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TuS-Torwarttrainer Kurt Kowarz über Köpke, Zeisel und warum Neuer immer noch weltbester Keeper ist

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Von: Sebastian Schuch

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Seit der Saison 2021/22 trainiert Kurt Kowarz die Torhüter des Landesligisten TuS Holzkirchen.
Seit der Saison 2021/22 trainiert Kurt Kowarz die Torhüter des Landesligisten TuS Holzkirchen. © Steffen Gerber

Welche Gemeinsamkeiten gibt es zwischen Benedikt Zeisel, dem Torhüter der Landesliga-Fußballer des TuS Holzkirchen, und Nationaltorhüter Manuel Neuer vom FC Bayern München?

Beide sind in ihrem Verein die absolute Nummer eins – und beide wurden beziehungsweise werden von Kurt Kowarz trainiert. Der Torwarttrainer der Holzkirchner trainierte sowohl Neuer als auch Marc-André ter Stegen in den deutschen U-Nationalmannschaften und blickt im Interview neben seinen Aufgaben in Holzkirchen auch auf die klare Rollenverteilung im Tor der deutschen Nationalmannschaft.

Herr Kowarz, wie hat es Sie bei Ihrer Vita zum TuS Holzkirchen verschlagen?

Ich habe eine freundschaftliche Verbindung zu Joe Albersinger. Wir kennen uns seit über zwölf Jahren, ich war damals Trainer beim TSV Rain, er bei der U21 des FC Ingolstadt. Da haben wir teilweise gegeneinander gespielt. Er hat mich dann gefragt, ob ich Interesse hätte, die Torhüter in Holzkirchen zu trainieren. Ich habe gesagt, ich schaue mir das mal an, ob es auch für die Torhüter passt.

Und es passt offensichtlich.

Es passt sehr gut. Ich bin im Verein sehr gut aufgenommen worden, und mit den Torhütern ist es ein sehr gutes Arbeiten. Es ist teilweise fast freundschaftlich zwischen Trainer und Spielern. Insbesondere mit Benedikt Zeisel. Er ist wirklich ein Vorzeigetorwart, für diese Liga unglaublich gut. Er könnte problemlos ein, zwei Klassen höher spielen.

Wie schätzen Sie das Torwartspiel in der Landesliga generell ein – auch im Vergleich zu Ihrer Zeit?

Es ist ein richtig gutes Niveau. Erlbach, der Aufsteiger in der vergangenen Saison, hat auch einen richtig guten Torwart gehabt. Er hat das verkörpert, was momentan gefordert wird: Auf der einen Seite gut als Torwart zu agieren und auf der anderen Seite auch gut mitzuspielen. Das findet man in dieser Liga nicht unbedingt häufig. Aber er und der Zeisi verkörpern das richtig gut.

Wie sehr können Sie beim Training heute noch auf Ihr gemeinsames Lehrvideo mit Andreas Köpke von 1994 zurückgreifen?

Was das reine Torwartspiel angeht, kann ich fast zu 100 Prozent darauf zurückgreifen. Am Toreverhindern hat sich ja wenig verändert. Sicherlich habe ich mein Repertoire über die Jahre erweitert. Aber ich habe noch viele Übungen, die ich heute noch anwende. Dass das noch zeitgemäß ist, sieht man daran, dass Andi Köpke bis vergangenes Jahr noch als Torwarttrainer gearbeitet hat. Ich kenne sein Training, auch mit Manuel Neuer.

Wie kam es, dass Sie als Aktive das Video aufgenommen haben?

Als wir zusammen waren, gab es noch keinen Torwarttrainer. Wir haben uns teilweise gegenseitig trainiert. Und selbst, wenn mal ein Co-Trainer dazu kam, haben wir gesagt, was wir haben wollen. Über die Schiene haben wir die gleiche Philosophie entwickelt und haben sie so an die anderen Torhüter weitergegeben.

Der Name Manuel Neuer ist bereits gefallen. Man sagt, er hätte das Torwartspiel revolutioniert. Sehen Sie das genauso?

Ja. Ich habe 2009 mit ihm bei der U21-Nationalmannschaft zusammengearbeitet. Deswegen kenne ich ihn sehr gut. Ich habe ihm damals schon gesagt, was er für eine Karriere hinlegen wird. Dass er da hinkommen wird, wo er heute ist, Welttorhüter sein wird und ihm sämtliche Türen offenstehen. Er ist als Torwart schon überragend, seine Dynamik ist unfassbar. Dann kommt seine körperliche Präsenz hinzu und natürlich seine spielerischen Fähigkeiten. Er ist der perfekte Torhüter und könnte trotzdem problemlos in der zweiten Liga im Feld spielen. Und, was noch viel höher zu bewerten ist: Er ist noch ein viel großartiger Mensch, als er Fußballer ist.

Während Ihrer gemeinsamen Zeit spielte er noch auf Schalke.

Er hatte damals das Angebot von Bayern und hatte gefragt, ob er das annehmen soll. Da habe ich ihm geraten, er soll zu Fuß nach München gehen. Er wird Deutscher Meister werden, Pokalsiege einfahren und die Champions League gewinnen. Und er wird über einen sehr kurzen Zeitraum hinweg im Tor der Nationalmannschaft stehen und nicht mehr wegzudenken sein. So ist es auch gekommen.

Mit Marc-André ter Stegen haben Sie auch zusammengearbeitet.

Auch ein sehr guter Torwart, insbesondere von der Torwarttechnik überragend. Von der Spieleröffnung auch sehr gut, aber einen Ticken schwächer als Manuel.

Worin sehen Sie den entscheidenden Unterschied zwischen Neuer und ter Stegen?

Manuel Neuer ist der zuverlässigere Torhüter. Man kann sich auf ihn zu nahezu 100 Prozent verlassen. Marc-André ter Stegen ist da ein bisschen anfälliger.

Also ist es gerechtfertigt, dass Neuer quasi direkt aus einer Verletzung kommt und gleich die Nummer eins ist?

Manuel Neuer ist immer der bessere Torwart, sofern er schmerzfrei spielen kann. Ich würde ihm immer jedem anderen Torhüter vorziehen.

Die deutsche Torwart-Diskussion hätten andere Nationen sicher gerne.

Im Notfall haben wir ter Stegen und einen momentan überragend spielenden Kevin Trapp. Wenn wir auf jeder Position so stark besetzt wären, würden wir mit 100-prozentiger Sicherheit Weltmeister werden.

Während Ihrer Zeit mit Andreas Köpke hing der als Nummer zwei hinter Bodo Illgner fest.

Andreas hat beim 1. FC Nürnberg fantastische Leistungen gebracht – und Bodo Illgner war in dieser Phase vielleicht nicht ganz so stark. Er hat einen WM-Titel mitgebracht und einen gewissen Stellenwert gehabt. Andreas wusste das genau einzuordnen, und er wusste, wenn er lange genug arbeitet, sich irgendwann die Chance bieten wird. Er hat über Arbeit und über Leistung versucht, ins Tor der Nationalmannschaft zu kommen.

Wie haben Sie ihn unterstützt?

Ich habe immer alles gegeben und Andreas so zu Höchstleistungen angespornt. Ich war immer loyal zu ihm. Wir haben uns vor dem Spiel zusammengesetzt und besprochen: Wie ist der Gegner eingestellt, wo schießen sie die Elfmeter hin. Wir haben uns im Prinzip damals schon so vorbereitet, wie es heute durch die modernen Medien möglich ist.

Das ist in der Landesliga sicher schwieriger.

Ich bin relativ selten dabei, weil ich beim DFB als Scout tätig bin. Ich schaue mir am Wochenende jeweils die U15- bis U21-Spieler zwischen Nürnberg und München an. Deshalb ist es für mich schwieriger. Aber der Zeisi kennt sich ja komplett aus. Er erlebt quasi das, was Andreas Köpke und ich damals erlebt haben.

Zur Person: Das ist Kurt Kowarz

Kurt Kowarz wurde 1958 im hessischen Steinau an der Straße geboren und begann bei der ortsansässigen SG Germania Ulmbach mit dem Fußballspielen. Über die SG Bad Soden führte ihn sein Weg zum VfR Bürstadt, mit dem er in die 2. Bundesliga aufstieg. In dieser Spielklasse stand er in den folgenden Jahren auch für Viktoria Aschaffenburg und Rot-Weiß Oberhausen auf dem Platz und kam auf über 150 Einsätze.

Nachdem Rot-Weiß die Lizenz entzogen wurde, kam Kowarz über ein Gesuch des 1. FC Nürnberg im Kicker zu den Franken, wo er von 1988 bis 1994 als Nummer zwei hinter Andreas Köpke elfmal in der Bundesliga spielte. Im Anschluss heuerte er als Spielertrainer beim FV Steinau an, mit dem ihm bis 1998 dreimal der Aufstieg bis in die Oberliga Hessen gelang. Nach seiner aktiven Karriere war Kowarz unter anderem Torwarttrainer bei Arminia Bielefeld, FC Augsburg und 1860 München. Außerdem betreute er die Nationaltorhüter der deutschen U18 bis U21 sowie für ein halbes Jahr die der Philippinen. Dabei arbeitete der 64-Jährige mit vielen bekannten Trainern zusammen, etwa Hermann Gerland, Armin Veh, Horst Hrubesch, Friedhelm Funkel, Ernst Middendorp und Benno Möhlmann.

Seit der Saison 2021/22 ist Kowarz Torwarttrainer des TuS Holzkirchen. Hauptsächlich arbeitet er als Talentscout für den DFB. Zu seinen größten erfolgen zählt der Europameistertitel mit der U19-Nationalmannschaft 2008 und insbesondere den U21-EM-Titel 2009 in Schweden. Zum Team gehörten Manuel Neuer, Jerôme Boateng, Benedikt Höwedes, Mats Hummels, Sami Khedira, Mesut Özil und Sandro Wagner.

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