Kommentar zum Rückzug der Investoren

Investorenbeben bei Türkgücü und Uerdingen: Warnung für denProfifußball

  • vonNico-Marius Schmitz
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Die Investoren der Drittligisten Türkgücü München und KFC Uerdingen ziehen sich zurück. Ein Kommentar zum Investorenkonzept im deutschen Profifußball.

  • Investor und Präsident Hasan Kivran zieht sich bei Drittliganeuling Türkgücü München* zurück.
  • Auch beim Ligakonkurrenten KFC Uerdingen geht Geldgeber Mikhail Ponomarev von Bord.
  • Dienen solche Beispiele als Warnung für den deutschen Profifußball?

Es war im Endeffekt mehr als nur eine Vorwarnung. Vor einigen Wochen gab der KFC Uerdingen bekannt, dass Investor Mikhail Ponomarev den Verein zum Saisonende verlassen wird. Der Russe schlug 2015 wie ein Meteor in Krefeld ein, versprach mit Geldscheinen wedelnd den großen Erfolg und hinterlässt nicht viel mehr als verbrannte Erde. Nun hat es auch Türkgücü München erwischt. Präsident und Mäzen Hasan Kivran schmeißt sein eigenes Projekt weg – jedoch nicht erst zum Ende der aktuellen Spielzeit. Sondern sofort.

DFL: Wird die 50+-Regel gekippt?

Die Beispiele aus Uerdingen und München sind deutliche Warnungen für den deutschen Profifußball. Die Deutsche Fußball-Liga (DFL) hat seit der Coronakrise und den damit verbundenen wirtschaftlichen Engpässen wieder lauter über eine Öffnung für Investoren nachgedacht. Bayern-Präsident Herbert Hainer stellte im Mai sogar die 50+1-Regel in Frage: „Ich bin der Meinung, dass man es den Vereinen selber überlassen sollte, wie viele Anteile sie abgeben wollen.“ Die Regelung verhindert, dass Investoren die Mehrheit eines Vereins übernehmen. Als positives Beispiel wird häufig die Premier League genannt. Dort sind die meisten Vereine im Besitz von reichen Familien oder sogar Staaten. Doch wie sehr würde man sich in Deutschland noch mit einer Mannschaft identifizieren, die letztlich nur als Marketingprojekt eines Wüstenstaats dient?

3. Liga: Investoren wie Kivran und Ponomarev drängen auf raschen Erfolg - um jeden Preis

Die jüngsten Investoren-Ausstiege in der 3. Liga zeigen doch deutlich, wie sehr die Abhängigkeit von einer einzelnen Person bestraft werden kann. Personen wie Ponomarev und Kivran stehen nicht für nachhaltige Strategien, sondern drängen auf den rasanten Erfolg. Ohne Rücksicht auf Verluste. Ja, die beiden Geschäftsmänner haben ihre Vereine aus dem Amateursport wieder in den Profifußball geführt. Aber zu welchem Preis?

Uerdingen beschäftigte seit Ponomarevs Antritt 15 Trainer. Die Gehälter der Spieler werden nicht mehr bezahlt, mit der Stadionmiete gerät der KFC regelmäßig in Rückstand, es droht sogar die Insolvenz. Auch Türkgücü wird nun wie ein uninteressant gewordenes Spielzeug herumgereicht und muss darauf hoffen, dass sich jemand erbarmt und den Verein vor dem Rückfall in das sportliche Nichts rettet.

Investoren sind nicht die Rettung des deutschen Fußballs. Da genügt ein Blick zu 1860 und Hasan Ismaik. NICO-MARIUS SCHMITZ *tz.de ist Teil des Ippen-Redaktionsnetzwerks

nico.schmitz@merkur.de

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