Giesing national: Die Fans der Münchner Löwen füllen die Stadien der Konkurrenten. So auch zuletzt in Schalding(li.), Buchbach (re.) und Memmingen. Teilweise werden die Anhänger dabei ganz schön zur Kasse gebeten. (Foto: Robert Geisler, Claude Rapp, Michael Buchholz)

Manche Vereine ändern nichts

Ticket-Preise: Hier werden die Löwen-Fans zur Kasse gebeten

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Die Regionalliga boomt wie noch nie. Nach dem Zwangsabstieg des TSV 1860 München winkt für einige Vereine ein Geldregen. Im Fokus stehen die Heimspiele gegen die Löwen.

Die Regionalliga ist die Königsklasse des Amateursports in Bayern. Das heißt aber nicht, dass die Heimspiele der 19 Regionalligisten ständig ausverkauft wären. Tatsächlich ist es für die Meisten nur das Heimspiel gegen den ehemaligen deutschen Meister aus München, das ausverkauft sein wird. Für die Vereine ist das natürlich ein willkommener Geldregen. 

Zuletzt gerieten die Praktiken einiger Regionalligisten in die Kritik. Für die begehrten Spiele gegen die Bayern-Amateure und vor allem gegen die Löwen verlangten die Vereine teils deutlich höhere Eintrittspreise. So mussten beispielsweise die Fans des FC Bayern II gegen den FC Unterföhring 15 Euro für einen Stehplatz berappen.  

Die Vereine wehrten sich und verwiesen auf hohe Nebenkosten, die durch mehr Sicherheit und andere Auflagen entstehen.

Für die Clubs ist das Geld aus diesen Spielen natürlich extrem wichtig und für viele ein fester Bestandteil der Budgetplanung. Gerade Teams wie beispielsweise der VfR Garching sind auf dieses Geld angewiesen, nachdem man in der vergangenen Saison noch kurz vor dem finanziellen Kollaps stand.

Als Nächstes stehen die Garchinger vor ihrem Heimspiel gegen die Löwen. Wie bei vielen Konkurrenten zählt das Spiel in eine besondere Kategorie. Ein Stehplatz kostet 15 Euro, ein Sitzplatz sogar 20 Euro. Zudem gibt es im Vergleich zu "gewöhnlichen" Spielen keinerlei Ermäßigungen. Sprich: Egal welches Alter, jeder muss mindestens 15 Euro bezahlen.

Stolze Preise für ein Spiel in der viertklassigen Regionalliga. Bei einem Familienbesuch mit Partner und zwei Kindern, zahlt man immerhin mindestens 60 Euro. Viel Geld für ein Regionalligaspiel. Zum Vergleich: Beim Bundesligisten aus Leverkusen sind Sitzplätze für das Eröffnungsspiel gegen Hoffenheim für 17 Euro zu haben. 

Fairerweise muss gesagt werden, dass das Spiel gegen die Löwen das Einzige dieser Kategorie ist. Ab dem nächsten Heimspiel gibt es dann wieder ermäßigte Tickets und Kinder unter 13 kommen wie gewohnt umsonst ins Stadion.

Fußball-Vorort hat bei anderen Regionalligisten nachgefragt, wie die Ticket-Frage im Spiel gegen die Löwen gehandhabt wird oder wurde:

FC Memmingen: Auf der Homepage der Allgäuer heißt es: "Kinder bis zum vollendeten 10. Lebensjahr sowie behinderte Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre haben in Begleitung eines Erwachsenen bei N-Spielen (Normale Spiele)  auf Stehplätzen freien Eintritt in die Memminger Arena (Ausnahmeregelungen vorbehalten)."  Auf Nachfrage erklärt Abteilungsleiter Armin Buchmann, dass man in diesem Jahr für Schlagerspiele, wie etwa das am ersten Spieltag gegen den TSV 1860 München, eine eigene Kategorie eingeführt habe. Kindern und Jugendlichen werden dabei keine Ermäßigungen zugestanden. Dies geschehe ausdrücklich aufgrund der Kapazitätsgrenzen bei hohem Zuschauerandrang. "Wenn man bei einer solchen Partie mit freiem Eintritt wirbt, kann das schnell unkontrolliert werden. Leider haben wir nur Platz für 5000 Zuschauer. Wir wollen aber auf keinen Fall an Kindern Geld verdienen", wirbt Buchmann um Verständnis.

FC Unterföhring: "Bei uns wird man erst ab dem 14. Lebensjahr zur Kasse gebeten. Wir müssen schließlich auch an die Fans von Morgen denken", schmunzelt Präsident Franz Faber. Kassier Christoph Binder weiß von einer Art Leitfaden des Verbandes: "Das sind meines Wissens lediglich Empfehlungen für die Preisgestaltung in den verschiedenen Spielklassen. Die Vereine können also eigentlich selbst entscheiden, wie viel sie verlangen." Übrigens: die Ermäßigung für Kinder und Jugendliche gilt auch bei Schlagerspielen (etwa gegen den TSV 1860) in der Regionalliga Bayern. 

TSV Buchbach: "Aus Kapazitätsproblemen konnten Kindern im Spiel gegen 1860 München kein freier Eintritt gewährt werden", sagte Pressesprecher Thomas Huber. "Wir haben auch keine Ermäßigungen gehabt", schrieb 1. Abteilungsleiter Günther Grübl.

FC Pipinsried: "Solange Platz ist, möchten wir alle Kinder umsonst ins Stadion lassen", meinte FCP-Präsident Konny Höß. Die Stadionkapazität soll voll ausgefüllt werden Alles andere wäre "Geldmacherei". "Pipinsried ist ein kleiner Dorfverein und hier wird das gehandhabt wie immer", meinte Höß. Man solle da "die Kirche im Dorf lassen".

SV Schalding-Heining: „Wir haben die Ticketpreise gegen die Löwen genauso angesetzt, wie zu jedem anderen Spiel. Das heißt: Der Vollzahler musste 15 Euro bezahlen und das ermäßigte Ticket gab es für zehn Euro“, so Abteilungsleiter Markus Clemens

Der bayerische Fußball-Verband aüßerte sich zu den Ticketpreisen in der Regionalliga wie folgt:

Nach Auskunft der BFV-Pressestelle ist „die Preisgestaltung der Tickets grundsätzlich Sache der Vereine. Wir ermutigen die Vereine zwar, sich auf eine gemeinsame, einheitliche Preispolitik innerhalb der Liga zu verständigen – aber letztlich entscheiden die Vereine selbst, ob sie dem Vorschlag folgen – oder jeder für sich die Preise festlegt. Wir als Verband mischen uns in die Preisgestaltung nicht ein und kommentieren diese auch nicht. Die einzige Vorgabe, die wir von Verbandsseite machen, ist, dass der Zuschauer der Gastmannschaft bei der Preisgestaltung nicht schlechter gestellt werden darf als der Zuschauer der Heimmannschaft.“

Bleibt nur noch die Frage, wie es der Klassenprimus selbst regelt. Vergangene Saison kostete ein Stehplatz beim TSV 1860 München 14 Euro (ermäigt 11€, Kinder 6-13 Jahre 7€). Der billigste Sitzplatz kostete fast 20 € (Kinder 9,95€). In dieser Saison wurde es trotz des Abstiegs sogar noch teurer. Zwar blieb der Stehplatz bei 14 Euro, doch der ermäßigte- und Kinderpreis wurde um einen Euro teurer. Das selbe gilt für den billigsten Sitzplatz. Dieser kostet mittlerweile 21€ (Kinder 12€).

Übrigens: Die Bayern-Amateure, die bisher auch im Grünwalder Stadion spielten, verlagen nur 5€ für einen Stehplatz und 10€ für den billigsten Sitzplatz. Auf Nachfrage, wie der FC Bayern das Heimspiel gegen den Stadtrivalen preislich handhabt, bekamen wir keine Antwort.   

Es gibt also Unterschiede in der Preisgestaltung. Der VfR Garching ist bei weitem nicht das einzige Team, das diese Praktiken anwendet. Vereine wie der FC Pipinsried zeigen aber auch, dass es ohne Sonderzulagen geht. Es bleibt aber auf jeden Fall fraglich ob die Preise dem Niveau angepasst sind. Doch wie so oft bestimmen Angebot und Nachfrage den Markt. 

Wenn die Löwen aber so weiterspielen wie bisher, könnte es sein, dass der Hype nächstes Jahr auch schon wieder vorbei ist. 

Quelle: fussball-vorort.de

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