Auch immer Amateurbereich könnten die Unparteiischen künftig unterstützt werden.
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Auch immer Amateurbereich könnten die Unparteiischen künftig unterstützt werden.

Stimmen aus Miesbach zum Videobeweis bei den Amateuren

VAR „light“: „Für tiefere Ligen ist das Schwachsinn

  • vonRedaktion Miesbach
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Die Vereine aus dem Landkreis Miesbach wurden zum Thema VAR „light“ befragt. Die Reaktionen fielen skeptisch bis ablehnend aus.

Landkreis Miesbach – Der Fußball-Weltverband Fifa plant, – oder hat zumindest die Idee – den Videobeweis für alle einzuführen. Die Fifa-Arbeitsgruppe Innovation befasste sich in ihrer jüngsten Sitzung mit dieser Möglichkeit. Ein Schwerpunkt sei gewesen, eine Art Light-Konzept zu entwickeln, das erschwinglich sein soll und „auf allen Stufen des Fußballs eingesetzt werden“ könnte, heißt es auf der Internetseite des Weltverbandes. „Die Arbeitsgruppe ermittelte variable Kostenfaktoren und besprach mögliche Qualitätseinbußen sowie die Mindestanforderungen für eine solche Technologie.“ 

Dabei legten die verschiedenen Verbände bereits erste Ergebnisse eines Offlinetests vor, heißt es weiter. Die Heimatzeitung hat sich in der Region umgehört, wie die Klubs zu einer möglichen Einführung stehen.

TuS Holzkirchen

Benedikt Zeisel war immer schon bekannt dafür, sein Herz auf der Zunge zu tragen. Dementsprechend ehrlich und direkt vertritt er seinen Standpunkt zum Video-Assistant-Referee (VAR). „Bringen würde der VAR in unserer Liga und in den Ligen darunter bestimmt sogar noch mehr als in der Bundesliga“, erklärt der Torhüter des TuS Holzkirchen. „Die Leistungen der Unparteiischen sind ja bei uns oftmals – gelinde gesagt – ausbaufähig.“

 Sich solch eine Technik aber bei den Landesligisten an der Haidstraße vorzustellen, dürfte vielen Fans ziemlich schwerfallen. So geht es auch dem 29-Jährigen: „Ich denke nicht, dass es bei uns in irgendeiner Weise finanziell und auch technisch umsetzbar wäre.“ Manch einer mag beim Gedanken der Fifa, den VAR in allen Ligen zu installieren, im Bezug auf die Holzkirchner denken, dass Flutlicht am Hauptplatz oder eine Alternative zum arg buckeligen Rasenplatz priorisiert werden müssten. Spontan fällt Zeisel ein anderes Problem ein, das höher einzustufen wäre als der VAR: „Eine Saison sollte, einfach gesagt, nur von März bis November gehen. Dann würde man diese nervigen Wintermonate übergehen.“ 

Zum Thema Videoschiri hat das TuS-Urgestein mittlerweile ohnehin eine kritische Meinung. „Zu Beginn fand ich es eine sinnvolle Ergänzung, aber inzwischen nervt er eigentlich nur noch. Entscheidungen darüber, ob ein Zeh im Abseits ist oder nicht kann ich nicht nachvollziehen.“

FC Real Kreuth

Sigi Frank weiß nicht so recht, was er vom VAR halten soll. „Ich denke, dass er den Fußball nicht unbedingt attraktiver macht“, sagt der Sprecher des FC Real Kreuth. Die so wunderbaren Diskussionen am Montag nach einem Fußball-Wochenende fehlen ihm dabei besonders. „Aber für die Schiedsrichter ist es natürlich eine Erleichterung, da das Spiel einfach schneller geworden ist. Wahrscheinlich ist der Fußball dadurch auch gerechter geworden“, vermutet Frank. 

Ob dieses Modell – in welcher Form auch immer –nun auf den Amateurfußball übertragbar ist, daran hat der Kreuther große Zweifel. „Man bräuchte für die Durchführung des VAR in jedem Verein ja auch wieder zusätzliches Personal“, gibt Frank zu bedenken. „Daher finde ich, dass man eher mal darüber nachdenken sollte, nicht erst ab der Bezirksliga mit einem Schiedsrichter-Gespann zu agieren, sondern vielleicht schon ab der Kreisklasse.“ 

Besonders im Fokus dabei: die Abseitsentscheidungen. Gerade in diesem Bereich würden verständlicherweise oft grobe Fehlinterpretationen passieren. „Aber ich mache da ausdrücklich den Schiedsrichtern keinen Vorwurf“, stellt er klar. „Denn ohne Assistent ist das auch schwer zu sehen.“ Daher plädiert er statt des VAR im Amateurbereich für mehr Schiedsrichter auf den Fußballplätzen.

TSV Otterfing

Die Überlegungen der Fifa entlocken Dominik Urban nicht mal ein müdes Lächeln. Vielmehr wurmt es den Spartenleiter des TSV Otterfing, dass sich die Funktionäre nicht über die wirklichen Probleme der Sportart Gedanken machen. „Bis hinunter zur Regionalliga lasse ich mir den Videobeweis gerade noch eingehen. Für tiefere Ligen ist das schlichtweg Schwachsinn.“ 

Die technischen Voraussetzungen zu schaffen, sieht der Nordring-Funktionär nicht einmal als das Unüberwindbare. Wer aber kommt für die Kosten des neutralen Wächters der Hardware auf? Und wie wird die Zeit, die die Sichtung der Aufzeichnung in Anspruch nimmt, auf die 90 Minuten Spielzeit angerechnet? „Fehlentscheidungen, soweit es denn auch wirklich solche sind, gehören zu unserem Sport“, weiß Urban, „und so soll es im Amateurbereich auch bleiben.“ 

Aber er hat für die veränderungswilligen Funktionäre auch einen Ratschlag parat, der einem Problem der Basis entgegen kommt: „Die Herren aus dem obersten Stockwerk sollen sich Gedanken machen, wie der Schiedsrichternachwuchs für diese Aufgabe ins Boot geholt werden soll. Kreisliga abwärts haben wir momentan nicht einmal vereinsfremde Linienrichter.“

TSV Weyarn

Wenig Sinn in der Einführung eines Videoassistenten im Amateurbereich sieht auch Weyarns Abteilungsleiter Christian Wacker. „Wenn das in unseren Klassen eingeführt wird, dauert ein Spiel ab sofort minimal zwei Stunden. Für mich ist das ein Schmarrn. Wer soll denn entscheiden, wann der VAR zum Einsatz kommt? Der Schiedsrichter ist schließlich davon überzeugt, was er entschieden hat“, sagt Wacker. Einzig bei Abseitsentscheidungen könne er sich auch in den unteren Amateurklassen einen Assistenten vorstellen.

Offen bleibe jedoch die Kostenfrage für die Vereine. Im Profibereich habe der VAR durchaus eine Berechtigung: „Bei krassen Fehlentscheidungen ergibt das in den oberen Ligen Sinn. Aber es gibt zu viele Grauzonen. Beispielsweise bei Ecken, die keine Ecke sind und dann zum Tor führen – das wird nie beanstandet.“ 

Mit dem Regelwerk im Allgemeinen ist er einverstanden. „Wenn es Regeländerungen gibt, sollte man das Handspiel noch mal in Angriff nehmen. Aber diese Regel wird bestimmt seit 50 Jahren diskutiert. Ansonsten sollte es einfach so bleiben, wie es ist.“

SV Miesbach II

In der A-Klasse kann sich Stefan Feicht, Trainer des SV Miesbach II, einen Einsatz des Videobeweises nicht so recht vorstellen: „Ich glaube nicht, dass das umsetzbar ist.“ Er sieht dabei mehrere Probleme. Da stelle sich zum einen die Frage nach zusätzlichem Personal. „Wenn das automatisch funktioniert wie zum Beispiel Goal-Control (Torlinientechnik, d. Red.), dann wäre das für die Schiedsrichter eine Erleichterung“, findet Feicht. „Sollte das aber nicht der Fall sein, woher soll dann das Personal für die Bedienung kommen? Ich glaube, das ist nur Zukunftsmusik und im Amateurbereich nicht möglich.“ 

Denn eine weitere Herausforderung sieht er in der Finanzierung solcher Technologien. Die Fifa spricht von der „Entwicklung eines VAR-light-Konzepts“, das erschwinglichere VAR-Systeme ermöglichen soll. Miesbachs Trainer kann sich darunter wenig vorstellen: „Was heißt erschwinglich? 1000 Euro? 100 000 Euro?“ Feicht, der in seiner aktiven Karriere unter anderem beim FC Miesbach bis hin zur Bezirksliga spielte, findet zudem, dass der Amateurfußball nun mal von seinen Emotionen lebe, die unter anderem auch durch manche Fehlentscheidung zustande kämen.  

(hsp/meh/ko/ts/emi)

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