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„Wir müssen hoffen, nicht gleich mit drei Klatschen in die Saison zu starten.“ Robert Tauber ist vor dem Saisonstart wenig optimistisch.

Laims Trainer im großen Interview

Tauber: „Wenn Anadolu mit Scheinen winkt, können wir nicht mithalten“

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Der SV Laim ist einer von vier Aufsteigern in die Bezirksliga Süd. Aufstiegstrainer Robert Tauber spricht im Interview über den Saisonstart, Probleme mit der neuen Spielergeneration und macht seinem Ärger über den Verband Luft.

Robert Tauber ist ein alter Hase im Münchner Amateurfußball. Der 53-jährige trainierte mehrere Jahre lang erfolgreich den ESV München. Mit den Eisenbahnern schaffte er 2015 den Aufstieg in die Bezirksliga. Das gleiche Kunststück gelang ihm in der letzten Saison mit dem SV Laim. Kurz vor dem Saisonstart stand er uns im Interview Rede und Antwort.

Glückwunsch zum Aufstieg in die Bezirksliga Süd. Am 22.7. startet der SV Laim mit einem Heimspiel gegen Phönix München in die Saison. Wie groß ist die Vorfreude?

Tauber: Die Vorfreude hält sich extrem in Grenzen, da wir fast zwei Drittel der ersten Mannschaft aus dem Vorjahr verloren haben.

Du hast es schon angesprochen. Es gab einige Abgänge, darunter Leistungsträger wie Kapitän Steve Oelsner, Quirin Wanninger oder Mahmut Öztürk. Wie kam es dazu, dass so viele Spieler den Verein verlassen haben?

Tauber: Jeder einzelne Abgang ist für sich genommen nachvollziehbar. Wenn beispielsweise Anadolu mit den Scheinen winkt wie bei Öztürk, dann können wir nicht mithalten. Wir können nun mal kein Geld bieten, außer einer kleinen Punktprämie. Sebastian Goeldel geht beruflich für 1,5 Jahre ins Ausland, der Student Pascal Langer zurück in die Heimat. Steve Oelsner, unser Kapitän und wichtigster Spieler, hört aus familiären Gründen auf und Quirin Wanninger möchte eine Pause machen. Und was ihr wahrscheinlich noch gar nicht wisst: Baba Ndow, der letztes Jahr 26 Tore geschossen hat, hat jetzt auch plötzlich keine Lust mehr.

„Fußball hat nicht mehr den selben Stellenwert wie früher“

Was genau war seine Begründung? 

Tauber: Offenbar möchte er jetzt wechseln und weiß wahrscheinlich gar nicht, dass die Wechselfrist schon abgelaufen ist. Er ist eigentlich ein netter Kerl, aber etwas schwer zugänglich. Das war schon damals so, als er aus Dornach zu uns gekommen ist. Da hat er auch nicht erklärt, wie es dazu kam. Er spricht zwar gut Deutsch, aber auch bei Mannschaftsbesprechungen hatte ich nie das Gefühl, zu ihm durchzudringen.

Jede Menge Abgänge, trotz eures Aufstiegs. Hat sich der Fußball, wie du ihn von früher kennst, verändert?

Tauber: Das ist schon extrem komisch. Das habe ich so auch noch nie erlebt. Es lief ja eigentlich alles super. Wir haben immer geschaut, dass die Spieler im Training Spaß haben. Und es hat auch keiner vom Verein Druck gemacht, dass wir unbedingt aufsteigen müssen. Es wäre auch kein Problem gewesen, wenn wir nicht aufgestiegen wären - vielleicht wäre es sogar besser gewesen. Aber im Endeffekt kannst du nichts machen und musst das als Trainer so akzeptieren. Insgesamt ist die Situation schwierig. Das ist eben auch eine andere Spieler-Generation. Klar sind auch andere Sachen wichtig, aber es gibt halt die, die zum Beispiel ihren Urlaub auch ein bisschen nach dem Fußball planen und andere, die halt spielen, wenn sie Zeit haben. Für die sind eben andere Sachen wichtiger. Der Fußball hat vielleicht auch nicht mehr den selben Stellenwert wie früher.

Ihr hattet ja nicht nur viele Abgänge sondern auch einige Neuzugänge. Was erhoffst du dir von den neuen Spielern?

Tauber: Da sind schon ein paar gute dabei. Auch am Dienstag waren noch mal zwei neue Spieler im Probetraining, die ich bisher noch nicht kannte. Einige neue Spieler sind aber erst seit einer Woche im Training, weil sie davor wahrscheinlich noch nach besseren Angeboten Ausschau gehalten haben. Insgesamt sind wir von der Qualität der Spieler her ungefähr so gut besetzt wie letzte Saison. Der Kader ist sogar etwas breiter. Aber wir sind bisher noch keine Mannschaft. Und von den zehn Neuen sind zum Saisonauftakt drei im Urlaub, einer ist verletzt und mit Maximilian Hartmann ist ein weiterer Neuzugang erst mal gesperrt (Hartmann sah im Relegationsspiel des SV Planegg-Krailling gegen den TSV Dorfen Rot wegen einer Tätlichkeit, Anm. d. Red.). Daher wird zum Saisonstart die Hälfte der Mannschaft aus Spielern bestehen, die letztes Jahr mit der zweiten Mannschaft in die A-Klasse aufgestiegen sind. Und auch mit den guten Spielern, die geblieben sind, gibt es Probleme: Philipp Maier hat eine Entzündung im Knie und wird noch mehrere Wochen ausfallen. Und Jonas Perlowsky fährt eine Woche in den Urlaub - genau in der Woche, in der wir drei Spiele haben! 

„Die erste Woche wird wahnsinning hart“

Ist das für dich nachvollziehbar?

Tauber: So etwas kann ich eigentlich überhaupt nicht nachvollziehen. Aber bei solchen Themen musst du als Trainer schmerzfrei sein. Wenn du dich über so was aufregst, dann bist du bald im Irrenhaus. Erschwerend kommt hinzu, dass wir im Moment keine A-Jugend haben. Es kommt also auch niemand nach. Du kannst auch niemanden für teures Geld holen, sondern musst hoffen, dass sich ein Student hierher verirrt oder eben Spieler, die anderswo nicht so zum Zug kommen, aber gerne in der Bezirksliga spielen möchten.

Als Aufsteiger ist das Ziel ja meistens der Klassenerhalt. Wie siehst du eure Chancen und was wird dafür entscheidend sein?

Tauber: Der Klassenerhalt ist ja immer das Mindestziel. Ich verschwende daran aber im Moment noch überhaupt keine Gedanken. Wir müssen irgendwie schauen, dass wir konkurrenzfähig sind und nicht wie letztes Jahr der SV Untermenzing im Winter mit zehn Punkten dastehen. Entscheidend dafür wird sein, dass wir als Mannschaft auftreten und auch nach Rückschlägen dranbleiben. Die erste Woche wird schon wahnsinnig hart. Da müssen wir hoffen, dass wir nicht gleich mit drei Klatschen starten. Allerdings lief es jetzt in den Testspielen gar nicht so schlecht. Gegen eine Top-Mannschaft wie Sulzemoos haben wir erst durch ein Tor in der letzten Minute mit 2:3 verloren. So schlecht sind wir auch nicht.

Wer sind die Hauptkonkurrenten im Kampf um den Klassenerhalt?

Tauber: Phönix München, Fürstenfeldbruck und Raisting haben mit ähnlichen Problemen zu kämpfen wie wir. Außerdem gibt es mit Unterpfaffenhofen, Denklingen und Heilbrunn drei weitere Aufsteiger. Wir müssen versuchen, der Einäugige unter den Blinden zu sein.

Tauber über Spielansetzung: „Ein Unding“

Ihr startet gleich mit einer englischen Woche in die Saison. Nach eurem Auftaktspiel am Sonntag habt ihr nur einen Tag Pause und müsst schon am Dienstag wieder beim FC Anadolu antreten. Was hältst du von dieser Ansetzung?

Tauber: Ich finde es insgesamt ein Unding, wie das mit der Spielplanansetzung alles läuft. Nach dem Aufstieg hatten wir zwei Wochen Pause. Wenn wir noch Relegation hätten spielen müssen, hätten wir gar keine gehabt. Der Verband sollte sich schon mal fragen, ob das alles so Sinn macht. Aufsteiger haben es dadurch extrem schwer. Und zu der englischen Woche: Wir spielen jetzt am Sonntag gegen Phönix und direkt danach am Dienstag auswärts gegen Anadolu. Unser Sonntagsspiel wollten wir deshalb auf Freitag verlegen, aber das geht nicht ohne die Zustimmung des Gegners. Wir hätten es höchstens auf Samstag verlegen können, aber da bringt's dann auch nichts, weil einige meiner Spieler da keine Zeit haben. Der Verband ist da teilweise schon sehr unbarmherzig. Aber gut, da müssen wir durch.

Wie viele Punkte erhoffst du dir aus den drei Spielen gegen Phönix, Anadolu und Unterpfaffenhofen?

Tauber: Gegen Anadolu habe ich nicht viel Hoffnung. In den beiden Heimspielen versuchen wir, jeweils wenigstens einen Punkt zu holen. Und dann, wenn hoffentlich alle Spieler da sind, wollen wir angreifen. Es wird aber insgesamt eine sehr schwierige Saison. Das ist eigentlich traurig, denn die Bezirksliga ist dieses Jahr nicht so stark, mit vielen Aufsteigern. Mit unserem Aufstiegs-Team hätten wir da eine gute Rolle spielen können. Aber wir werden alles geben. Unmöglich ist nichts im Fußball.

Interview: Tobias Empl

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