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Der ehemalige Sendlinger Dejan Lovren kann mit Kroatien ins WM-Finale einziehen.

Nationalspieler vom FC Liverpool

Dejan Lovren: Vom BSC Sendling ins WM-Halbfinale

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Vor drei Jahren kehrte Dejan Lovren noch einmal zurück. Er schlenderte über das Sportgelände des BSC Sendling, warf einen Blick in die Kabinen, betrat den Rasen des Münchner Kreisligisten. An seiner Seite Fikret Yüksel. Der erinnert sich: „Dejan wollte sehen, wo alles begonnen hat.“

Gemeinsam haben die beiden Freunde bis zur D-Jugend für den BSC Sendling gespielt. Bis Lovren sich auf eine Reise begab, die ihn über die Stationen Dinamo Zagreb, Olympique Lyon und FC Southampton bis zum FC Liverpool sowie in die kroatische Nationalmannschaft führte. Mit seinem Heimatland will er morgen gegen England erstmalig in ein WM-Finale einziehen.

Nach München hat Lovren der Balkan-Krieg getrieben. Vor den Bomben in Kroatien flieht er als dreijähriger Bub mit seinen Eltern, die lediglich einen Rucksack mit etwas Geld und Lebensmitteln dabei haben, über Nacht nach Deutschland. Dort lernt er im Kindergarten Fikret Yüksel, Sohn türkischer Migranten, kennen. Die beiden verstehen sich auf Anhieb. „Wir waren wie Brüder“, sagt Yüksel heute. Die finanziellen Schwierigkeiten ihrer Familien kompensieren sie täglich auf dem Bolzplatz. Dass sie wenig Geld haben, stört sie nicht. Für sie gibt es nur Eines: Fußball.

Als nach sieben Jahren das Visum der Familie nicht verlängert wird, muss Lovren zurück nach Kroatien. In Zeiten ohne soziale Medien und Smartphones bedeutet das einen harten Schlag für die Freundschaft der zwei Vollblutkicker. Sie verlieren sich aus den Augen. Doch Jahre später meldet sich Lovren – mittlerweile Fußballprofi – plötzlich bei Yüksel. Er zählt nicht zu der Sorte von Fußballern, die nach dem ersten Millionenvertrag die Bodenhaftung verlieren. Lovren kennt seine Wurzeln.

Seither stehen beide regelmäßig in Kontakt, schreiben sich, telefonieren. Noch in der Nacht vor dem Champions League-Finale sprachen sie lange miteinander. Yüksel beeindruckt das Verhalten seines Freundes. „Das ist nicht selbstverständlich für jemanden, der so ein Karriere hingelegt hat.“ Während der WM hören sie sich jedoch nur selten. Lovren fokussiert sich auf die Spiele in Russland.

Dass der 1,88 Meter große, breitschultrige Hüne einmal zu den kompromisslosesten und gefürchtetsten Verteidigern Europas zählen würde, war so nicht unbedingt zu erwarten. Im Trikot des BSC Sendling wirbelte Lovren noch die Münchner Abwehrreihen durcheinander. Als Zehner glänzte er mit Toren und Vorlagen. „Technisch war er jedem in unserem Alter weit überlegen“, sagt sein damaliger Mitspieler Fikret Yüksel. Auf der Sendlinger Trainerbank saß in dieser Zeit im Übrigen Lovrens Vater.

Trotz allem Talent stand eine spätere Profi-Karriere während Lovrens Zeit in München nicht zur Debatte. Für ihn und seinen Vater, der auf dem Bau das Geld für die Familie verdiente, war der Fußball eine Chance, sich vom harten Alltag abzulenken – für große Träumereien war jedoch kein Platz. „Das war nie Thema“, erzählt Yüksel. Auch der FC Bayern oder 1860 meldeten sich nie. Erst zurück in Kroatien, klopfte Dinamo Zagreb an.

Nach der WM wollen sich Yüksel und Lovren in Liverpool treffen. Ein Mitbringsel hat Lovren – so wie es sich für einen guten Freund gehört – schon angekündigt. „Ein Trikot, das er in der Gruppenphase getragen hat“, verrät Yüksel. Einmal mehr zeigt sich dadurch für ihn, was ihm Lovren schon seit Jahren beweist: „Dejan hat niemals vergessen, wo er herkommt.“ Nämlich vom kleinen BSC Sendling in München. Dort, wo alles begann.

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