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Erteilt den Ausweichplänen in ein anderes Bundesland von Türkgücü München eine klare Absage: BFV-Präsident Dr. Rainer Koch

Stellungnahme des BFV-Präsidenten

Rainer Koch zur Stadion-Debatte: „Schwierige Lage für Türkgücü“

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Türkgücü steht vor dem Aufstieg in die 3. Liga. Problematisch ist die Stadionfrage. Drei Vereine können nicht im Grünwalder Stadion spielen. Das hat jetzt auch Rainer Koch bekräftigt.

Sportlich läuft bei Regionalliga-Spitzenreiter Türkgücü München alles nach Plan. Der Vorsprung auf den ärgsten Verfolger aus Schweinfurt beträgt bei noch zwölf ausstehenden Spielen bereits acht Punkte. Im Winter verstärkte man sich mit Emre Güral und Sercan Sararer noch einmal hochkarätig. Kaum einer zweifelt noch daran, dass dem Team von Trainer Reiner Maurer der dritte Aufstieg in Folge gelingen wird. Doch wo soll die Mannschaft rund um Kapitän Marco Holz in der kommenden Spielzeit seine Heimspiele austragen?

Engpass im Grünwalder Stadion

In der Rückrunde der Regionalliga Bayern wird der Liga-Primus die fünf verbleibenden Heimauftritte im Grünwalder Stadion absolvieren. In der kommenden Saison würden voraussichtlich mit Türkgücü München, dem TSV 1860 München und den Amateuren des FC Bayern München drei Vereine in der 3. Liga auf Giesings Höhen auflaufen. Ein laut DFB-Direktorin Heike Ullrich undenkbares Szenario: „Mehr als zwei Drittligisten in einem Stadion sind kaum realisierbar, es macht auch für die betreffenden Vereine keinen Sinn. Die 3. Liga ist eine Profiliga und ist hinsichtlich Organisation, Vermarktung und Sicherheitsaspekten mit festen Anforderungen verbunden. Wir müssen als Liga-Träger – auch im Sinne der Fans und unserer Partner - klar strukturierte Abläufe und einen reibungslosen Spielbetrieb innerhalb der Liga gewährleisten.“

In der „Süddeutschen Zeitung“ machte vor einigen Tagen ein bemerkenswertes Interview von Türkgücüs Präsident, Hasan Kivran, die Runde. In diesem erklärte das Türkgücü-Oberhaupt, dass der Vereine prüfe, ob er die Heimspiele in der dritten Liga möglicherweise im Westen der Republik austragen könnte. „ Dort hätten wir wahrscheinlich mehr Zuschauer, weil es auch mehr Derbys gäbe. Ich weiß, dass wir in München stören.“, so Kivran. 

Wie KFC Uerdingen: Ein Team muss wohl ausweichen

Als Ziel habe der Klub Nordrhein-Westfalen auserwählt. Der DFB reagierte prompt und erteilte dem Vorhaben eine Absage: „Ein solcher Umzug von Türkgücü München zum Beispiel nach Nordrhein-Westfalen ist nicht möglich. Die Regularien beinhalten zwar, dass Ausnahmen vom Ausschuss 3. Liga genehmigt werden können. Hier muss aber eine räumliche Nähe zum Sitz des Klubs gewährleistet sein.“, erklärte Ullrich. 

Ein Präzedenzfall in der 3. Liga ist der KFC Uerdingen. Da die heimische Grotenburg in Krefeld nicht Drittliga-tauglich ist, wich der Verein vergangene Saison nach Duisburg aus. Diese Spielzeit trägt das Team von Weltmeister Kevin Großkreutz seine Heimspiele in Düsseldorf aus. Der Unterschied zu Türkgücü: Die Entfernung zwischen Düsseldorf und Krefeld beträgt 18 Kilometer, die von München nach Düsseldorf 612 Kilometer. 

„Bayerische Vereine haben in Bayern zu spielen“

Auch BFV-Präsident Dr. Rainer Koch bezieht klar Stellung zu der Thematik: „ Um es unmissverständlich und klar zu sagen: Der Aufsteiger in die 3. Liga aus der Regionalliga Bayern ist ein bayerischer Verein, der demzufolge auch in Bayern zu spielen hat.  Ein Ausweichen nach Nordrhein-Westfalen scheidet als Lösung aus. Das habe ich Präsident Hasan Kivran, den ich persönlich sehr schätze und dessen Leistung für den Verein beeindruckend ist, bereits im vergangenen Jahr erläutert und verdeutlicht.“ 

Eine schnelle Lösung muss gefunden werden. Dazu müssen sich alle Parteien an einen Tisch setzten: „ Türkgücü München ist, sollte sportlich der Aufstieg in dieser Saison gelingen, mangels eigenem Stadion in einer schwierigen Lage. Drei Mannschaften im Grünwalder Stadion lässt sich nicht machen. Es muss deshalb gemeinsam mit der Stadt, dem TSV 1860 und dem FC Bayern und sehr gerne auch mit meiner Unterstützung nach einer Lösung gesucht werden.“ 

Erinnerungen an SV Pullach werden geweckt

Beispiele, dass Mannschaften wegen der fehlenden Rahmenbedingungen auf den Aufstieg in eine höhere Spielklasse verzichten mussten, gab es zuhauf. Der jüngste Fall bezieht sich auf den Tabellenführer der Regionalliga West, den SV Rödinghausen. Dieser gab vergangene Woche bekannt, auch im Fall eines sportlichen Aufstiegs, kommende Spielzeit erneut in der Regionalliga West aufzulaufen: „Wir haben die Anforderungen des DFB bis ins letzte Detail geprüft, gerechnet, diskutiert und sind zum Entschluss gekommen: Wir werden die Lizenz für Liga 3 nicht beantragen.“, erklärte Rödingshausen Geschäftsführer Alexander Müller in einer Pressemitteilung. 

In der Bayernliga Süd verzichtete der SV Pullach zwischen 2015 und 2018 sogar viermal in Folge auf den Aufstieg in die viertklassige Regionalliga Bayern. Die Raben bemühten sich vergeblich, im Grünwalder Stadion spielen zu dürfen. Da auch im Umland keine passende Spielstätte oder Zusage eines anderen Vereins gegeben wurde, spielt der SVP bis heute in der Bayernliga. 

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