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Michael Stepanoff (links) rettete zuerst die DJK Sportbund München-Ost vor dem Nicht-Abstieg, kurze Zeit später feiert er mit dem SVN München III den Aufstieg von der B- in die A-Klasse.

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Trainer schreibt Fußballgeschichte: Aufstieg und Klassenerhalt an einem Tag

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Erst rettete Michael Stepanoff die DJK Sportbund München-Ost vor dem Abstieg. Doch damit nicht genug: kurze Zeit später feiert er mit einer anderen Mannschaft dann noch den Aufstieg.

Michael Stepanoff erlebte am Sonntag, den 2. Juni, eine Achterbahn der Gefühle. Und vielleicht hat der 33-Jährige an diesem Tag sogar Amateurfußballgeschichte geschrieben. Zuerst hielt er die DJK Sportbund München-Ost in der A-Klasse, dann führte er den SVN München III in die A-Klasse - und das alles innerhalb weniger Stunden.

Stepanoffs außergewöhnliche Geschichte begann rund eineinhalb Monate zuvor. Der Familienvater trainiert die dritte Mannschaft des SVN München. Es ist seine erste Trainerstation und „erst sein zweites Jahr als Trainer überhaupt“. Bereits in seiner Debütsaison ist Stepanoff erfolgreich. Er führte den SVN von Platz elf auf Rang fünf. Im zweiten Jahr stabilisiert Stepanoff das Team weiter und macht es zu einem der Aufstiegsfavoriten. „Der Aufstieg war vor der Saison das klare Ziel“, so der 33-Jährige. 

Doppelbelastung ein „riesen Spagat“

Doch bereits im Winter war Stepanoff klar, dass er zu Höherem als nur B-Klasse strebt: „Ich wollte selbst den nächsten Schritt gehen und eine erste Mannschaft trainieren“, begründet er seine Entscheidung. Deswegen teilt er der Mannschaft und dem Verein mit, dass er zur neuen Spielzeit Trainer bei der DJK Sportbund München-Ost wird. Dort war er bereits als Spieler aktiv und kennt noch viele aktive Kicker. „Ich wollte vor der Entscheidung über Aufstieg oder Nicht-Aufstieg eine Lösung finden. Außerdem soll man immer gehen, wenn es am Schönsten ist. Für mich war es der richtige Zeitpunkt. Jeder konnte meinen Schritt nachvollziehen“, so Stepanoff.

Dass er die DJK aber bereits früher übernehmen würde, wusste er zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Denn rund sechs Wochen vor Saisonende trennte sich der A-Klassist von seinem Trainer Rudi Montag. Stepanoff sprang ein und vollzog ab sofort einen „riesen Spagat“. Er musste statt zwei Trainingseinheiten und einem Spiel fortan vier Trainings und zwei Spiele am Sonntag organisieren. Trotz des Stresses machte er es gerne, denn die DJK Sportbund München-Ost ist für ihn „eine Herzensangelegenheit“. Schließlich lehnte er „andere Angebote, auch aus der Kreisklasse“ ab. 

Stepanoff bringt Erfolg auch zur DJK Sportbund München-Ost

Auch familiär war die Doppelbelastung für Stepanoff nicht immer ganz einfach: „Meine Frau arbeitet in der Gastronomie und hat dementsprechend auch nicht so viel Freizeit“. Deshalb ließ er „ein oder zwei Trainingseinheiten“ aus, um Zeit mit seiner Frau zu verbringen, die wie er Bayernfan ist und ihn deshalb „unterstützte, weil es auch nur für sechs Wochen war“. 

Als Stepanoff die DJK übernahm, war das Team „niedergeschlagen und nur sechs bis sieben Spieler im Training. Als ich kam, waren es in den ersten drei Trainings 22, 25 und 28 Spieler.“ Wie bereits beim SVN, brachte er beim Sportbund Aufschwung. „Die Harmonie zwischen dem Team und dem alten Trainer hat nicht mehr gepasst. Ich kannte viele Spieler und deren Positionen noch. Ich habe viele Einzelgespräche geführt und die Motivation zurückgebracht“, erklärt der ehemalige Spieler sein Erfolgsrezept. In insgesamt sieben Spielen fuhr Stepanoff mit seinem neuen Team zehn Punkte ein, genauso viele Punkte wie die Mannschaft zuvor in 17 Spielen geholt hatte. 

Klassenerhalt mit der DJK Sportbund München-Ost

Zeitgleich ritt er auch beim SVN weiter auf der Erfolgswelle. Vor dem letzten Spieltag stand der Klub aus Neuperlach auf dem ersten Tabellenplatz, drei Punkte betrug der Vorsprung auf den ersten Nicht-Aufstiegsplatz. Der Aufstieg in die A-Klasse schien nur noch Formsache zu sein. Gäbe es da nicht ein Problem: Der SVN III hat am letzten Spieltag spielfrei, für den Aufstieg muss einer der Verfolger Punkte liegen lassen. Bevor Stepanoff Anfang Juni allerdings über einen möglichen Aufstieg jubeln dufte, musste er erst mit der DJK den Klassenerhalt in der A-Klasse fixieren. Dafür würde ein Punkt gegen die Munich Irish Rovers FC reichen. 

Doch seine Mannschaft machte es spannend bis zum Schluss und erkämpfte sich ein Unentschieden. „Der Jubel war natürlich riesig", blickte Stepanoff zurück. Da Konkurrent DJK München Pasing III gewann, hätte der DJK Sportbund München-Ost eine Niederlage nicht zum Klassenerhalt gereicht. 

Aufstieg mit SVN München III

„Danach habe ich mich direkt umgezogen. Von den DJK- in die SVN-Sachen“. Stepanoff fährt nach Neuperlach. Dort ist der Aufstieg allerdings in weite Ferne gerückt. Verfolger SV Gartenstadt Trudering hatte sein Spiel gewonnen und auch der zweite Konkurrent, der FC Stern München III, führte beim SV Waldperlach mit 2:0. Da der Aufstieg für Stepanoff unmöglich schien, entschied er sich, zurück zum DJK-Sportplatz zu fahren, um den Klassenerhalt zu feiern. „Als ich 200 Meter von der Sportanlage entfernt war, hat mich unser Abteilungsleiter vom SVN, Bernhard Klemm, angerufen und gefragt, ob uns ein 2:2 für den Aufstieg reicht“. Waldperlach hatte also tatsächlich noch gegen Stern ausgeglichen. „Ich konnte es gar nicht fassen. Ich musste mehrmals nachfragen, ob es wirklich stimmt“, beschreibt Stepanoff die emotionale Achterbahnfahrt. 

Beim DJK Sportbund München-Ost will er weiterhin angreifen. Trotz des Klassenerhalts soll der Aufstieg in die Kreisklasse das Ziel für die neue Spielzeit sein. Außerdem bekommt er bei der DJK die Möglichkeit, seinen Trainerschein zu machen. „Wir haben die Mannschaft verjüngt und inzwischen sogar eine Zweite “, erklärt Stepanoff. In der A-Klasse soll für ihn noch nicht Schluss sein: „Ich bin erfolgsorientiert. Jetzt bin ich auf den Geschmack gekommen.“ Stepanoff orientiert sich übrigens am ehemalige Bezirksliga-Trainer des SVN, Nebojsa Stojmenovic. „Er ist mein Vorbild als Trainer. Sein Umgang mit den Spielern ist beeindruckend.“  

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