„Die Sorgen wurden nicht geringer“: Gerland.

Gerland: „Die Sorgen wurden nicht geringer“

FC Bayern II - „Die Sorgen wurden nicht geringer“, sagte Hermann Gerland beim Trainingsauftakt der kleinen Bayern. Genaugenommen sind sie sogar noch größer geworden. Der FC Bayern II geht in eine schwierige Rückrunde.

Die Winterferien hat Hermann Gerland in Berlin verbracht. Seine Tochter Nadine hat im Sommer Nachwuchs bekommen, der Trainer des FC Bayern II genoss die Tage im Kreis der jungen Familie. Der Enkel sei „ein bisschen wild“, stellt er fest, zufrieden schmunzelnd fügt er hinzu, der Knirps gerate da vielleicht ein bisschen nach ihm selbst. „Ich hab’ meiner Tochter schon gesagt, wenn das so bleibt, wird sie später vielleicht öfter mal bei der Schule antanzen, wenn der was ausgefressen hat.“

„Cosic – geh’ so nicht rein! Du hast schon mal einen verletzt hier! Spiel Fußball – oder geh zur Box-Abteilung!“ So brüllte Gerland gestern über den Trainingsplatz, keine Frage: die staade Zeit ist vorbei. Sein Team ist in die Vorbereitung zur Rückrunde gestartet, und Gerlands Blick wird düster, als das Gespräch von Heilig Abend zum Abstiegskampf in der Dritten Liga schwenkt. Der Coach schaut, als habe er bei der Rückkehr nach München Schnee und Eis im heimischen Wohnzimmer vorgefunden. Der heimelige Berlin- Trip ist nun vergessen. „Unsere Sorgen sind ja nicht geringer geworden“, grummelt er. Genaugenommen sind sie sogar noch größer geworden.

Vor der Winterpause fahndete man eifrig nach einem Torjäger („wir treffen nichts, das haben wir bewiesen“), nun ist plötzlich noch eine andere prominente Planstelle freigeworden. David Alaba wurde nach Hoffenheim verliehen. „Das ist ein außergewöhnlicher Spieler, so einen findet man in der Dritten Liga nicht, auch nicht in der Zweiten Liga“, sagt der Coach. Sjoerd Ars hätte sich vom niederländischen FC Zwolle an die Säbener Straße verändern sollen. „Aber das hat sich zerschlagen“, meint Gerland. Er wäre einer gewesen, der eventuell schnell weiterhilft, „der hat immer Tore gemacht, und einen zu finden, der mir 20 Tore garantiert, das ist praktisch unmöglich – die spielen alle in der Bundesliga“. Bis auf weiteres trainiert Michael Schürg, 26, mit. „Der hat für Ulm zehn Tore geschossen, aber das ist eine Liga unter der Dritten Liga“, sagt Gerland, „eine Liga drunter ist schwierig, da sind noch mal 20 Prozent Unterschied.“ Das Ziel lautet Klassenerhalt, doch die von oben diktierte Personalpolitik gefährdet das Projekt nachhaltig.

Im Sommer wurde Mehmet Ekici an den 1. FC Nürnberg verliehen, Gerland schluckt diese Entscheidungen, da sie zum Wohl der Ausbildung Einzelner geht – allerdings erschüttern sie die Schlagkraft seiner Elf auf dramatische Weise. In den eigenen Reihen schlummern kaum Ressourcen, um die Lücken zu schließen. Die letzten A-Juniorenjahrgänge waren nicht so talentiert, dazu plagte Gerland eine beispiellose Verletztenmisere. Danny Schwarz wird weiter fehlen. Sein Sprunggelenk schmerzt seit sechs Wochen, eine Kernspin soll heute neue Erkenntnisse bringen. Rouven Sattelmaier konnte bisher noch keine Einheit mit dem Ball machen, und Saer Sene wird diese Saison eher gar nicht mehr erwartet. „Bei dem ist nicht nur das Kreuzband durch, sondern alles im Knie“, seufzt Gerland. Dann stapft er davon. Kampfbereit wie ein Boxer, im Herzen ein Fußballer.

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