feierten Gulielmo (M.) und Franz Huber mit dem TuS Holzkirchen 2017 mit dem Aufstieg in die Bayernliga. © Margit Kopp

Nach 25 Jahren im Verein, zwölf davon als Spieler der Herrenmannschaft, verlässt Benedict Gulielmo den TuS Holzkirchen. Im großen Abschiedsinterview blickt er zurück - und voraus auf seine Aufgabe als Spielertrainer beim TSV Otterfing.

Holzkirchen – 25 Jahre war er ununterbrochen im selben Verein aktiv, spielte zwölf Jahre bei den Herren und erzielte in 278 Partien 70 Tore: Was Benedict Gulielmo als Fußballer beim TuS Holzkirchen erreicht hat, schaffen heute nur noch die Wenigsten. Über ein Jahrzehnt war der 29-Jährige die Schaltzentrale auf dem Fußballplatz der Haidstraße – nun hat er sich dazu entschieden, seine Trainerkarriere als Spielertrainer beim Nachbarverein TSV Otterfing zu starten. Ein Gespräch über die Zeit beim TuS und die Erwartungen an die neue Aufgabe.

Herr Gulielmo, ganz direkt: Wie stehen Sie dazu, als Spieler immer im gleichen Verein gespielt zu haben? Macht Sie das stolz oder bereuen Sie, es nicht woanders versucht zu haben?

Ich muss ganz klar sagen, dass es zwölf super schöne Jahre im Herrenbereich in Holzkirchen waren. Nach der A-Jugend konnte ich glücklicherweise sofort bei den Herren Fuß fassen und in den Jahren den einen oder anderen Aufstieg – zum Beispiel in die Landesliga oder die Bayernliga – feiern. Zu Aufstiegen gehören natürlich auch Abstiege, aber alles in allem bin ich meinem Heimatverein unendlich dankbar.

Gab es Angebote aus höheren Ligen?

Angebote gab es durchaus, beispielsweise mal aus der Bayernliga. Aber dieses Thema kam für mich nie wirklich infrage, weil ich mich in Holzkirchen einfach immer heimisch gefühlt habe und ein Wechsel auch nie wirklich gepasst hat. Dementsprechend wollte ich dem Verein treu bleiben, was mir bis jetzt auch ganz gut gelungen ist. (lacht)

Das kann man wohl sagen. 2010 haben Sie Ihr Debüt im Herrenbereich unter Trainer Norbert Eder gegeben. Wie ist Ihre Erinnerung an diese Spielzeit? Immerhin haben Sie neun Treffer erzielt.

Ich weiß, dass ich ziemlich schnell in die Mannschaft integriert war. Aber der Moment dieser Aufstiegssaison (Meister der Bezirksliga Süd, d. Red.) an den ich mich immer wieder erinnere, war unser 7:0-Sieg am vorletzten Spieltag gegen Garmisch. Da habe ich drei Tore gemacht und drei Treffer vorbereitet, das bleibt im Gedächtnis.

Was auch im Gedächtnis bleibt, ist, dass Sie schon immer der auserkorene und beste Elfmeterschütze beim TuS waren. Wie kamen Sie zu dieser Rolle?

Ich habe schon in der Jugend immer die Elfmeter geschossen und es hat sich auch in verschiedenen Trainingsspielchen gezeigt, dass mir das recht gut gelingt. Folglich bin ich auch bei den Herren mal zum Punkt gegangen. Das erste Mal – das weiß ich noch wie heute – war das 1:0 gegen Aubing, die zu diesem Zeitpunkt auf dem zweiten Platz hinter uns waren. Natürlich waren auch ein oder zwei nicht so gute Elfer dabei, aber der Rückhalt des Teams ist mir geblieben. (lacht)

In der Saison 2016/17 gelang der sensationelle Aufstieg in die Bayernliga. Der sportliche Höhepunkt?

Auf jeden Fall, diese Saison war der absolute Wahnsinn. Wir haben beim Abschlussfest noch mal darüber geredet, damals hat einfach alles gepasst: Wir hatten viele Spieler, die Oberlandler waren und sich voll identifiziert haben mit dem Verein, wir haben viele Mannschaftsausflüge unternommen, hatten erstmals eigene Trikots mit Namen darauf und vieles mehr. Dann hatten wir natürlich das nötige Glück mit wenigen Verletzungen, und auch Siege in engen Spielen.

Eine große Rolle dürfte auch Trainer Gedi Sugzda gespielt haben…

Absolut. Ich bin mit Gedi immer super ausgekommen und wir haben auch jetzt noch hin und wieder Kontakt, beispielsweise nach Bekanntgabe meines Wechsels – er war auf jeden Fall ein super Trainer.

Ist für Sie auch das Geschehen abseits des Platzes und die Teamchemie ein Erfolgsgeheimnis?

Es ist wichtig, dass es innerhalb der Mannschaft passt, wobei es auch mal krachen darf, ohne dass es Beleidigte gibt. Solange jeder mitzieht, kommt der Erfolg von alleine, und Spieler merken sehr schnell, wenn jemand nicht mitzieht.

Sie schneiden es selbst ein wenig an: In den Folgejahren wirkte das Miteinander nicht mehr so gebündelt. Wie würden Sie diese Phase beschreibe?

Diese Zeit war für den Verein enorm bitter. Wir hatten eigentlich für die neue Saison schon einen Trainer, der kurzfristig abgesprungen ist und man die Lösung mit Basti Pummer gefunden hat. Basti war eben neu in dieser Rolle, ohne Erfahrung und wurde ins kalte Wasser geworfen – dass das so in die Hose geht, konnte keiner erahnen. Zudem habe ich mich auch schwerer verletzt und insgesamt ist alles etwas auseinandergebrochen.

Gab es noch weitere Gründe?

Schwierig war auch, dass viele wichtige Spieler gegangen und viele neue gekommen sind, die sich erst finden mussten. Es gab durchaus Unruhen im Team, da sich einige Spieler aus München nicht so integriert haben, dann ging es mit den Trainerwechseln los und alles hat sich bis zum Abstieg wie ein roter Faden durchgezogen. Der Vorstandschaft mache ich aber keine Vorwürfe, sie haben alles versucht und solche Phasen gehören eben auch dazu.

Wadlbeißer: Die Folge mit TuS-Verteidiger Alexander Zetterer.

Umso schöner war dafür Ihre letzte Saison unter Trainer Joe Albersinger, der offensichtlich alle motivieren konnte. Wie schwer fiel der Abschied?

Das alles hat sich erst vor wenigen Wochen ergeben, sodass ich es dem Verein gleich mitgeteilt habe. Das war eine richtig schwere Entscheidung, die ich der Mannschaft vor dem Spiel gegen Karlsfeld mitgeteilt habe. Noch schwieriger war der Moment der Verabschiedung unmittelbar vor Anpfiff des letzten Heimspiels, da ich mit den Jungs echt super ausgekommen bin. Der Moment, als es offiziell war und Holzkirchen bald Geschichte sein würde, war sehr hart und emotional.

Grund zur Freude hatten der Benedict Gulielmo (r.) und seine Mitspieler beim TuS Holzkirchen in der vergangenen Saison zuhauf. Erinnerungen, auf die das Eigengewächs gerne zurückblickt.
Grund zur Freude hatten der Benedict Gulielmo (r.) und seine Mitspieler beim TuS Holzkirchen in der vergangenen Saison zuhauf. Erinnerungen, auf die das Eigengewächs gerne zurückblickt. © Thomas Plettenberg

Nun gilt Ihr Fokus dem TSV Otterfing – als Spielertrainer. Wie kam das zustande?

Mit Otterfing bin ich schon mehrere Jahre in Kontakt gewesen. Als klar war, dass Mike Probst dort als Trainer nicht weiter macht, kam der TSV auf mich zu und hat mich gefragt, ob ich mir das zutrauen würde – das hat mich gefreut und ich habe begonnen zu überlegen.

Lassen Sie uns an dem Prozess teilhaben.

Ich wusste immer, dass ich als Trainer arbeiten will. Dann dachte ich mir: Warum soll ich diese Chance nicht ergreifen, die mir den Einstieg ermöglicht. Danach haben wir uns ein paar Mal zusammengesetzt und haben ein – wie ich finde – gutes Konzept erarbeitet. Danach habe ich auf mein Bauchgefühl gehört und schweren Herzens entschieden, meinen Heimatverein für diese Gelegenheit zu verlassen. Der Reiz und die Motivation, Chefcoach zu werden und die Komfortzone Holzkirchen zu verlassen, sind einfach größer.

Wie lautet das Konzept?

Da ich ja auch spielen soll und will, werden neben Flo Bacher, der als Co-Trainer an der Seitenlinie stehen wird, immer noch ein, zwei andere in der Coaching-Zone unterstützen. Dementsprechend muss ich mich an der eigenen Nase packen und Leistung bringen. Darüber hinaus haben wir klar kommuniziert, dass der Grundsatz gilt: Wer keine Leistung bringt, spielt auch nicht und da gibt es keine Ausnahmen. Das Ganze soll keine Spezlwirtschaft werden und das ist mir auch enorm wichtig.

Wadlbeißer: Alle Folgen des Lokalsport-Podcasts in der Übersicht.

Können Sie sich eine Rückkehr als Trainer nach Holzkirchen vorstellen?

Soweit will ich noch nicht nach vorne schauen, aber man soll ja niemals nie sagen und warum sollte ich das ausschließen. (lacht) Aber jetzt will ich mich total auf meine neue Aufgabe konzentrieren.

Abschließend eine Frage abseits des Fußballs: Wie gerne haben Sie Reporterfragen beantwortet und gab es Momente, in denen Sie innerlich explodiert sind?

Das ist eine sehr interessante Frage. Ganz ehrlich: Mir hat es immer Spaß gemacht, nach dem Spiel parat zu stehen und meinen Kommentar abzugeben. Natürlich war es schöner, wenn man gewonnen hat, aber auch sonst kann ich dahingehend überhaupt nichts Negatives berichten. Ich möchte ein großes Lob an Euer Team aussprechen und ich habe eigentlich nie etwas gelesen, was ich so nicht gesagt hätte. (lacht)

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