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Die de-Prato-Brüder: Stefan, Christian, Florian, Thomas und Markus (v.li.)

Hausbesuch bei den fünf de-Prato-Brüdern

Mega-Interview: Das verrückte Fußballjahr der de-Prato-Brüder

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Die Familie de Prato ist ein Phänomen im Amateurfußball. Fünf Brüder. Alle dem Fußball verfallen. Das ist eine Rarität in Deutschland. Die Familienbande ist so eng, dass vier de Pratos nicht nur den Arbeitsplatz bei einer Entrümpelungsfirma teilen.

Florian, Stefan, Thomas und Christian sehen sich auch auf dem Platz. Sie laufen für die SpVgg Haidhausen in der Bezirksliga auf. Nur Markus trägt nicht das gleiche Trikot. Er trainiert den TSV Grasbrunn in der Kreisklasse. Florian und Markus tragen auf dem Platz ein ähnliches Gepäck mit sich, wie Löwe Sascha Mölders. Doch wer die de-Prato-Brüder kicken gesehen hat, weiß: Ein Diagonalball aus 60 Metern kommt dort an, wo er hin muss. Es gab Zeiten, da mischten die de Pratos zu fünft den Amateurfußball auf. Mit dem TSV Moosach packten sie den Durchmarsch in die Landesliga. Dieses Gefühl, mit den Brüdern kicken zu können, bringt Thomas de Prato auf den Punkt. „Für mich war 2019 das Geilste der Wechsel nach Haidhausen.

Im Sommer packten Stefan und Florian mit Haidhausen den Bezirksliga-Aufstieg über die Relegation. Vier Entscheidungsspiele. Mehr Wahnsinn geht nicht im Amateurfußball. Wir haben die fünf Brüder zum Mega-Interview getroffen. 

Was ist euer wichtigster Moment, der euch aus dem Fußball-Jahr 2019 in Erinnerung geblieben ist?

Stefan: Der Aufstieg über die Relegation war der Wahnsinn. Wir haben mit Mühe und Not die Saison über die Bühne gebracht. Keiner hat an uns geglaubt. Nicht einmal wir selbst. Und dann bekommen wir null Gegentore. Und machen sechs Buden. Was willst du mehr als Fußballer? Oder haben wir sieben Tore geschossen? Ich weiß es gar nicht mehr.

Das müsste doch der Teammanager wissen?

Florian: (lacht) Wir sind aufgestiegen. Damit war das Thema abgehakt. Danach mussten wir uns wieder um neue Dinge kümmern. Die Ergebnisse sind mir nicht so wichtig. Die Familie geht vor.

Gerüchten zu Folge ist der Einsatz für die Familie auch der Grund für deine Verletzung. Du bist im Sommer im Wasserpark mit deiner Tochter ganz übel gestürzt.

(alle Brüder lachen)

Florian: „Das ist ein ganz übles Gerücht. Vielleicht ist der Meniskus noch ein kleines bisschen weiter eingerissen. Aber die Verletzung ist im Spiel gegen Aschheim passiert. Das war ein richtig übles Foul. Aber im Urlaub mit der Tochter darfst du dir keine Blöße geben. Meine Tochter wollte dort unbedingt hin. 

Fehlt es dir als Fußballer an der Feinmotorik, in einem Aqua-Park zu performen?

Florian: Ich habe mich super geschlagen im Aqua-Park. Auf meiner GoPro sind Weltklasse-Aufnahmen. Aber meine Frau hält genau in dem Moment drauf, wenn ich abstürze. Dann landet das Video auch noch im Internet.

Florian de Prato: Sein Absturz im Aqua-Park

Christian, was bleibt bei dir in Erinnerung?

Christian: Den 20. September werde ich nicht vergessen. Es war mein letztes Spiel für Haidhausen. Ich habe im Trikot meines Bruders gespielt und direkt ein Tor geschossen.

Florian: „Wir hatten zu viele Verletzte. Lell hat uns zu Saisonbeginn ausgeholfen. Er wollte pausieren. Vor dem Wiesn-Wochenende hat er die Bude gemacht. Samstag war Anstich. Danach haben wir ihn 14 Tage nicht mehr gesehen (lacht).“

Thomas: Zehn Tage habe ich ihn begleitet. Einer muss ja auf den kleinen Bruder aufpassen.

Warum hat Christian eigentlich den Spitznamen „Lell“?

Markus: Es gab damals so einen Spieler bei Bayern (lacht). Der hatte die selben hellblassblonden Haare wie unser Bruder. Christian war in der Jugend immer alles egal und er hatte einen Spielstil, bei dem wir uns dachten: Was macht er den jetzt schon wieder. Das haben wir uns auch oft bei diesem Fußballprofi gedacht. Seitdem ist Christian mehr Lell, als der richtige Lell.

Stefan: In meinem Handy habe ich ihn noch unter Christian eingespeichert. Als er zuletzt angerufen hat, ist meine Freundin ans Handy gegangen und meinte: Stefan, der Christian ist dran. Dann hat unsere Tochter gefragt: Wer ist das? Dann meinte ich zu ihr: Du kennst du meinen Bruder! Meine Freundin hat nur gelacht und meinte: Du musst ihn Lell nennen. Die Kleine kennt ihn doch gar nicht unter Christian. 

Markus: Wir waren mal in einer Shisha-Bar, dann kam der echte Lell rein. Und an unserem Tisch haben alle in einer Tour „Lell, Lell, Lell“ gesagt. Da musste sich der Original-Lell auch gedacht haben: Wer ist der Typ, der so heißt, wie ich.

Florian: In München gibt es nur noch einen Original-Lell. Und das ist unser Bruder. Er hat dem ehemaligen Bayern-Spieler den Rang abgelaufen. 

Wie habt Ihr Christian von einem Comeback überzeugen können?

Florian: „Mit Biermarken für die Wiesn.“ (lacht)

Thomas: „Wie bitte? Der hat was bekommen? Ich würde mit meinen Brüdern für eine Wurstsemmel und einen Spezi spielen (lacht).“

Markus de Prato: „Ich habe viele meiner Spieler schon in der F- und E-Jugend trainiert“


Ein de Prato, der nicht mehr Fußball spielt, war immer undenkbar. Warum hast du aufgehört, Christian?

Christian: „Ich habe mein ganzes Leben lang Fußball gespielt. Ich bin ja noch nicht im Herbst meiner Karriere und kann jederzeit wieder anfangen. Ich wollte endlich mal frei sein. Wenn am Samstag Spiel ist, kannst du am Freitag Abend nicht weggehen. Geburtstagsfeiern kannst du auch vergessen. 

Markus: „Du wärst eine richtige Kreisliga-Legende, wenn du Feiern und Kicken unter einen Hut bekommst, Christian (lacht).

Florian: „Lell ist ein Sturkopf. Das sollte man respektieren. Wenn er keine Lust hat, Dienstag und Donnerstag regelmäßig ins Training zu gehen, ist es so. Ich finde es cool, wenn jemand ehrlich sagt: Ich habe keine Lust. Das ist besser, als etwas nicht mit 100 Prozent zu machen. Im Sommer werde ich es wieder versuchen, ihn zurückzuholen. Bei einem Spieler mit dieser Qualität muss man dran bleiben. Bei uns im Verein waren einige richtig geil darauf, dass Lell spielt. Die haben ihn glaube ich noch öfter gelangweilt, als ich.

Markus: „Je öfter du auf Lell zugehst und auf ihn einredest, desto schlimmer machst du die Situation.

Thomas, du hast im Sommer Grünwald verlassen. Warum?

Thomas: „Grünwald war ein geiles Jahr. Aber für mich ist es am geilsten, endlich wieder mit meinen Brüdern spielen zu dürfen. Flo und Stefan waren schon in Haidhausen. Ich habe mich zu ihnen hingezogen gefühlt. 

Florian: Das hört sich jetzt bisschen erotisch an. 

Thomas: So ist es halt einfach (lacht). Was soll ich machen?

Bitteres Aus: Das Ende beim TSV Moosach schmerzt Markus de Prato noch heute.

Markus, du bist Spielertrainer in Grasbrunn. Wie nennen dich deine Kicker: Papa oder Opa?

Markus: Das ist wirklich verrückt. Ich habe viele meiner Spieler schon in der F- und E-Jugend trainiert. Hätte ich nicht als Trainer in Grasbrunn angefangen, hätte sich die Herrenabteilung aufgelöst. Ich fange dort ganz klein an. Bevor ich kam, hatten die Spieler einmal die Woche Training. Im Schnitt waren sieben Spieler da.

Warum bist du nicht zu deinen Brüdern nach Haidhausen gegangen? Oder hatten die keinen Bock auf dich?

(alle lachen)

Markus: Bis auf Stefan arbeiten wir auch zusammen. Ich habe es mir wirklich lange überlegt. Haidhausen ist ein cooler Klub. Dort wird der Fußball gelebt, wie man ihn von früher kennt. Aber das war mir nach der Zeit in Moosach zu ambitioniert. Ich wollte mehr für meine Frau und meine Kinder da sein.

Wie sehr fesselt euch der Fußball noch?

Stefan: Ich brauche den Fußball. Am Wochenende muss ich mich über einen Schiedsrichter aufregen können, sonst komme ich nicht auf meinen Puls. 

Florian de Prato: „Es gibt leider in jedem Amateurverein einen Hauch Moosach“


Wie viel Moosach steckt in Haidhausen?

Alle: Gar nichts.

Thomas: Wenn ich heute in Moosach am Fußballplatz vorbeifahre, habe ich das Gefühl, dass ich dort nie gespielt habe. 

Florian: Es gibt leider in jedem Amateurverein einen Hauch Moosach. Es gibt immer ein, zwei Leute, die verrückte Vorstellungen haben. Die wollen angreifen und aufsteigen. Aber gleichzeitig soll alles so weiterlaufen, wie es schon immer gelaufen ist. Wenn mich heute Leute auf Moosach ansprechen, sage ich ehrlich: Dafür habe ich nichts mehr übrig. Der Verein ist dort, wo er hingehört. Ich wohne dort in der Nähe. Heute grüßen mich Menschen nicht einmal mehr, mit denen ich früher einen engen Kontakt hatte. Selbst die Leute, die den Verein übernommen haben, haben sich nicht an die Abmachungen gehalten. Deshalb ist der Verein für mich durch.  

In Moosach kam der Aufstieg mit dem Engagement der fünf de-Prato-Brüder. Kann solch ein Absturz wie in Moosach auch bei der SpVgg Haidhausen passieren? 

Florian: In Haidhausen ist der Beppo (Scialdone) das Alphatier. Der Verein ist eine komplett andere Welt. Hier läuft nichts wie in Moosach. Ich hole nicht meine Freunde, sondern ich scoute Spieler. Wir geben einen Input, aber wir stehen nicht in derselben Verantwortung, wie zu der Zeit in Moosach. Am Ende darf man nie vergessen: Der Aufstieg des TSV Moosach war einzig die Arbeit und der Verdienst von Markus. Er hat damals mit bescheidenden Mitteln, ohne gestandene Spieler und einzig über den Freundeskreis den Verein nach oben gebracht.

Markus: Wir haben damals alle zusammen versucht, etwas anzuschieben. 

Stefan: Thomas und ich sind in Haidhausen nur noch zum Kicken. So möchte ich das auch. Moosach war eine hammergeile Zeit. Aber das Thema ist für mich abgehakt.

Markus de Prato: „Flo macht alles, bis auf die Laufeinheiten. Da hat er immer Termine.“

Was ist mit Haidhausen möglich?
Thomas: Ich höre immer nur: Wahnsinn, wer dort alles spielt. Aber man sollte nicht vergessen: Die meisten Kicker im Team sind schon älter. Viele hatte auch Verletzungen. Wir haben viele Straßenkicker, die in der Kreisliga technisch alles zerlegt haben. Aber Bezirksliga geht über den Kampf.

Florian: „Wir müssen ehrlich sein. Wir stehen dort, wo wir stehen, weil wir es verdient haben. Wir haben eine schlechte Vorrunde gespielt. Ich höre aber Woche für Woche wie andere Vereine darüber klagen, wer ihnen alles fehlt. Uns hat die ganze Vorrunde Dani Müller gefehlt. Für mich ist er der beste Verteidiger der Liga. Aber was wäre das für eine Message an die anderen Spieler in unserem Kader, wenn ich mich laufend darüber beschwere? Sind die anderen Spieler so schlecht, dass es ein einziger Spieler herausreißen würde? So funktioniert der Fußball nicht. Wir haben einen Kader, der absolut Bezirksliga tauglich ist. Im hinteren Etablissement können wir jeden schlagen.

(Alle lachen)

Thomas: „Flo! Etablissement? Ernsthaft? In welchen Sphären schwebst du? Goethe?“

Was wünscht Ihr euch für das neue Jahr?

Florian: Ich will gesund bleiben und noch einmal auf dem Platz angreifen. Und ich will unbedingt die Liga halten. 

Machst du die Vorbereitung komplett mit, Flo?

Markus lacht: Flo macht alles, bis auf die Laufeinheiten. Da hat er immer Termine. 

Florian: Heiheihei. Keine falschen Fakten.

Thomas: Das Schlimme ist, dass Flo sogar vor mir gelaufen ist (lacht). 

Markus: Bei Flo und mir geht die Karriere gerade in die Zielgerade. Die Schritte werden immer schwere. Die anderen haben da noch ambitioniertere Ziele. Ich nehme jede Saison mit, die ich noch kriegen kann. Und möchte Spaß haben.

Thomas: Ich habe versprochen, dass ich noch eine Saison dran hänge. Das musste ich versprechen. 

Florian: Mich würde interessieren, was sich der Lell vornimmt. Auf gehts! Jetzt kannst du dein Comeback ankündigen (lacht).

Christian: Ich will im Sommer am Marienplatz im Bayern-Trikot feiern. Und dann kommt Flo auf mich zu und dann können wir reden.

Stefan: Ich will die Klasse halten. Das Ziel meines Schwagers ist es, dass ich als bester Torschütze wieder die 15 Kästen ERDINGER gewinne. Aber ich habe ihm schon gesagt: Drei Mal in Folge reicht. Ich schleppe die nicht mehr zu ihm (lacht).

Bist du schon satt, nachdem du in der Regionalliga gespielt hast, Stefan?

Stefan: Die Liga war über meinem Limit. So ehrlich muss ich sein. Ich bin einfach nicht der 100-Prozent-Fußballer. Dafür gehe ich zu gerne zum Mc Donalds. Für mich ist die Bezirksliga perfekt. 

Im zweiten Teil sprechen die de-Prato-Brüder über den Amateurfußball in München und ihre große Liebe zum FC Bayern. 

Das Interview führte Christoph Seidl.

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