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Ganz in seinem Element: Vor 36 Jahren gründete Athanasios Mentis den Herakles SV München. Der 60-Jährige coacht die Bezirksliga-Mannschaft des Vereins (auf dem Bild gegen den SC Unterpfaffenhofen-Germering).

Trainer des Herakles SV München im Vorort-Interview

Mentis ärgert sich über Winter-Abgänge, denn „Geld ist nicht alles“

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Der Trainer des Herakles SV München, Athanasios Mentis, spricht über seine Fähigkeiten als Talent-Scout, die vielen Neuzugänge und die kuriose Geschichte, wieso er sich entschloss Winterabgänge sperren zu lassen.

Der Herakles SV München steht zur Winterpause auf dem achten Rang im Tabellenmittelfeld der Bezirksliga Oberbayern Süd. Trainer Athanasios Mentis spricht im Vorort-Interview über die Hinrunde sowie die vielen Neuzugänge vor Saisonbeginn und zum Winter. Außerdem erzählt er, wieso er sich zuletzt über einige der Winter-Abgänge ärgern musste.

Zur Winterpause seid ihr momentan Tabellenachter. Ist das ein Ergebnis, mit dem ihr zufrieden sein könnt?

Ja, zumal wir ein Spiel weniger als unsere Gegner gemacht haben. In den letzten beiden Jahren waren wir einmal Neunter und einmalSiebter. Seit drei Jahren spielen wir jetzt schon in der Bezirksliga und diese Saison wollen wir es unter die besten Sieben schaffen.

Wo steht ihr momentan als Verein?

Wir haben es geschafft, uns mit wenigen Mitteln in der Bezirksliga zu etablieren. Andere Vereine haben 25 Jugendmannschaften, eine A-Jugend und große finanzielle Möglichkeiten und kicken trotzdem nur in der A-Klasse. Wir dagegen haben schon Testspiele in Obermenzing gegen griechische Top-Klubs wie Olympiakos Priäus und AEK Athen vor über 3000 Zuschauern gemacht. Es ist eine Ehre für mich, so viel für Herakles tun zu können. Wir sind der am höchstklassig spielende griechische Verein in Deutschland und ich bin stolz, dass wir nicht nur in Bayern, sondern bis nach Griechenland bekannt sind. In unserer Mannschaft spielen aber nicht nur Griechen, sondern Spieler aus neun verschiedenen Nationen.

„In den unteren Ligen sehe ich viel Talent auf dem Platz“

Was ist euer Ziel für die Rückrunde?

Im Allgemeinen wollen wir jedes Spiel gewinnen. Ansonsten versuchen wir jedes Jahr zwei bis drei neue Talente in die ersten Mannschaft zu integrieren. Viele der Leistungsträger sind schon um die 30. Deshalb ist es wichtig, Jüngere reinzubringen. Von den Älteren erwarte ich dann auch, dass sie die Neuen gut im Team aufnehmen. Wir wollen ein angenehmes Klima in der Mannschaft erreichen, den Spielern Spaß am Fußball vermitteln und alle möglichst viel beim Training sehen.

Schon vor Saisonbeginn und jetzt auch wieder in der Winterpause habt ihr zahlreiche neue Spieler in den Verein geholt. Wieso so viele?

In der Winterpause haben wir insgesamt zwanzig neue Spieler für die erste und zweite Mannschaft geholt. Immer, wenn ich Zeit habe, gehe ich am Wochenende zu den Partien der C-, B-, A-Ligen, Kreisklasse und Kreisliga. In den unteren Ligen sehe ich viel Talent auf dem Platz. Jedes Jahr habe ich da bisher einen Volltreffer landen können. Zwei der Spieler, die wir erst im Sommer aus niedrigeren Klassen geholt haben, sind inzwischen absolute Leistungsträger und Stammspieler im ersten Team. Außerdem haben wir keine A-Jugend, aber eine starke zweite Mannschaft, aus der sich viele Spieler für die Bezirksliga anbieten. 

„Wir können uns als Verein keine teuren Spieler leisten“

Einen Volltreffer?

Ich mache keinen Unterschied, ob ein Spieler Grieche, mein Cousin oder mein Sohn ist. Bei mir bekommen alle die gleiche Chance. Immer wieder gibt es Talente aus unteren Ligen, die im Verein unzufrieden sind oder höherklassig spielen wollen. In München bekommt man als Verein genügend Spieler. Die Frage ist, ob sie auch gut genug sind. Wenn wir zur Winterpause zehn neue Leute holen und davon drei einschlagen, ist das für mich ein Volltreffer. Das ist eine meiner Stärken: Das Spielgeschehen beobachten und Talente erkennen. Wir können uns als Verein keine teuren Spieler leisten, aber für 500 Euro jemanden aus unteren Ligen zu holen, das geht. Besonders, wenn sich billige Spieler aus unteren Klassen in der ersten Mannschaft durchsetzen, macht mich das deshalb stolz.

Also konzentriert ihr euch auf die unteren Ligen, um euch Talente zu sichern?

Fußballer aus den unteren Ligen sind bei uns jederzeit willkommen und können sich bei uns zeigen. Wer sich telefonisch vorher anmeldet, kann gerne vorbeikommen. Ich bin dann aber auch so ehrlich, dass ich den Leuten sage, wenn es für die Bezirksliga nicht reicht. Sie können sich dann aber gerne in der zweiten Mannschaft anbieten. Ich hatte auch schon Spieler, die aus höheren Ligen zu uns gekommen sind und dann nicht gut genug waren. Bei uns haben alle die gleiche Chance unabhängig von Liga oder ethnischer Zugehörigkeit.

„Die Landesliga ist momentan für uns nicht machbar“

Wie soll es dann im Sommer weitergehen?

Unser Jugendleiter macht momentan einen sehr guten Job. Wir planen ab Sommer, eine A-Jugend bei uns einzuführen. Trotzdem habe ich jetzt schon drei, vier B-Jugend-Spieler im Blick, bei denen ich mir vorstellen kann, sie sofort im Sommer in unsere Bezirksliga-Mannschaft zu integrieren. 

Der Aufstieg ist bei euch erstmal kein Thema?

Die Landesliga ist momentan für uns nicht machbar. Das wäre mit einem ganz anderen Aufwand verbunden, den wir nicht stemmen können. Die Zeit für die langen Wege und die entsprechenden Spieler haben wir nicht. Weder ich, noch die Spieler können das momentan schaffen.

Ihr verliert aber auch regelmäßig Spieler an andere Vereine. Auch in dieser Winterpause schon...

Zur Winterpause sind zwar vier Spieler gegangen, aber nur einer davon war eine Stammkraft. Ihn habe ich gleich mit zwei Neuzugängen auf der Position ersetzen können. Ansonsten habe ich beschlossen, dass ich auf die Ablöse, die ich für die Spieler wollte, verzichte. Die betroffenen Spieler haben zum Teil gelogen, um dem Verein die Ablöse zu ersparen. Sie kamen mit Krücken oder Manschette zum Training und behaupteten, sie hätten sich verletzt. Dass Geld nicht alles im Leben ist, versuche ich sowohl den Spielern, als auch dem Verein zu vermitteln, indem ich beschlossen habe, diese Fußballer zu sperren. Wegen den paar Euro zu lügen, finde ich falsch. Jetzt spielen sie erstmal gar nicht mehr.

„Ich kenne sogar die Schuhgröße der Spieler“

Was sind die besonderen Stärken deines Teams?

Wir spielen einen offensiven Fußball und sind nach vorne stark. Dort sind wir mit erfahrenen und mit raffinierten Spielern gut aufgestellt. Durch den Offensivdrang bekommen wir hinten auch mal das eine oder andere Tor. Diese Saison haben wir uns in der Abwehr besser geschlagen als zuvor. Das Torverhältnis ist noch im Plus.

Wie bereitest du dich auf eure Gegner vor?

Ich studiere unsere Gegner mindestens zwei-, dreima,l bevor wir gegen sie spielen. Ich beobachte genau und kenne hinterher sogar die Schuhgrößen der Spieler. Überall in München weiß ich, wie die Teams spielen.

Wie sieht bei euch die Vorbereitung aus?

Am Samstag haben wir gerade zu Zwanzigst mit warmen Wasser und Schneeschaufeln unseren Platz geräumt. Auch das sagt viel über den Charakter meiner Spieler. Jetzt haben wir schon zwei Vorbereitungsspiele gegen Untermenzing und Nord Lerchenau gemacht. Wir trainieren dreimal wöchentlich, jeweils Montag, Mittwoch und Freitag. Die Spieler der ersten Mannschaft sollen mindestens zweimal dabei sein. Die Trainingsbeteiligung ist aktuell sehr, sehr gut. Einige der Spieler arbeiten allerdings Nachtschicht. Das ist ein bisschen problematisch für uns, aber die anderen müssen dafür dann halt mehr laufen (lacht).

Obwohl Du als „Mr Herakles“ giltst, hast Du sicher einige Helfer beim HSV. Wem möchtest Du danken?

Als Gründer von Herakles München mache ich meinen Job seit 36 Jahren auf ehrenamtlicher Basis. Ich möchte mich bei allen ehrenamtlichen Helfern im Verein bedanken, die ihr ganzes Herzblut in Herakles stecken. Das fängt schon bei meiner eigenen Familie an. Meine Frau wäscht immer die Trikots der Mannschaft und auch meine Tochter Marina und mein Sohn Spiro helfen, wo sie können. Besonders gute Arbeit leisten auch unser Torwarttrainer Georgios Tsesmetzis, Ermis Kouros und Georgios Giannakos, der sich um die Senioren C und B kümmert. Außerdem danke ich Rusko Mehmedinovic, der eine starke B- und C-Jugend bei uns aufgebaut hat, sowie unseren Betreuern Nikos Kouros und Frank Barber, die tagtäglich Aufgaben übernehmen, die sonst keiner im Verein macht. Einen wichtigen Beitrag leistet auch unser technischer Leiter Theo Giannikis. Ohne diese Leute wäre der Spielbetrieb nicht möglich und deshalb möchte ich mich bei allen Ehrenamtlichen von ganzem Herzen bedanken.

Ich bin ein Freund der Spieler. Vor allem mit Fußballern, die schon ewig im Verein sind wie unser Kapitän Roberto Fuschillo, stehe ich in engem Kontakt. Bei ihnen möchte ich mich bedanken, dass wir immer viel reden können und sie mir bei meiner Arbeit als Trainer viel zurückgeben.

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